24.03.2020 11:40
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Treibstoffe
Benzin und Heizöl massiv günstiger
Der drastische Preisrückgang bei Rohöl entlastet die Konsumenten in der Schweiz. Benzin und Heizöl sind deutlich günstiger geworden.

Viel Angebot und wenig Nachfrage haben einen beispiellosen Preisrutsch ausgelöst: Der Weltmarktpreis für Rohöl über alle Sorten hinweg reduzierte sich von knapp 69 Dollar pro Fass (159 Liter) Anfang Januar auf gerade noch 26 Dollar am Freitag, also um ungefähr zwei Drittel, bevor er sich nun leicht erholte.

Die tiefen Ölpreise wirken sich auch auf die Zapfsäulen aus, auch wenn sich dort massive Preisschwankungen nie eins zu eins niederschlagen. Insgesamt bewegten sich die Benzin- und Dieselpreise in der Schweiz traditionellerweise auf verhältnismässig konstantem Niveau, sagt Daniel Schindler, Leiter Kommunikation beim Branchenverband Avenergy Suisse, der die Interessen der Importeure flüssiger Brenn- und Treibstoffe in der Schweiz vertritt.

Benzinpreise unter 1,50 Fr./Liter

Denn der Benzinpreis in der Schweiz werde nur zum Teil vom Rohölpreis bestimmt, sagt Schindler. Mehr als die Hälfte des Preises machten staatliche Abgaben aus. Hinzu kämen Vertriebs-, Beschaffungs- und Frachtkosten. Dennoch: «Die Preise an der Zapfsäule sind gesunken», stellt Schindler fest.

Die letzten verfügbaren Zahlen von Avenergy stammen vom Januar, als ein Liter Bleifrei 95 im Schnitt 1,59 Franken kostete. Inzwischen dagegen sind auch Preise unter 1,40 Franken zu beobachten. Laut einem Vergleich auf der TCS-Internetseite betrug der durchschnittliche Preis per 13. März 1,48 Franken. Zum Vergleich: Monatliche Durchschnittpreise von unter 1,50 Franken gab es laut Avenergy zuletzt im August 2017.

Preistief auch bei Heizölpreisen

Aber auch beim Heizöl purzeln die Preise. Laut dem Heizöl-Preisindex der Ölhändlerin Migrol fiel der Preis pro 100 Liter im März unter die Marke von 70 Franken bei einer Abnahme von mindestens 3'000 Litern. Tiefere Notierungen wurden zuletzt Anfang 2016 erreicht. Noch zu Jahresbeginn lagen die Preise über 90 Franken.

Hintergrund des Preissturzes beim Öl ist ein Streit zwischen Russland und dem Ölförderkartell Opec. Nun hat Saudi-Arabien als wichtigstes Opec-Land seine Produktion hochgefahren und drückt grosse Mengen Rohöl in den Markt. Das wirkt preissenkend. Russland hält mit, es kommt zu einem Überangebot.

Nachfragezerstörung

Auf der Nachfrageseite gab es schon zu Beginn des Jahres Sorgen um die Konjunktur - und dann kam das Coronavirus. China drosselte seine Industrieproduktion, viele andere Länder fuhren ihre Wirtschaftsleistung herunter.

Autos blieben in der Garage, Flugzeuge am Boden. «Wegen der Coronavirus-Krise findet aktuell die stärkste Nachfragezerstörung seit der grossen Finanz- und Wirtschaftskrise statt», kommentieren Experten der Commerzbank.

Weniger Kunden an Tankstellen

Auch an den Zapfsäulen ist bereits ein Nachfragerückgang absehbar: Die Leute schienen sich in der Regel an die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu halten, sagt Avenergy-Sprecher Schindler. Wer könne, arbeite derzeit von zu Hause aus. «Wir gehen darum davon aus, dass sich die verringerte Mobilität auch im Benzin- und Dieselabsatz an den Zapfsäulen niederschlagen wird.»

Wie Avenergy aus Mitgliederkreisen erfahre, sei die Kundenfrequenz bei den Tankstellenshops da und dort bereits gesunken - in welchem Ausmass könne man aber noch nicht beziffern.

Keine Lieferengpässe bei Heizöl

Anders sieht es beim Heizöl aus: Avenergy geht davon aus, dass viele Kunden die Gelegenheit nutzen dürften, ihren Heizöltank vor dem Sommer noch einmal zu füllen. Denn diese reagierten erfahrungsgemäss stark auf den Preis. Zudem folgten nun noch einmal etwas kältere Tage.

In Deutschland hat die Situation laut Experten einen grossen Ansturm auf Heizöl und darauf folgend Lieferzeiten ausgelöst. Die Lager- und Lieferkapazitäten seien völlig erschöpft, sagte der Heizöl-Makler Josef Weichslberger der Nachrichtenagentur dpa. «Die Lieferzeiten liegen vielerorts bei zehn bis zwölf Wochen.»

In der Schweiz dagegen bestünden keine Lieferengpässe, so Schindler. Von extrem langen Lieferzeiten sei ihm nichts bekannt.

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