18.12.2017 13:31
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Migros
«Bio kann Welt nicht ernähren»
Migros-Chef Herbert Bolliger tritt nach 13 Jahren an der Spitze Ende Jahr von seinem Posten zurück. Er hat sich im «Blick» und der «Berner Zeitung» pointiert über das Thema Landwirtschaft geäussert.

Herbert Bolliger wird Ende Jahr pensioniert. Der Aargauer war während 13 Jahren Chef der Migros. Im November 2017 hat er das festgelegte Höchstalter von 64 Jahren erreicht und muss deshalb Ende des Jahres abtreten. Er hinterlässt seinem Nachfolger ein gewaltiges Gebilde. Während seiner Amtszeit stieg der Umsatz von 20 auf 27,7 Milliarden Franken.

Nicht ressourceneffizient

Herbert Bolliger äussert sich in Interviews mit dem «Blick» und der «Berner Zeitung» auch zur Landwirtschaft. Zu der biologischen Landwirtschaft hat er eine dezidierte Meinung. «Bio ist eine Nische. Damit kann man die Welt nicht ernähren», sagt er gegenüber dem «Blick».

Die biologische Landwirtschaft sei nicht ressourceneffizient. «Sie beansprucht zu viel Boden, und die Ernteausfälle sind zu gross. Wenn alle Menschen Bio wollen, hat ein grosser Teil der Bevölkerung nichts mehr zu essen», ist sich der abtretende Migros-Chef sicher. Die Preise für Lebensmittel würden deutlich ansteigen. Die Folge aus der Sicht von Bolliger sind «gravierende» Verteilungskämpfe.

Er macht sich im Interview stark für die Integrierte Produktion. «Diese ist gleichzeitig effizient und nachhaltig ist. Das ist der richtige Weg», so Bolliger. Die IP-Suisse liefert unter dem Label «TerraSuisse». Rund 11'000 Landwirte liefern Getreide, Kartoffeln, Raps, Milch, Fleisch, Obst und Früchte an die Migros. Bei den Bio-Produkten ist Coop beim Umsatz deutlich voraus.

Schnittlauch eingebürgert

In der «Berner Zeitung» erzählt Bolliger über Falsch-Deklarationen bei Lebensmitteln. «Einbürgerungen» gab es beispielsweise bei Kräutern. Ausländischer Schnittlauch wurde plötzlich Schweizer Schnittlauch. «Das ist für mich der grösste Vertrauensbruch, den es im Detailhandel geben kann. Mit solchen Lieferanten haben wir die Zusammenarbeit sofort beendet», sagt Bolliger. Den Betrügern kam die Migros auf die Spur aufgrund der gelieferten Mengen. «Wir wissen, wie viel Schnittlauch in der Schweiz produziert wird», so Bolliger. Teilweise hätten auch Mitarbeiter der Lieferanten die Falschdeklarationen offengelegt. Aber insgesamt würden Falschdeklarationen nur selten vorkommen.

Der globale Onlineriese Amazon will sich im Schweizer Markt etablieren. So plant Amazon, in der Schweiz ein Online-Lebensmittel-Geschäft aufzuziehen. Herbert Bolliger zeigt sich nicht gross beeindruckt. Er ist gar der Meinung, dass der Markteintritt der US-Amerikaner in nächster Zeit nicht ansteht. «Die Logistik ist sehr kompliziert», so der Aargauer gegenüber der «Berner Zeitung». Viele Konsumenten möchten die Lebensmittel sehen, bevor sie sie kaufen.

Tante-Emma-Lädeli haben Zukunft

Er sagt den «Tante Emma»-Lädeli sogar wieder eine bessere Zukunft voraus. Er erwartet kein Lädelisterben, sondern das Gegenteil. Der Detailhandel kommt wieder näher zu den Konsumenten. So eröffnet die Migros wieder mehr kleinere Läden in Quartieren.

Als seinen grössten Erfolg sieht er den Kauf von Denner, 2007 kaufte die Migros 70 Prozent vom damaligen Denner-Besitzer Philippe Gaydoul. Mit dem Verkauf wollte die Besitzerfamilie die Wettbewerbsfähigkeit des Discounters langfristig sichern. «Ein solches Unternehmen würden wir gerne noch einmal übernehmen», sagte Bolliger am Freitag gegenüber der «Berner Zeitung».

Herbert Bolliger studierte an der Universität Zürich Betriebswirtschaft. Von 1994 bis 1997 war er als Leiter der Informatik des MGB, tätig. Von 1997 bis 1998 war er Geschäftsleiter der Migros Aargau/Solothurn. Von 1998 bis 2005 leitete er die grösste Genossenschaft des Migros-Genossenschaft-Bundes (MGB), die Migros Aare. 2005 wurde er Präsident der Generaldirektion des MGB. In die Amtszeit des Aargauers fallen die Übernahme des Discounters Denner und Digitec-Galaxus, der heutigen Nummer Eins im Schweizer Onlinehandel. Zudem stiess der Detailhandelsriese mit der Investition in den Gesundheits- und Fitnessbereich sowie mit dem Verkauf und der Vermietung von Elektrofahrzeugen in ganz neue Geschäftsfelder vor.

Als Erfolge erwähnte Bolliger im Frühling 2017 «die Marktführerschaft im E-Commerce» sowie das soziale und ökologische Engagement mit Generation M. «Damit gelang es uns, zum weltweit nachhaltigsten Detailhändler zu werden.» Nachhaltigkeit sei Teil der Migros-DNA, so Bolliger. 

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