20.06.2019 14:12
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Österreich
Bio-Überhang: Preise brechen ein
In Österreich haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Bauern auf biologische Produktion umgestellt. Das bringt Probleme mit sich. Der Drang in die Biolandwirtschaft führt zu einem Überhang beim Getreide. Die Preise sind innerhalb von zwei Jahren um 28 Prozent gesunken. Die Ware gelangt auf den Weltmarkt.

In den vergangenen Jahren stiegen immer mehr Landwirte in die Bioproduktion ein. Damit wuchs die biologisch bestellte Ackerfläche in Österreich laut AMA seit 2010 um 146% oder 157'432 ha auf 265'477 ha an, allein zur heurigen Ernte 2019 kamen nach der letztmaligen Einstiegsmöglichkeit in das Bio-Förderprogramm 29'641 ha neu dazu.

Markt übersättigt

Die vermarktete Biogetreide- und Maisproduktion (Marktleistung) schnellte zwischen 2011/12 und 2017/18 um 59 Prozent auf 244'493 t in die Höhe, in der auslaufenden Saison 2018/19 bahnt sich nochmals ein satter Zuwachs an, insbesondere weil in den letzten Jahren immer mehr sogenanntes Umstellergetreide (noch nicht anerkannte Bioware frisch hinzugekommener Biobetriebe) mit der anerkannten Bioware mitvermarktet wurde. Die Aufnahmefähigkeit des heimischen Marktes ist überfordert, die unverkauften Restbestände schiedden in die Höhe und die Preise sinken.

Allein von 2016/17 auf 2017/18 schnellte die Ratio von stock to use (Anteil der Endlager am Verbrauch) beim Biogetreide von 30,5 auf 45,2% in die Höhe. Aus der Ernte 2018 droht ein noch grösserer Überhang von mehr als 50%. Zuvor (2015/16) war man noch bei 29%. Zum Vergleich: Die gesamte österreichische Getreidebilanz wies 2017/18 einen Anteil von 12,9% Endbeständen am Verbrauch aus. Werte unter 20% interpretieren die Märkte als preisstützend, solche über 20% als preisdrückend.

Druck wird weiter steigen

So heisst es in der Juni-Verbandszeitung von Bio Austria in der Marktanalyse: "In Kombination mit den gestiegenen Lagerständen aus der Ernte 2018, vor allem bei Umstellungsware und hier insbesondere bei Mais und Futtergetreide, und den guten Ernteaussichten für 2019 aufgrund der Niederschläge im Mai ist mit einem Überangebot zu rechnen".

Bio-Austria Obfrau Gertraud Grabmann bereitet insbesondere die alteingesessenen Biobauern in derselben Ausgabe auf Vermarktungsprobleme und Preisdruck vor: "Eine weitere Herausforderung wird sein, dass der Druck am Markt in einigen Bereichen steigen wird, aufgrund der vielen Umsteller in den letzten Jahren, aber auch aufgrund des wachsenden Angebots in anderen Ländern."

Schwierige Übermengen-Vermarktung

Marktexperten erklären dazu, die Übermengen von aktuell 185'313 t (AMA, Stand 30. April 2019, ) müssten entweder im Export in einem harten Preiswettbewerb untergebracht oder als konventionelle Ware zu deutlich niedrigeren Preisen vermarktet werden. Ende des Wirtschaftsjahres 2017/18 lagen 146'773 t unverkauft auf Lager. Nun werde auch der Lagerraum für die gemeinsam in den Silos liegende anerkannte Bio- und Umstellerware knapp. Laut AMA seien die Bioerzeugerpreise in den Vorjahren auf dem rund 2,5-Fachen Niveau der konventionellen gelegen.

 Preise tauchen 

Die Verbandsinformation "Acker 6/19" für Landwirte weist schon für die Ernte 2018 gegenüber dem Jahr davor deutlich gesunkene Produzentenpreise für Bio- und Umstellergetreide aus - etwa für Speiseweizen mit 13,0 bis 13,4% Protein von 351 bis 410 Euro/t (391 bis 457 Fr.) nach 420 bis 426 Euro/t (468 bis 475 Fr.), für Futterweizen von 250 bis 300 Euro/t (279 bis 334 Fr.) nach 300 bis 335 Euro/t (334 bis 373 Fr.) oder für Futtermais von 255 bis 300 Euro/t (284 bis 334 Fr.) nach 310 bis 320 Euro/t (345 bis 356 Fr.).

In der Vorschau auf die Mindestpreisangebote für Biogetreide der Ernte 2019 heisst es dazu: "Die angeführten Preise sind wesentlich niedriger als im Vorjahr." So werden darin etwa für den Speiseweizen mit mehr als 13,0% Protein nur mehr 300 bis 310 Euro/t genannt. Das ist innerhalb der letzten zwei Jahre ein Preiseinbruch um knapp 28%. 

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