21.06.2017 08:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Kartoffeln
Ärger am Frühkartoffelmarkt
Nach zwei schlechten Jahren steht heuer eine grosse Frühkartoffelernte an. Die Produzenten ärgern sich, dass die Migros bis letzte Woche Importware verkauft hat. Migros und Terralog wehren sich gegen die Vorwürfe.

Die Nerven einiger Frühkartoffelproduzenten sind angespannt. Sie möchten jetzt graben, doch bis letzte Woche fanden sich noch zu viele Importkartoffeln in den Lagern, wie Ruedi Fischer bestätigt. Der Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten stattete einigen grossen Abnehmern einen Besuch ab, nachdem er Anrufe von frustrierten Produzenten erhalten hatte. «Eine solche Situation habe ich selten erlebt», sagt er.

2,5-kg-Sack 

Fischer kritisiert insbesondere, dass die Migros bis Ende letzter Woche noch nicht schweizweit inländische Frühkartoffeln im 2,5-kg-Sack angeboten hat, während Coop bereits auf Schweizer Ware umgestellt hat. «Dies, obwohl wir bereits vor Wochen gemeldet haben, dass eine grosse Schweizer Ernte von guter Qualität ansteht.»

Die Umstellung auf Inlandware sei ein mehrere Tage dauernder Prozess, sagt die Migros auf Anfrage. Die Umstellungstermine würden auch auf die Empfehlung der Abpackbetriebe hin definiert. Ernst Arn, Geschäftsführer der Terralog AG, der Kartoffelhauptlieferantin der Migros, dementiert die Vorwürfe: «Wir haben am Montag den 2,5-kg-Sack auf Schweizer Ware umgestellt und werden ab nächster Woche den Offenverkauf umstellen.»

Im 1-kg-Sack seit Anfang Mai

Bisher seien nicht genügend schalenfeste, qualitativ einwandfreie Inlandkartoffeln vorhanden gewesen, mit denen die grüne Linie vollständig hätte abgedeckt werden können. «Die Stauden sind so wüchsig, dass die Krautvernichtung zur Förderung der Schalenfestigkeit eine Herausforderung ist», erklärt Arn. Er betont auch, dass die Konsumenten seit Anfang Mai Schweizer Frühlingskartoffeln im 1-kg-Beutel in der Migros kaufen können, so früh wie bei keinem anderen Grossverteiler.

«Wir übernehmen von unseren Direktlieferanten sämtliche Kartoffeln», stellt Arn klar. «Mit Spekulanten ohne direkten Produzentenvertrag arbeiten wir nur zusammen, wenn es uns nützt. Viele ohne Vertrag werden heuer ein Absatzproblem haben.»

Flächen ohne Abnahmeverträge

In der Tat sind die Produzenten nicht ganz unschuldig an der Überschusssituation. So wurde die Frühkartoffelfläche gegenüber 2016 um 40 ha ausgedehnt. Zum Teil wurden Flächen ohne Abnahmeverträge gepflanzt, mit der Spekulation auf ein drittes schlechtes Kartoffeljahr in Folge.

Zudem hat der Frost Ende April die frühen Kulturen zurückgeworfen, wodurch nun viele Parzellen gleichzeitig erntereif sind. Welche Auswirkungen die grossen Frühkartoffelmengenauf den Richtpreis haben, zeigt sich am Mittwoch an der Telefonkonferenz der Swisspatat.

 

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