6.10.2014 15:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Kartoffelmarkt
Ab 2018 braucht es 4,5 Hektaren
Ab nächstem Jahr strebt die Fenaco bei der Kartoffelübernahme Mindestmengen pro Sorte und Produzent an. Es seien aber auch Anbaugemeinschaften möglich, heisst es. Die Kartoffelfläche soll per 2015 reduziert werden.

Das Projekt «Kartoffelmarkt 2014+» der Fenaco wird konkreter. Ziel dieses Projekts ist es, die Konkurrenzfähigkeit auf den Stufen Landwirt, Landi und Fenaco zu verbessern. Dazu wird bis 2018 folgende Umsetzung angestrebt:

Mindestmenge pro Sorte und Produzent:

Ernte 2015: 60 t/Sorte, (Frühsorten 30 t)
Ernte 2016: 80t/Sorte, (Frühsorten 40 t)

Gesamtmenge pro Produzent:
Ernte 2017: 160t Gesamtmenge (Frühsorten 100 t)
Ernte 2018: 200t (Frühsorten 150t)

4,5 ha pro Produzent

Gerechnet mit einem durchschnittlichen Kartoffelertrag von 43t/ha, heisst das, dass bei der Ernte 2016 fast 2 ha der selben Sorte pro Produzent angebaut werden müssten. Damit man die ab 2018 angestrebte Gesamtmenge von 200t pro Produzent erreicht, braucht es rund 4,5 ha Kartoffeln. Was bedeutet das also für die Produzenten konkret? «Wir werden versuchen, die angestrebten Mengen so umzusetzen», erklärt Christoph Kohli, Leiter Veredelungskartoffeln bei der Fenaco.

«Wir werden aber auch Augenmass halten. Wenn ein Produzent ‹nur› eine Hektare von einer Sorte hat, werden wir diese Kartoffeln nicht zurückweisen.» Aber die Fenaco möchte im Rahmen des Projekts «Kartoffelmarkt 2014+» darauf hinarbeiten, dass auf 1,5 ha nicht mehr drei verschiedene Sorten angebaut werden.

Anbaugemeinschaften

«Auch unsere Abnehmer wünschen vermehrt, dass wir 40 oder sogar 60 Tonnen desselben Lots liefern», sagt Kohli. «Dadurch ist es zum Beispiel für die Firma Zweifel einfacher, den Namen des Produzenten auf die Verpackung zu drucken.» Als gute Möglichkeit für die Umsetzung der gewünschten Änderungen  sieht Kohli Anbau- oder Fruchtfolgegemeinschaften.  Auch der Weg vom Flächenabtausch wäre möglich.

Ob mit diesem Vorhaben vermehrt kleinere Kartoffelproduzenten aus der Produktion aussteigen werden, kann Kohli nicht vorhersagen. «Uns ist wichtig, dass die Produzenten wissen, in welche Richtung es geht, und sich darauf einstellen können», sagt er. Es herrsche in letzter Zeit ein enormer Druck von grösseren Produzenten und überbetrieblichen Anbaugemeinschaften, die den Kartoffelanbau weiter ausdehnen möchten. «Unsere Strategie ist nicht, diesem Druck nachzugeben. Wir wollen nach wie vor mit allen Produzenten zusammenarbeiten», betont der Category Manager.

Einfluss auf Preis?

«Es ist nicht das Ziel, dass der Produzentenpreis gesenkt wird», stellt Kohli klar. Wo der Markt hingehe, sei aber schwer zu sagen. Zum Teil würden momentan in der Branche Bedingungen vereinbart, die nicht den offiziellen Abmachungen entsprächen.

Vor allem bei den Speisekartoffeln ist die Branche mit einem rückläufigen Konsum konfrontiert. «Die Fenaco ist an der obersten Limite dessen, was sie übernehmen kann», zeigt Kohli auf. «Der Anbau muss daher leicht reduziert werden.» Bei den Speisekartoffeln brauche es eine deutliche Kürzung der Flächen um ca. 10 Prozent. Bei den Veredelungskartoffeln werde die Kürzung minim ausfallen. Wie genau die Flächen reduziert würden, werde demnächst kommuniziert.

Terralog: Qualiät ist der wichtigste Faktor

Die Terralog AG, der zweitgrösste Kartoffelhändler der Schweiz, bestätigt: «Der Spezialisierungsgrad und die Kartoffelfläche pro Betrieb werden zunehmen.» Auch sie würden versuchen, frei werdende Mengen gezielt bei den besten Direktproduzenten zu beschaffen. «Doch der wichtigste Faktor für die Zusammenarbeit mit den Produzenten ist nicht die Postengrösse oder die Anzahl Sorten, sondern die Qualität seines Erntegutes», betont Terralog-Geschäftsführer Ernst Arn. «Wir streben Modelle an, die die Produzenten direkt am Verkaufserfolg beteiligen.»

Das sagen die Produzenten dazu

«Grundsätzlich ist wichtig, dass sich die Fenaco sowie die Landi auch weiterhin an die Abmachungen in der Branche halten», betont Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten (VSKP).

Zu den angestrebten Mindestmengen der Fenaco meint er: «Wichtig ist, dass sich Produzenten zusammenschliessen können, um die geforderten Mengen zu erreichen. Dem ‹Besserwerden› wollen wir uns nicht verschliessen.» Jedoch sei grösser nicht in jedem Fall gleich besser. Heute würden viele kleinere Betriebe effizient und kostengünstig Qualitätskartoffeln liefern.

«Das Projekt Kartoffelmarkt 2014+ birgt nebst zahlreichen Chancen auch einige Risiken für Produzenten und Abnehmer. Es darf nicht dazu führen, dass der Produzentenpreis noch mehr unter Druck kommt», betont Fischer. Auch müsse unbedingt vermieden werden, dass die Kartoffeln nur noch um die Übernahmezentren angebaut würden (Krankheitsdruck, Nematoden, Bodenstruktur, Fruchtfolge usw.).

Auch andere Abnehmer sind momentan Thema in der Branche. Laut Landwirten hat einer offenbar angekündigt, seinen Produzenten nächstes Jahr drei Franken unter dem Richtpreis zu zahlen. Andere machen einen Rückbehalt beim Produzentenpreis im Falle, dass  Mengen nicht abgesetzt werden können. Und gewisse Abnehmer wollen einen Teil der Vertragsmenge nur noch grob sortiert zum tieferen Preis von 24 Fr./100 kg übernehmen.

«Die Produzenten sind aufgefordert, nur Liefervereinbarungen einzugehen, wenn die Übernahmebedingungen der Swisspatat eingehalten werden», hält Fischer fest. gro

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