5.01.2016 08:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Kartoffeln
Abrechnungen gut kontrollieren
In den letzten Wochen haben die Kartoffelproduzenten die Abrechnungen der Ernte 2015 erhalten. Diese sind mit den vielen Positionen, Zuschlägen und Abzügen komplex. Eine gute Kontrolle auf Fehler lohnt sich.

Die einen sind kurz und bündig, kommen mit wenigen Zeilen aus. Auf anderen erstrecken sich die Zahlen über eine halbe Seite. Keine gleicht der anderen: Die Rede ist von Kartoffelabrechnungen. Jeder Abnehmer hat dabei seine eigene Darstellungsweise. Inhaltlich sollten sich die Abrechnungen eigentlich nicht unterscheiden, denn die Übernahmebedingungen und Handelsusanzen gelten für die gesamte Branche — ausser der Produzent hat anderen Bedingungen per Unterschrift zugestimmt.

Es passieren Fehler

«2015 wurden die Übernahmebedingungen überarbeitet und verschlankt, sodass sich alle Abnehmer darin wiederfinden», erklärt Christa Gerber, Geschäftsführerin der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP). «Das Ziel ist, dass sich nun auch alle daran halten.»

Dass dies nicht immer der Fall ist, beweisen die zahlreichen Mails und Telefone, die VSKP-Präsident Ruedi Fischer in den letzten Wochen erhalten hat. «Wir wollen niemandem bösen Willen unterstellen, aber es ist eine Tatsache, dass die Abrechnungen zum Teil Fehler enthalten.»  Fischer empfiehlt daher jedem Kartoffelproduzenten, seine Abrechnungen gut zu kontrollieren. «Auch kleine Fehler machen finanziell etwas aus.»

Wie will ich liefern?

Die Übernahmebedingungen sind leider nicht allgemein verbindlich. Jedem Abnehmer steht es frei, eigene Übernahmebedingungen auszuarbeiten und diese von seinen Produzenten unterschreiben zu lassen. «Die Kartoffelpflanzer müssen sich im Voraus gut überlegen, zu welchen Konditionen sie ihre Kartoffeln liefern wollen», sagt Fischer. «Während der Ernte ist es dann zu spät für Änderungen.»

Auch bei der Eingangskontrolle im Herbst müssten sich die Landwirte selbst lieb sein und auf eine korrekte Beprobung beharren. Neu ist in den Übernahmebedingungen geregelt, dass jeder Produzent das Recht auf eine neutrale Qualitätskontrolle nach der Anleitung von Qualiservice hat. Der Landwirt muss zudem direkt nach der Lieferung einen vollständigen Kontrollrapport erhalten. «Wer seine Kartoffeln ohne Eingangskontrolle abliefert, kann sich später nicht über die Taxation und die Abrechnung beschweren», stellt der VSKP-Präsident aus Bätterkinden BE klar.

VSKP informieren

Werden bei der Abrechnung tatsächlich Fehler oder Unstimmigkeiten (siehe Checkliste) entdeckt, ist als Erstes der Abnehmer zu kontaktieren. Oft klärt sich die Situation damit von selbst. Gleichzeitig sollte auch die VSKP informiert werden. «Nur wenn wir wissen, was in der Branche läuft, können wir handeln», betont Fischer.

Im Falle, dass sich Unstimmigkeiten mit dem Abnehmer nicht klären lassen, steht den betroffenen Parteien gemäss Handelsusanzen  ein Schiedsgericht zur Verfügung.

Checkliste für die Kontrolle der Kartoffel-AbrechnungFolgende Punkte sind bei der Kartoffelabrechnung besonders gut zu kontrollieren:

  • Stimmt die Lieferscheinnummer mit der Nummer auf dem Waagschein überein?
  • Der Anteil Mängel auf der Abrechnung muss mit der Eingangstaxation übereinstimmen. Dazu müssen die Belege der Qualitätskontrolle aufbewahrt werden.
  • Wurde der richtige Wert beim Vorlagerschwund abgezogen (5 Prozent bei Lieferungen ab dem 1. September, 2 Prozent bei Lieferungen bis zum 31. August)?
  • Stimmt der Abzug für den Branchenbeitrag von 1.20 Fr./100 kg, und wird er auf dem Speiseanteil erhoben? Für grob sortierte und Rösti-Kartoffeln gilt ein reduzierter Beitrag von 80 Rp./100 kg auf dem Eingangsgewicht.
  • Wer unter 6 Prozent Mängel hat, bezahlt keine Sortierkosten.
  • Stimmen die Angaben bei den Paloxen? Lieferscheine beim Bezug von Paloxen sind zur Überprüfung immer aufzubewahren. Beim Paloxen-Bezug ist darauf zu achten, dass nur einwandfreie Paloxen mitgenommen werden, defekte gar nicht aufladen. Wer kaputte Paloxen abliefert, bezahlt Reparaturkosten.
  • Die Abrechnung der Backfarbe muss mit den Angaben im Qualiservice-Rapport übereinstimmen.
  • Wurde der Stärkezuschlag auf grob sortierte Ware gemacht?
  • Wurde der Qualitätszuschlag für den Speiseanteil auf grob sortierte Ware gemacht?
  • Ein Erdbesatz von maximal 2 Prozent darf nicht vom Bruttogewicht abgezogen werden.
  • Wurde die Transportentschädigung verrechnet? Achtung: Die Berechnung der Transportentschädigung wurde per 2015 vereinfacht. Neu erhält nur noch eine Entschädigung von 1 Fr./100 kg, wer weiter als 20 km fährt (es zählt der Betriebsstandort).
  • Gemäss Übernahmebedingungen hat der Produzent ein Anrecht auf eine erste Kontogutschrift, spätestens 30 Tage nach Erhalt der Abrechnung.
  • Im Frühling kontrollieren, ob der Rückbehalt für mögliche qualitative Mängel von 5Fr./100 kg vollständig zurückbezahlt wurde.
  • Wenn die Abrechnung und die Auszahlung unter mehreren Tranchen erfolgen, sollten am Schluss die Gesamtrechnung und alle Gutschriften überprüft werden.
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