9.02.2015 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
BSE
Cervelat: Keine Schweizer Hülle
Laut BLV sollen Schweizer Därme wieder als Wursthüllen verwendet werden können. Bell und Micarna winken ab.

Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse will das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Liste der von Rindern stammenden «BSE-Risikomaterialien» kürzen. Das sieht die revidierte Tierseuchenverordnung vor, die letzte Woche in die Anhörung geschickt wurde.

Bis auf letzte vier Meter

Laut BLV-Vorschlag  sollen weite Teile des Dünndarms und des Dickdarms künftig wieder als Wursthüllen und zur Herstellung von Heimtierfutter genutzt werden dürfen. Die letzten vier Meter Dünndarm, der Blinddarm sowie andere Gewebe wie Schädel, Hirn und Augen von über 12 Monate alten Rindern oder die Wirbelsäule von über 30 Monate alten Rindern müssen laut BLV weiter bem Schlachten entfernt werden.

Heute stammen die Wursthüllen etwa für Cervelats aus Brasilien. Gemäss Auskunft von Bell  wird das vorerst auch so bleiben – trotz «Freigabe» von Schweizer Därmen. «Sollte der Gesetzestext in dieser Form verabschiedet werden, wird Bell die Möglichkeit prüfen, die Därme als Tierfutter zu verwenden», nimmt Fabian Vetsch, Projektleiter Corporate Communication bei Bell, Stellung. «Die Verwendung für den menschlichen Verzehr als Wursthülle ist vorerst kein Thema.»

Prozess definieren

Seit dem Verbot der Verwendung einheimischer Rinderdärme seien die Därme nicht mehr vor Ort aufbereitet worden, erklärt Vetsch, daher stünden die entsprechenden Einrichtungen nicht mehr zur Verfügung: «Bevor die Verwendung von Schweizer Rinderdärmen als Wursthülle in Erwägung gezogen wird, müssten also erst wieder entsprechende Strukturen aufgebaut werden.» Ausserdem sei der Gesetzestext derzeit noch zu schwammig. Da die Därme äusserst dehnbar seien, würden vier Meter nicht viel aussagen. Das müsste noch genauer definiert werden.

Peter Hinder, Leiter Geschäftsbereich Marketing bei der Micarna, ergänzt: «Die Anpassungen des Gesetzgebers müssten zuerst verabschiedet und dann in Kraft gesetzt werden.» Dann müsste der Prozess der Gewinnung der sogenannten Saitlinge – so heissen die Därme als Wursthülle – definiert werden. Dies beginnt laut Hinder im Schlachthof, denn die Micarna schlachtet keine Rinder mehr selber, sondern lässt diese schlachten.

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