1.09.2016 09:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Annelies Bichsel
Luzern
Bergheumilch-Käse bei Coop
Entlebucher Milchproduzenten setzen auf eine durch IP-Suisse kontrollierte, nachhaltige Milchproduktion. Davon profitieren auch die Landwirte. Sie erhalten mindestens sechs Rappen mehr pro Kilo Milch.

«Ein glaubwürdiges Konzept braucht einheitliche Produktionsbedingungen», erklärte der Geschäftsleiter der Biosphäre Markt AG, René Epp. Bevor nächste Woche sechs Käsesorten aus verschiedenen Käsereien des Entlebuchs bei Coop in den Verkauf gelangen, lud er am Freitag zur Medienorientierung ins Hotel Kreuz, Romoos.

Käsereifusionen und Vermarktungsplattform

Da sich infolge des Preiszerfalls im Milchmarkt immer mehr Bauernbetriebe von der Milchproduktion abwenden, sei der Fortbestand der gewerblichen Milchverarbeitung in den Bergkäsereien gefährdet. Um dies im Entlebuch zu verhindern, habe man in den vergangenen Jahren die Strukturen der Käsereifusionen bereinigt und vor drei Jahren eine gemeinsame Vermarktungsplattform gegründet.

Eine Arbeitsgruppe von Entlebucher Milchproduzenten überlegte, wie in Zukunft eine nachhaltige Milchproduktion und -verarbeitung sichergestellt werden könne, die sich bezüglich Herstellung und Qualität von der Standardmilch abhebt. «Die traditionelle Bergheumilch-Produktion passt zum Entlebuch und prägt den Charakter der Käsespezialitäten. Sie muss deshalb unbedingt gefördert werden», so Epp.

Anerkannte Organisation

«Mit dem Ziel, strenge Richtlinien bezüglich Tierwohl, Fütterung sowie Massnahmen zugunsten der Biodiversität zu erfüllen, haben wir uns für die Zusammenarbeit mit IP-Suisse entschieden.» Diese von den Konsumenten und Landwirten anerkannte Organisation sei auf das Definieren und Kontrollieren von Standards spezialisiert, erklärte Epp. Da die Heuwirtschaft sehr aufwendig sei und der Ertrag tiefer, würden die Bergheumilch-Produzenten mit einem um mindestens sechs Rappen höheren Milchpreis pro Kilo Milch entschädigt.

Theo Schnider, der Direktor der Biosphäre Entlebuch, betonte, dass eine nachhaltige Milchproduktion gut zur Philosophie der Unesco-Biosphäre passe und entsprechend weiter gefördert werden solle. «Das Wort Nachhaltigkeit birgt eine Chance und ist eine treibende Kraft für Innovation», erklärte er und schloss sein kurzes Referat mit der Frage: «Wenn nicht jetzt, wann, wenn nicht wir, wer?»

Betrieb mit 18 Kühen

Fritz Rothen, der Geschäftsleiter von IP-Suisse, erläuterte das Kontrollsystem der Bergheumilch. «Mit dem kleinsten Nährstoffaufwand einen Liter Milch zu produzieren, ist unser Ziel», erklärte er. Als einzige «Musskriterien» nannte er das Sojaverbot und die Raus-Anforderungen. Ansonsten besteht das Reglement aus individuellen Massnahmen, aus denen eine Mindestpunktzahl erfüllt werden muss. «Meistens werden viel mehr Massnahmen umgesetzt, als gefordert werden», lobte er und meinte: «Solche Projekte wie die Bergheumilch sollte es viel mehr geben.»

Beim anschliessenden Betriebsbesuch beim Heumilchproduzenten Erich Unternährer im «Hof» in Romoos gab dieser Einblick in seinen Betrieb. «Es ist mir wichtig, auf meinem 15-ha-Betrieb mit 18 Milchkühen die Artenvielfalt zu fördern, denn ich bin auf einen guten Ertrag angewiesen.» Er bringt die Milch mit einem Tank im Nachbardorf Doppleschwand zur Käserei, die Bergheumilch von einer Kuh verkauft er direkt an die Dorfbevölkerung. 

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