20.05.2020 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Wirtschaft
4,6 Millionen Erfolgsbeteiligung für Bauern
Der von landwirtschaftlichen Genossenschaften getragene Agrarkonzern Fenaco ist 2019 erneut gewachsen. Der Nettoerlös stieg um 3,5 Prozent auf gut 7,0 Milliarden Franken, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Auch die Bauern profitieren vom Ergebnis mit einer Erfolgsbeteiligung.

Gut zwei Drittel des Wachstums gelang laut den Angaben aus eigener Kraft, den Rest steuerten Zukäufe bei. Zum Wachstum hätten alle Geschäftsbereiche einen Beitrag geleistet, so die Mitteilung weiter. Fenaco ist in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig, so im Detailhandel (Volg, Landi), in der Lebensmittelindustrie (u.a. Ramseier, Ernst Sutter AG), im Agrarhandel (u.a. Saatgut, Futtermittel) und im Bereich Energie (Agrola).

Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank im vergangenen Jahr um 7,6 Prozent auf 121 Millionen Franken, was primär mit einem Sondereffekt begründet wird. Das Unternehmensergebnis, also der Reingewinn, verringerte sich in der Folge um 15 Prozent auf 110 Millionen, wobei im Vorjahr zwei Immobilienverkäufe diese Kennzahl positiv beeinflusst hatten. Insgesamt war 2019 das zweitbeste Jahr der Fenaco in ihrer Geschichte.

Energie legt am stärksten zu

Das stärkste Wachstum (+7,9% auf 1,57 Milliarden) verzeichnete das Segment Energie (u.a. Benzin und Heizöl). Das Plus sei nicht auf Preisschwankungen zurückzuführen, sagte Konzernchef Martin Keller. «Das Wachstum ist ausschliesslich mengenbedingt.»

Markant aufwärts ging es auch im Bereich Lebensmittelindustrie (+4,7% auf 1,33 Milliarden), was jedoch laut dem Firmenchef vor allem Übernahmen zu verdanken war. Leichtes Wachstum von 1,9 Prozent und 1,5 Prozent verzeichneten die beide Sparten Agrar  sowie Detailhandel.

31 Millionen an Mitglieder

2018 schüttete die Fenaco zum 25-Jahre-Jubiläum eine Erfolgsbeteiligung aus. Diese Beteiligung, die an aktive Landwirtinnen und Landwirte, die einen landwirtschaftlichen Betrieb führen, wurde fortgeführt. Insgesamt wurden für das Jahr 2019 4,6 Mio. Fr. ausgeschüttet, das ist leicht weniger als im Vorjahr (2018: 4,7 Mio. Fr.). Zusätzlich wurden Geschenkpakete im Wert von 1,95 Millionen (2018: 1,75 Mio. Fr.) verschickt. Nebst der Erfolgsbeteiligung wurden die Anteilscheine zu 6 Prozent verzinst. Somit flossen weitere 9,9 Millionen Franken (2018: 9,2 Mio. Fr.) an die Mitglieder.

Weiter bezahlte die Fenaco den Landi wie in jedem Jahr eine Leistungsprämie aus. Sie betrug 16,0 Mio. Fr. (2018: 15,2 Mio. Fr.). «Beides kommt auch den Landi-Mitgliedern zu Gute. Insgesamt überwies die Fenaco im Berichtsjahr rund 31 Mio. Fr. (2018: 30 Mio. Fr.) an die Landi und deren Mitglieder, Schweizer Bäuerinnen und Bauern», teilt der Agrarkonzern mit. 

Erfolgsbeteiligung

Aktive Bauern, die bei der Fenaco Agrarprodukte wie Futtermittel, Dünger oder Saatgut einkaufen und einen jährlichen Mindestumsatz von 5000 Franken erzielen, werden mit einer Erfolgsbeteiligung bedacht. Ab 5000 Franken gibt es ein Überraschungspaket (100 Franken) mit Fenaco-Lebensmitteln.

Bei einem Umsatz ab 10’000 Franken werden 200 Franken dem Kontokorrent gutgeschrieben. Bei einem Umsatz von über 25000 Franken erhält der Bauer eine Gutschrift von 500 Franken. Setzen die Bauern bei den Landi mehr als 50’000 Franken um, werden 1000 Franken rückvergütet. 

Viel Wertschätzung für Bauern

Die Landwirtschaft leidet zwar weniger als andere Wirtschaftssektoren unter der Coronakrise. Am Agrarkonzern Fenaco geht sie trotzdem nicht spurlos vorbei. Die Bedeutung der einheimischen Landwirtschaft sei wegen der Coronakrise vielen Schweizerinnen und Schweizern «schlagartig» wieder klar geworden, sagte Fenaco-Präsident Pierre-André Geiser am Mittwoch an einer Telefonkonferenz. «Unsere Bäuerinnen und Bauern erfahren aktuell viel Wertschätzung, nachdem zuletzt viel Kritik auf sie eingeprasselt ist.» Mancher Bauer steuere nun wieder mit erhobenem Haupt den Traktor aufs Feld.

Doch der Fenaco-Konzern als ein Rückgrat der Schweizer Landwirtschaft profitiert davon kaum. Im Gegenteil erwartet Konzernchef Martin Keller nach Jahren des Wachstums für 2020 einen rückläufigen Umsatz. Und unter dem Strich werde das Unternehmen weniger verdienen, lautet seine Prognose. Beziffern wollte er den Rückgang allerdings nicht. «Das wäre Kaffeesatzlesen.»

Aufholen unmöglich

Er begründete seine Prognose mit «ausserordentlichen Kosten», welche die Bewältigung der Krise verursachten. Und in einigen Sparten würden nun zwei Monatsumsätze fehlen, was nicht mehr aufgeholt werden könne. «Wer ein Restaurant besucht, das wir beliefern, isst nun nicht das Doppelte oder Dreifache.»

Auch die Landi-Läden, wo sich auch viele Hobbygärtner eindecken, hätten eine empfindliche Umsatzeinbusse erlitten. Regelrecht eingebrochen ist zudem die Mobilität, was sich bei der Tochter Agrola bemerkbar gemacht habe. «Wir gehen nicht davon aus, dass nun mehr herumgefahren und somit mehr Benzin verbraucht wird.» Profitiert habe während der Krise aber der Detailhandel, so Keller. Die Volg-Läden hätten deutlich zugelegt. Und das Segment Lebensmittelindustrie habe im Detailhandel ebenfalls mehr verkauft, vor allem Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Lagergemüse, Obst, Eier und Fleisch.

Auslandprojekt in Luxemburg

Trotz dem sich abzeichnenden Corona-Knick lässt sich Fenaco nicht von seinem Pfad abbringen. Die Investitionen würden nicht gekürzt. Und Projekte, die zukünftig Wachstum bringen sollen, liefen weiter, hiess es dazu. Ein solches Projekt ist die Expansion ins Ausland. So wurde im letzten März in Luxemburg ein Laden mit dem Landi-Sortiment eröffnet. Es handle sich um einen Pilotbetrieb, «mit dem wir die Marktfähigkeit im europäischen Raum prüfen», so Keller.

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