11.11.2017 10:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, LID
Zucker
CH-Zucker ökologischer als EU-Zucker
Schweizer Zucker ist nachhaltiger als Zucker aus der EU. Vor allem im Anbau und in der Verarbeitung schneidet die Schweizer Zuckerbranche besser ab. Das zeigt eine Studie.

Vom Anbau über Verarbeitung bis hin zur Distribution fallen beim Schweizer Zucker rund 30 Prozent weniger Umweltbelastungen an als in der EU. Zu diesem Schluss kommt eine heute veröffentlichte Studie eines Beratungsunternehmens im Auftrag der Schweizer Zucker AG.

Die Gründe für die bessere Ökobilanz liegen laut Studie hauptsächlich im Anbau der Zuckerrüben sowie in deren Verarbeitung:

Anbau:

In der Schweiz wachsen klimabedingt mehr Zuckerrüben pro Hektare als in der EU. Für die gleiche Menge Zuckerrüben braucht es also weniger Fläche, dadurch verringert sich der Umweltfussabdruck. Auf die Ökobilanz wirkt sich zudem positiv aus, dass Schweizer Rübenpflanzer – anders als ihre EU-Berufskollegen - mehr Hofdünger wie Gülle und Mist verwenden anstatt Mineraldünger.

Zuckerherstellung: Die Schweizer Zuckerfabriken in Aarberg und Frauenfeld arbeiten energieeffizienter als die Werke in der EU. Hauptgrund hierfür ist, dass in der Schweiz Erdgas eingesetzt wird, während in der EU verbreitet Steinkohle und Schweröle zum Einsatz kommen, welche die Umwelt stärker belasten. Ein weiterer Unterschied zur EU besteht in der Zuckerausbeute, welche in der Schweiz höher ist. So braucht es für 1 Tonne Zucker in der Schweiz 6 Prozent weniger Rüben als in der EU.

Ökologischer Mehrwert

Wie die Studie weiter zeigt, haben die Anlieferung der Zuckerrüben sowie die Distribution des Zuckers zu den Abnehmern einen nur geringen Einfluss auf den Umweltfussabdruck. Anbau und Verarbeitung machen rund 95 Prozent der Umweltbelastung aus.

Schweizer Zucker weise gegenüber EU-Zucker einen klaren ökologischen Mehrwert auf, bilanzierte Studienleiter Andy Spörri bei der Präsentation der Ergebnisse.

Ausdehnung der Produktion erwartet

Die Schweizer Zucker AG sehen in der besseren Ökobilanz ein wichtiges Verkaufsargument für heimischen Zucker. «Die Lebensmittelindustrie wie auch der Detailhandel achten zunehmend auf die Nachhaltigkeit», betonte Hansjörg Walter, Verwaltungsrats-Vizepräsident der Schweizer Zucker AG.

Zusätzliche Verkaufsargumente wird der Schweizer Zucker gut gebrauchen können. Denn das wirtschaftliche Umfeld ist rauer geworden. Die EU lenkt seit diesem Jahr die Zuckerproduktion nicht mehr mit Quoten. Brancheninsider erwarten deshalb eine Ausdehnung der Produktion, mehr Exporte und damit einen höheren Preisdruck auf die hiesige Zuckerwirtschaft. Denn der Markt ist weitgehend liberalisiert und der EU-Zucker günstiger als Schweizer Zucker.

Mehr Grenzschutz gefordert

Sinkende Zuckerrübenpreise und eine schwindende Anbaubereitschaft der Bauern haben die Branche aufgeschreckt. Die Nationalräte Jean-Pierre Grin (SVP/VD) und Jacques Bourgeois (FDP/FR) haben im Parlament Vorstösse eingereicht, worin sie mehr Grenzschutz fordern, um die inländische Zuckerwirtschaft vor Billig-Zucker aus der EU zu schützen.

Unter Druck ist die hiesige Zuckerbranche auch aufgrund diverserer Bestrebungen, den Zuckerkonsum zu drosseln. So setzt sich der Bund zusammen mit Verarbeitern dafür ein, den Zuckergehalt – etwa bei Joghurts und Frühstückscerealien – zu reduzieren. Immer wieder ein Thema auf dem politischen Parkett ist eine Zuckersteuer. Der Kanton Waadt plant eine Steuer auf Süssgetränken und der Kanton Neuenburg fordert in einer Standesinitiative den Bund auf, eine Zuckersteuer zu prüfen.


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