13.03.2019 17:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/lid
Backwaren
Agrar-Grenzschutz heftig in Kritik
Der Schweizer Dauerbackwaren-Industrie geht es schlecht. Erneut wurden 2018 weniger Biscuits verkauft. Seit 2010 ist der Exportumsatz der Schweizer Hersteller um ein Drittel geschrumpft. Heftig kritisiert wird der Grenzschutz.

Wie der Schweizerische Verband der Backwaren und Zuckerwaren-Industrie Biscosuisse in einer Medienmitteilung schreibt, wurden 2018 2% weniger Dauerbackwaren verkauft als im Vorjahr. Der Gesamtumsatz reduzierte sich dadurch um 0,6 % auf 447,6 Mio. Franken. Zu den beliebtesten Dauerbackwaren gehören nach wie vor Standard-Biscuits und Spezialitäten. Diese machten rund 65 % der Gesamtproduktion aus.

Importe erhöhen Marktanteil

Im Inland sank die Verkaufsmenge bei allen Produktgruppen ausser den Apéro- und Salzgebäcken (Zunahme um 3.1%) und den Spezialitäten (Zunahme um 0.6%). Das Ergebnis im Inlandgeschäft lag im Jahr 2018 sowohl umsatz- wie mengenmässig leicht unter dem Vorjahr.  Während die Verkaufsmenge um 0,7% auf 31'730 Tonnen sank, verringerte sich der Umsatz in ähnlichem Umfang (- 0,5 %) auf 348,8 Mio. Franken.

Der Marktanteil von Importwaren bei Standard-Biscuits und Spezialitäten (inklusive Waffeln und lebkuchenähnliche Gebäcke) belief sich auf 49.6%, also 1.6% höher als im Vorjahr. Jedes zweite Guetsli, das in der Schweiz verkauft wird, kommt also aus dem Ausland. Davon stammen 45% aus Deutschland. Mit 21'778 Tonnen praktisch gleich viele Biscuits importiert wie Waren aus einheimischer Produktion auf dem Schweizer Markt verkauft wurden. Der Pro-Kopf-Konsum von Biscuits liegt in der Schweiz bei jährlich 5.2 kg.

Rückläufige Exporte

Bereits seit 2011 ist im Exportgeschäft eine anhaltende Negativentwicklung zu beobachten. Verkaufsmenge wie auch Umsatz sind zwischen 2010 und 2018 insgesamt mehr als 30% zurückgegangen. Die Auslandverkäufe von in der Schweiz hergestellten Dauerbackwaren beliefen sich 2018 auf 11‘318 Tonnen, respektive ein Rückgang von 5.5% gegenüber dem Vorjahr. Wie im Inland waren Apéro- und Salzgebäcke sowie Spezialfabrikationen auch im Ausland beliebter als im Vorjahr und legten zu.

Von der Gesamtproduktion wurden schliesslich 26.3% exportiert, mehrheitlich nach Deutschland (36.4%), gefolgt von Frankreich (22.1%) und Saudi Arabien (6.5%).

Kosten in Millionenhöhe 

Für Biscosuisse ist die Abschaffung des «Schoggi-Gesetzes» Hauptgrund für die schlechten Zahlen in der Branche. Die private Auffanglösung für die abgeschafften «Schoggi-Gesetz»-Rückerstattungen funktioniere nur teilweise, kritisiert der Verband. 20% der vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel würden von der Milchbranche für andere Zwecke abgezweigt.

«Geblieben ist der Agrargrenzschutz. Dieser verteuert den Rohstoffpreis in der Schweiz um ein Vielfaches», moniert Biscosuisse. Auch der seit Januar 2019 eingeführte Mindestgrenzschutz beim Zucker sorgt für Kritik. «Damit hat der Bundesrat dem Drängen der Zucker-Lobby nachgegeben und den Zucker verarbeitenden Schweizer Unternehmen neue Kosten in Millionenhöhe aufgebürdet», schreibt der Verband.

Produktionsstandort Schweiz gefährdet

Verteuerte Rohstoffpreise in der Schweiz aufgrund des Agrargrenzschutzes würden den Schweizer Verarbeitern nicht helfen, konkurrenzfähige Ware zu produzieren. Gleichzeitig sei es seit 2017 nicht mehr möglich, in der Schweiz veredelte ausländische Rohstoffe als „Swiss Made» zu kennzeichnen. Einschränkungen wie in der Schweiz würden bei ausländischen Mitbewerbern entfallen.

«Die in der Schweiz produzierenden Unternehmen haben demgegenüber zunehmend kürzere Spiesse als ihre im Ausland produzierende Konkurrenz», heisst es weiter. Die gefährde die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Biscosuisse ist der Schweizerische Verband der Backwaren- und Zuckerwaren-Industrie. Der Verband wurde im Jahr 1914 gegründet. Er bezweckt die Wahrung der gemeinsamen Interessen der Mitgliedunternehmen gegenüber Behörden, Politik und Spitzenverbänden der Wirtschaft im In- und Ausland.

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