13.01.2014 08:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Fleischmarkt
52'000 «Kühe» importiert
Doppelt so viele Importe wie 2012, deutlich höhere Produzentenpreise – der Schlachtkuhmarkt war 2013 regelrecht ausgetrocknet. Grund sind die sinkenden Milchkuhzahlen. Die Situation wird wohl noch anhalten.

Der Schweiz gehen die Kühe aus» titelten Ende Dezember diverse Tageszeitungen. Im letzten Jahr gingen die Schlachtzahlen von Verarbeitungskühen um 4413 Stück oder 2,8 Prozent zurück. Was die Fleischbranche bereits seit Monaten zu spüren bekommt, hat nun auch den Weg in die Tagespresse gefunden.

Milchpreis ist der Grund

Grund für den Mangel ist der abnehmende Milchviehbestand. Gemäss Daten der Tierverkehrsdatenbank (TVD) hat die Zahl der gemolkenen Kühe 2013 um 13140 Kühe gegenüber dem Vorjahr abgenommen. «Entscheidend für den Bestand der Milchkühe ist allein der Milchpreis», sagt Bauernverbandspräsident Markus Ritter gegenüber der Zeitung «20 Minuten». «Er reicht heute nicht aus, um die Arbeitskosten der Bauern zu decken.»

Ein weiterer Grund für den Rückgang des Milchkuhbestandes sind die steigenden Milchleistungen. Laut Angaben des Bundesamtes für Statistik lag die durchschnittliche Milchleistung einer Kuh im Jahr 2000 bei 5700 kg/Jahr. 2011 lieferte eine Durchschnittskuh bereits 6900 kg/Jahr. Für gleich viel Milch braucht es also immer weniger Kühe.

Mehr Mutterkühe

Gleichzeitig steigen die Mutterkuhzahlen stetig an. 2013 legte die Kategorie «andere Kühe» gemäss TVD um 9721 Stück zu. Doch die schlachtreifen Mutterkühe vermögen das Manko bei den Verarbeitungskühen nicht auszugleichen.

Martin Rufer, Leiter Produktion und Märkte beim Schweizer Bauernverband, erklärt: «Die gestiegenen Mutterkuhzahlen sind vor allem auf zusätzliche Mutterkuhbetriebe zurückzuführen. Dadurch kommen vorerst nicht mehr Mutterkühe zur Schlachtung.» Ausserdem hätten Mutterkühe in der Regel eine längere Lebensdauer als Milchkühe, wodurch ebenfalls weniger Tiere geschlachtet würden.

Skandal erhöht Nachfrage

Verstärkt wurde der Mangel an Verarbeitungskühen durch die grosse Nachfrage nach Schweizer Verarbeitungsfleisch, welche nach dem Pferdefleischskandal letzten Frühling entstand.

Aber auch der zunehmende Preiskampf im Hackfleischmarkt heize die Nachfrage an, sagt Christian Siegrist, Leiter Beschaffung bei der Ernst Sutter AG, gegenüber dem «Schweizer Bauer». Ausserdem esse die ausländische Bevölkerung oft kein Schweinefleisch, sondern Produkte aus Verarbeitungsfleisch. «Der Trend zu einem steigenden Konsum von Verarbeitungsfleisch wird anhalten», ist er überzeugt. 

Produzentenpreis höher

Vom knappen Angebot und der guten Marktlage profitieren auch die Produzenten. Der Produzentenpreis für eine T3-Kuh lag im letzten Jahr durchschnittlich bei 6.82 Fr./kg Schlachtgewicht. Im Jahr zuvor lag er bei 6.28 Fr./kg.
Ersetzt wurden die fehlenden Mengen durch Importfleisch. Insgesamt 13'450 Tonnen – Fleisch von 52'000 Kühen – sind letztes Jahr zum Import freigegeben worden. Das ist doppelt so viel wie 2012.

Steigerungspreis tiefer

Waren dadurch auch die Steigerungspreise höher als üblich? «Nein», meint Ernst Graber, Leiter Vieheinkauf bei der Micarna. «Der Versteigerungspreis ist nicht allein von der Nachfrage abhängig, sondern mehr vom Preis der geschlachteten Kühe im Ausland.»

Hauptherkunftsländer seien Deutschland, Österreich und Frankreich. Gemäss den Resultaten der Versteigerungen des Bundesamtes für Landwirtschaft betrug der mittlere Zuschlagspreis für Schlachtkörper von Verarbeitungskühen im Oktober 2013 37 Rp./kg. Im Oktober 2011 bezahlten die Ersteigerer durchschnittlich 1,05 Fr./kg.

Situation wird anhalten

Das knappe Angebot an Schweizer Kühen sei für die Micarna zwar bedauerlich, die fehlenden Mengen könnten jedoch durch Importe ausgeglichen werden. Graber hofft, dass die Angebote an Kühen im laufenden Jahr nicht wesentlich rückläufig sein werden. Dies bezweifelt Martin Rufer vom Bauernverband: «Die knappe Situation auf dem Markt für Verarbeitungsfleisch wird wohl noch anhalten», prognostiziert er. «Die Kuhbestände werden mit den wegfallenden Tierbeiträgen höchstwahrscheinlich nicht zunehmen.»

Er rechnet damit, dass die Preise für Schlachtkühe noch etwas ansteigen werden, da seit dem 1. Januar die Bemessungsperiode für die Inlandleistung gilt. Je mehr Schweizer Kühe ein Schlachtbetrieb schlachtet, desto mehr Importkontingent wird er ab dem 1. Januar 2014 zugeteilt erhalten. «Auf den Märkten war die Nachfrage nach Kühen in dieser ersten Woche der Bemessungsperiode gross», sagt Rufer.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE