17.10.2017 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Mais
Besser dreschen als häckseln
Durch die hohen Maiserträge wird der ohnehin schon gesättigte Raufuttermarkt zusätzlich unter Druck kommen. Wer kann, ist gut beraten, den noch stehenden Mais abreifen zu lassen und den Mühlen zu verkaufen.

Der Raufuttermarkt steht seit Monaten unter Druck. Gute Angebote bei sinkender Nachfrage sind Hauptursachen dafür. Allen voran durch den sinkenden Milchkuhbestand, blieben viele Landwirte auf ihren Heustöcken und Siloballen sitzen. Zwar scheint sich die Anzahl Milchkühe langsam zu stabilisieren, dennoch wurden in der Schweiz gemäss Agristat im September erneut 3000 weniger laktierende Tiere gezählt als im vergleichbaren Vorjahresmonat.

Gute Ernte in Zentralschweiz

Dazu kommt nun eine sehr gute Raufutterernte 2017. «Es sind sehr grosse Erträge festzustellen», erklärt Ruedy Zgraggen, Präsident des Schweizerischen Raufutterverbandes (SRV). Es könne  jedoch sein, dass es da und dort wegen des kalten Wetters im Frühling etwas weniger wüchsig gewesen sei. Es werde aber keine Engpässe geben.

«Insbesondere in der Zentralschweiz verzeichnen wir sehr grosse Erträge», so Zgraggen. Der Markt präsentiere sich derzeit denn auch eher flau. «Im Herbst können wie jedes Jahr kleinere Mengen verkauft werden, bevor die Landwirte den eigenen Vorrat nutzen», erklärt SRV-Präsident Zgraggen weiter. 

Körnermais gesucht

Zu dem gesättigten Markt für Heu und Grassilage kommen nun noch sehr hohe Maisernten hinzu. Nebst dem, dass die Anbaufläche ausgedehnt worden  ist, werden auch die Hektaren-Erträge in diesem Jahr sehr hoch ausfallen. Hans Stettler, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Futtermittelspezialisten Agrokommerz, rechnet damit, dass deswegen zumindest der Markt für Silomais unter Druck kommen wird. Raufutterhändler Stettler beurteilt dies aber sogleich aus gesamtlandwirtschaftlicher Warte. «Ich glaube, aus der Sicht der in letzter Zeit gebeutelten Milchproduzenten kann dies auch als Positivmeldung gesehen werden.»

Auf der anderen Seite rät Stettler den Maisproduzenten, sie (sofern noch möglich) sollten den Mais abreifen lassen und dreschen. «Zusätzlichen Körnermais kann der Markt ohne Probleme aufnehmen», erklärt Stettler. Allein im Jahr 2016 seien 154000 Tonnen Mais für die Futtermittelindustrie eingeführt worden.

Vorsicht Nährstoffe

Dass man zu Beginn des Jahres die als Silomais deklarierte Kultur am Ende doch als Körnermais nutzt, scheint auch für die Kantone kein Problem zu sein. Zumindest beim Kanton Luzern ist man diesbezüglich flexibel, wie eine kurze Anfrage gezeigt hat. Denn, obschon die kantonale Datenerhebung eigentlich abgeschlossen ist, ist offenbar eine Änderung noch möglich.

Im Auge zu behalten, gilt es hier allerdings die Nährstoffbilanz. Denn durch das Dreschen des Maises bleiben sehr viele Nährstoffe auf dem Acker, was bei ohnehin tierintensiven Betrieben zum Problem werden kann.

Was ist Pferdeheu?

Der Schweizerische Raufutterverband (SRV) empfiehlt für Ökoheu, unbelüftet und in Grossballen gepresst, einen Richtpreis von 18Fr./100kg. In der Praxis sind aber teils höhere Preise realisierbar. Auf die grossen Unterschiede angesprochen, erklärt SRV-Präsident Ruedy Zgraggen, dass es sich beim Ökoheu nicht zwingend um Pferdeheu handle. Die 18 Franken pro Dezitonne bezögen sich auf unbelüftetes Heu. «Unsere Richtpreise wurden an der Sommerversammlung vom 16.Juni 2017 herausgegeben. Für Heu, unbelüftet und in Grossballen, ab Hof, setzten wir den Richtpreis bei 18.00 Fr./100 kg, für Heu in Kleinballen bei 20 bis 23 Fr./100kg fest. Heu, belüftet und 1. Qualität, gepresst, bei Fr. 28–31.00/100 kg ab Hof. rab


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