6.09.2017 10:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Ölsaaten
Bioraps-Absatz stockt
Die meisten Biorapsproduzenten konnten 2017 eine gute Ernte einfahren. Die Preise könnten jedoch unter Druck kommen.

Die Biofarm-Genossenschaft, die Pionierin im Biorapsmarkt der Schweiz, hat ein Problem. Sie schreibt in ihrem Produzentenbrief Anfang August: «Von der Ernte 2017 können wir 150 Tonnen an Fenaco liefern, rund 35 t brauchen wir für unser Biofarm-Rapsöl.» Damit bleiben aber immer noch 100 Tonnen übrig, die ans Lager gelegt werden müssen. 2018 werde zudem die Fenaco keinen Biofarm-Raps mehr kaufen, da sie nun selbst genügend Produzenten habe. «Es ist also viel Bioraps vorhanden, für den (noch) kein Käufer da ist», so Biofarm.

Schlüsselfigur Migros

Sie muss nun versuchen, den Absatz ihres Biorapsöls zu erhöhen. Dies ist in erster Linie bei der Migros möglich. Denn die Detailhändlerin hat das Schweizer Biorapsöl Anfang 2017 aus dem Sortiment genommen, da die Nachfrage der Kunden sehr gering gewesen sei, wie sie auf Anfrage schreibt. Ob sie künftig wieder Biofarm-Rapsöl anbietet, ist offenbar eine Preisfrage. Wo dieser Preis liegen müsste, will die Migros jedoch nicht kommentieren. Sie betont aber, dass sie seit Jahren Terra-Suisse-Rapsöl im Sortiment führe und weiterhin Forschungsprojekte zum Bioraps finanziell unterstütze.

Aldi Suisse will die aktuellen Marktentwicklungen aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls die Aufnahme von Biorapsöl in sein Standardsortiment oder als Aktionsartikel prüfen, so der Discounter. Lidl hat derzeit keine Pläne, Biorapsöl in sein Sortiment aufzunehmen, wie er schreibt. Coop bezieht sein Schweizer Biorapsöl von der Ölmühle Sabo aus Fenaco-Raps.

Eine Preisfrage

Der Preis scheint also beim Absatz von Schweizer Biorapsöl eine wichtige Rolle zu spielen. Tatsächlich wurde Bioraps letztes Jahr mit rund 195 Fr./dt Produzentenpreis deutlich teurer gehandelt als konventioneller Raps mit rund 76 Fr./dt. Bei den übrigen Ackerkulturen ist der Biopreis jeweils rund doppelt so hoch wie der konventionelle.

Bei einem Teil der neuen, ackerbaubetonten Biobetrieben bestehe die Bereitschaft, Raps auch zu tieferen Preisen anzubauen, wie Hans-Georg Kessler, Produktmanager Ölsaaten bei Biofarm, weiss. Denn der Raps sei ein wichtiges Fruchtfolgeglied. Kessler mahnt aber, dass der Preis dem Risiko des Biorapsanbaus Rechnung tragen müsse. Die Festlegung eines Richtpreises – wie beim Biogetreide seit Langem üblich – wurde bisher von Abnehmerseite abgelehnt.

Preis 2017 noch unklar

In früheren Jahren, als es noch zu wenig Schweizer Bioraps auf dem Markt hatte, hat sich bereits im Sommer abgezeichnet, zu welchem Preis der Raps verkauft werden kann. Doch wo der Preis für die Ernte 2017 liegt, ist derzeit noch offen. «Bis Ende August wird feststehen, welche Mengen effektiv in den Maxi-Sammelstellen vorhanden sind», sagt Andreas Rohner, Leiter Ressort Bio-Rohprodukte bei der Fenaco GOF (Getreide, Ölsaaten, Futtermittel). Er hofft, dass die Produktionsmenge mit dem Bedarf der Ölmühlen möglichst passend ist. 

Man strebe die rund 200 Fr./dt Biorapspreis an wie in den letzten Jahren, stellt Rohner klar. Aber wenn es aufgrund der erfreulichen Erträge grosse Übermengen geben sollte, werde das zwangsläufig auf den Preis drücken. «Dann braucht es die Bereitschaft der ganzen Kette bis hin zu den Endabnehmern, mehr Schweizer Bioraps zu verkaufen. Diese haben aber an einem runden Tisch der Bio-Ölsaatenbranche vor zwei Monaten klar signalisiert, dass ein zusätzliches Absatzpotenzial  mit einem Preis deutlich unter 200Fr./dt einhergehen müsste.»

Bio-Holl-Raps ab 2018?

Positive Aussichten bestehen zumindest für die Aussaat 2018. Es könnte sein, dass dann erstmals Bio-Holl-Raps angebaut werden könnte. Denn industrielle Abnehmer, etwa die Firma Zweifel, wären daran interessiert für das Frittieren ihrer Produkte. Noch muss aber Bio Suisse die Verwendung von Hybrid-Raps in ihren Richtlinien bewilligen. Mit einem Entscheid sei wohl Anfang 2018 zu rechnen, meint Rohner.  

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE