3.02.2016 07:17
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Syngenta
ChemChina kauft Syngenta für 44 Milliarden
Das Gerücht bestätigt sich: Die chinesische ChemChina kauft den Basler Agrochemie Syngenta für 43,7 Milliarden Franken. Der Verwaltungsrat von Syngenta empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen, wie Syngenta am Mittwoch mitteilte

Das Übernahmeangebot von ChemChina besteht demnach aus 465 Dollar in bar und einer Sonderdividende von 5 Franken pro Aktie. Die Sonderdividende wird vorbehältlich der Annahme des Angebots, aber vor dessen Abschluss ausbezahlt. Das Angebot entspricht einem Wert von 480 je Aktie. Zusätzlich würden die Aktionäre von Syngenta im Mai die beantragte ordentliche Dividende von 11 Franken erhalten.

Bis Ende Jahr soll Übernahme abgeschlossen sein

Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Der Deal muss allerdings noch von den Wettbewerbsbehörden in der EU und den USA abgesegnet werden. Eine Kernfrage ist, ob das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zustimmen muss.

Das Aufsichtsgremium, das Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit prüft, gilt als nicht besonders chinafreundlich. Syngenta macht schätzungsweise ein Viertel seines Umsatzes in den USA, wo es der grösste Pestizidverkäufer ist.

Chinesische Landwirtschaft voranbringen

Das Übernahmeangebot in der Schweiz und in den USA werde in den kommenden Wochen veröffentlicht. Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden. Gelingt die Transaktion, wäre dies die bisher grösste chinesische Übernahme im Ausland.

Die staatliche China National Chemical Corporation, kurz ChemChina, würde zu einem wichtigen Mitspieler in der weltweiten Agrochemie-Branche für Insektenvernichtungsmittel und auch genetisch verändertes Saatgut machen. Der Kauf ist auch ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie und eine Konsolidierung der Branche voranzubringen.

Hauptsitz bleibt in der Schweiz

"Der Verwaltungsrat von Syngenta ist der Auffassung, dass die vorgeschlagene Transaktion den Interessen aller Stakeholder entspricht und empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen", heisst es in einer Mitteilung von Syngenta von Mittwochmorgen. Es bestünden verbindliche Finanzierungszusagen für die Transaktion und die feste Absicht, die nötigen Freigaben der Behörden einzuholen.

Syngenta entstand aus Fusion

Syngenta war im Jahr 2000 aus der Fusion der Agrarsparten von Novartis und AstraZeneca entstanden. Der neue Konzern hatte seinen Hauptsitz von Anfang an in Basel.

"Die Transaktion minimiert die Risiken hinsichtlich der Betriebsabläufe. Sie ermöglicht weiteres Wachstum, speziell in China und weiteren Schwellenländern, sowie langfristige Investitionen in Innovation. Syngenta bleibt Syngenta mit Hauptsitz in der Schweiz. Das unterstreicht die Attraktivität dieses Landes als Unternehmensstandort“, lässt sich Michel Demaré, Präsident des Verwaltungsrats von Syngenta, im Communiqué zitieren.

Syngenta soll in Schwellenländern Fuss fassen

Mit der Transaktion soll Syngenta eine Expansion in Schwellenländer, insbesondere China, ermöglicht werden. "Zusätzlich zu ihrer modernen Chemietechnologie wird Syngenta mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how dazu beitragen, dass strengste Umweltstandards eingehalten und ländliche Gemeinschaften unterstützt werden", so der Wortlaut in der Mitteilung.

„Syngenta ist Weltmarktführer bei Pflanzenschutzmitteln und konnte in den letzten zehn Jahren den globalen Marktanteil deutlich steigern. Die Transaktion wird es uns ermöglichen, diese Position zu halten und weiter auszubauen, während wir gleichzeitig unser Potenzial im Saatgutbereich erheblich vergrössern können", zeigt sich Syngenta-Chef John Ramsay, Chief Executive Officer, überzeugt.

Grösstes Chemieunternehmen Chinas

Syngenta bleibt ein weltweit tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz, wie es im Communiqué heisst. Das derzeitige Management von Syngenta wird das Unternehmen weiterhin leiten. Nach Abschluss der Übernahme wird Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina, dem zehnköpfigen Verwaltungsrat vorstehen. Vier der aktuellen Verwaltungsräte werden dem Aufsichtsgremium weiterhin angehören.

ChemChina ist nach eigenen Angaben das grösste Chemieunternehmen Chinas und liegt auf Rang 265 auf der Fortune 500-Liste. Zu den Hauptaktivitäten gehören Materialwissenschaft, Life Science, hochwertige Fabrikation und chemische Grundstoffe. Bisher hat ChemChina neun Industrieunternehmen in Frankreich, Grossbritannien, Israel, Italien und Deutschland übernommen. Vor knapp einem Jahr hatte ChemChina die traditionsreiche italienische Reifenfirma Pirelli für mehr als sieben Milliarden Euro gekauft. Im Januar übernahm das chinesische Staatsunternehmen mit 140'000 Mitarbeitern den deutschen Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Millionen.

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