24.11.2014 05:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Fleischmarkt
Carna Grischa wollte Zeitungsartikel verhindern
Der Bündner Fleischhändler Carna Grischa soll in der Vergangenheit ungarisches Poulet als schweizerisches verkauft, Pferde- statt Rindfleisch geliefert, Gefrier- als Frischprodukte deklariert und Verfallsdaten manipuliert haben. Das Unternehmen streitet «einen Teil der Vorwürfe» nicht ab.

«Die Vorkommnisse sind für uns schockierend und unakzeptabel, auch wenn die Fehlerquote bei ca. zwei Promille liegt», teilte Carna Grischa am Sonntagabend auf Anfrage mit und nahm damit Stellung zu Enthüllungen des «SonntagsBlick».

Zwei Mitarbeiter freigestellt

Gemäss Carna Grischa liegen die «meisten Vorkommnisse einige Jahre zurück». Die Verantwortung dafür wird unter anderem der damaligen Geschäftsleitung zugeschrieben. Der neue Geschäftsführer habe die «internen Abläufe überprüft und neu strukturiert».

Nach den Recherchen des «SonntagsBlick» seien vergangene Woche zwei Mitarbeiter freigestellt worden. Zudem seien die internen Kontrollen neu organisiert und verstärkt worden.

Behörden werden aktiv

Die Enthüllungen des «SonntagsBlick» haben das Bündner Amt für Lebensmittelsicherheit aufgerüttelt. Dem Regionaljournal Graubünden von Radio SRF erklärte Amtsleiter Rolf Hanimann, dass es bei den regelmässigen Kontrollen bislang keinen Anlass für genauere Abklärung gegeben habe.

Der Bericht in der Sonntagspresse genüge aber, «dass wir vor Ort eine entsprechende Inspektion in dieser Firma veranlassen, um herauszufinden, ob etwas illegal gelaufen ist», sagte er.

Keine Absicht

In einem Brief an ihre Kunden, der der Nachrichtenagentur sda vorliegt, bedauerte das Unternehmen am Sonntag die Unregelmässigkeiten: «Niemals geschah dies absichtlich und schon gar nicht systematisch», schreiben der Geschäftsführer und der Verwaltungsratspräsident.

«Es scheint, dass ein entlassener Mitarbeiter diese Anschuldigungen gegenüber der Presse geltend gemacht hat. Dabei wurden nachweislich auch falsche Unterstellungen gemacht.» Bei Carna Grischa würden pro Tag durchschnittlich 600 Rüstscheine und 350 Lieferscheine verarbeitet. «Da können auch einmal Fehler passieren.»

Unternehmen wollte Artikel verhindern

Gemäss «SonntagsBlick» hatte das Unternehmen mit einer Klage beim Handelsgericht Aargau versucht, den Zeitungsartikel zu verhindern und erwirkte mit einer superprovisorischen Verfügung ein einwöchiges Publikationsverbot. Nach Einreichen von Unterlagen hob das Gericht gemäss «SonntagsBlick» das Publikationsverbot auf, da einige Behauptungen als wahr anzunehmen seien, wie einem Ausriss zu entnehmen ist.

Carna Grischa wurde 1999 gegründet. Nach eigenen Angaben sind vorwiegend Hotels, Restaurants, Sportzentren, Kantinen und Altersheime Kunden des Unternehmens. Es zählt rund 60 Mitarbeitende.

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