10.08.2016 10:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Fleischmarkt
Abnehmer lassen Muskeln spielen
Innerhalb von acht Tagen sind die Preise für Schlachtkühe um 60 Rappen und jene für Schweine um 40 Rappen gefallen. «Eine Unverschämtheit», sagt der Bauernverband. Die Abschläge würden den Markt nicht abbilden. Haben die Abnehmer ihre Marktmacht ausgenutzt? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Schlachtkühe sind in der Schweiz Mangelware – vor allem während der Sommermonate. Deshalb stieg der Preis Ende Juni auf hohe 8.50 Fr./kg Schlachtgewicht (SG).

«Das ist unverschämt»

«Mit solchen Preisen geht unsere Rechnung nicht mehr auf, Kühe sind zu teuer», tönte es darauf aus den Reihen der Verwerter und Fleischhändler. Sie setzten daher Ende Juli einen Preisabschlag um 10 Rp./kg durch. In der Folge brachten viele Kuhmäster aus Angst vor weiteren Abschlägen ihre Tiere auf den Markt. Das kurzzeitig grössere Angebot nutzten die Abnehmer blitzartig aus und rissen den Schlachtkuhpreis letzten Freitag um ganze 50 Rp./kg nach unten. Einige Schlachtbetriebe bezahlen nicht einmal die 7.90 Fr./kg SG.

«Das ist unverschämt», verurteilt Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband den Preisabfall. «Ein Preisabschlag in diesem Ausmass ist nicht haltbar und geht total am Markt vorbei.» Es gehe nicht, dass die Abnehmer nach Importen rufen und gleichzeitig eine derartige Preispolitik betrieben würde. «Das wird intensive Diskussionen im Proviande-Verwaltungsrat geben», ist Rufer überzeugt.

Marge der Abnehmer höher

Ein Blick in den Marktbericht Fleisch des Bundesamtes für Landwirtschaft zeigt übrigens, dass die Bruttomargen der Verarbeiter und Fleischhändler im Rindfleischbereich keineswegs gesunken sind. Sie lagen von Januar bis Juni 2016 fast immer höher als im Vorjahr.
Auch auf dem Schweinemarkt nutzen die Abnehmer ihre Marktmacht aus. Kaum hatte es Ende Juli einige Schweine zu viel auf dem Markt, wurde der Preis um 20 Rp./kg nach unten korrigiert und eine Woche später gleich noch einmal auf 3.90 Fr/kg.

Noldi Windlin, Präsident Fachkommission Markt bei Suisseporcs, sieht hier ein grosses Ungleichgewicht: «Für den Aufschlag um 40 Rp. brauchte es im Frühling ganze acht Wochen, und der Abschlag wird nun innert acht Tagen durchgesetzt.» Er fordert einerseits mehr Augenmass von den Abnehmern, plädiert aber auch für eine Drosselung der Produktion.

Preis muss auf Tiefststand sinken

Daniel Leutwyler, Leiter Vieheinkauf bei Bell, erklärt die Situation wie folgt: «Nach dem ersten Preisabschlag sind sämtliche Schlachtbetriebe und Fleischhändler auf die Bremse gestanden. Jeder will seine teurer eingekauften Schweinefleischlager abbauen.» Nun müsse der Preis zuerst auf einen «Tiefststand» sinken, bevor wieder mehr Schweine geschlachtet würden. «Dieser Tiefststand muss aber nicht unbedingt bei tiefen 3.20 Fr./kg SG liegen wie im Vorjahr.» 

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