27.02.2018 08:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Detailhandel
Coop lanciert «neue» Milch
Philipp Wyss, Leiter Direktion Marketing/Beschaffung bei Coop, äussert sich im Interview zum Potenzial von Bioprodukten, zum Milch- und Schweinemarkt, zum Milchlabel Fair sowie zur Trinkwasser-Initiative.

«Schweizer Bauer»: Vor 25 Jahren lancierte Coop das Bio-Label «Naturaplan». Was hat Sie am meisten überrascht?
Philipp Wyss: Überrascht hat uns, dass unsere Visionen Realität wurden. Zu Beginn wollten wir einen Naturaplan-Umsatz von 500 Millionen Franken realisieren, nun sprechen wir von 2 Milliarden als Ziel bis 2025 (Anm. d. Red. 2017 setzte Coop mit Bio 1,4 Mrd. Fr. um, 1,1 Mrd. Fr alleine mit Naturaplan). Sehr positiv überrascht hat uns vor allem, dass die Landwirtschaft mitgezogen hat. Ohne die Bauern würde es nicht gehen.

Wie hoch ist der Schweizer Anteil?
Rund 70 Prozent stammen aus dem Inland. Gerne würden wir den Anteil zusammen mit den Schweizer Bio-Knospe-Bauern weiter erhöhen.

Wo genau möchten Sie den Anteil erhöhen?
Bio-Produzenten suchen wir im Bereich Brotgetreide, Eier, Poulet, Fleisch, Soja, Zucker, Raps sowie Früchte und Gemüse. Beim Fleisch sowie Früchten und Gemüse liegt das grösste Wachstumspotenzial vor. 

Ist das Wachstum von Bio nicht endlich? Besteht nicht die Gefahr einer Überversorgung?
Das denke ich nicht. Es ist ja nicht so, dass wir von heute auf morgen 5000 Biobauern mehr haben. Viele haben in der Vergangenheit eine Überversorgung befürchtet, eingetreten ist diese aber nicht. 

Der grösste Teil des Sortiments wird aber weiterhin aus konventionellen Produkten bestehen? 
Bio wird immer wichtiger. Heute gibt es fast keine Kunden mehr, die keine Bio-Produkte kaufen. Bei Pastmilch und Brot ist fast jedes 2. Produkt ein Knospe-Bio-Artikel. Aber auch in den kommenden 25 Jahren wird der konventionelle Teil immer noch hohe Anteile halten. 

Der Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), Urs Niggli, plädiert für eine Zucker- und Fettsteuer auf Lebensmitteln. Wie ist die Haltung von Coop dazu?
Es sollte anders gelöst werden als mit einer Steuer. So haben wir beispielsweise auf den Packungen eine Nährwerttabelle aufgedruckt. Und in diesem Jahr werden wir ein Bio-Jogurt ohne Zucker lancieren.

Coop hat sich mit dem Schweizer Bauernverband zu Gesprächen getroffen. Beide Parteien sehen Handlungsbedarf beim Milch- und Schweinemarkt. So soll die Transparenz verbessert werden. Was heisst das?
Der Milchmarkt ist sehr komplex. Es braucht hier mehr Preistransparenz und Differenzierung. Das verlangt aber strengere Bedingungen bei der Tierhaltung. Mitte Jahr werden wir hier etwas Eigenes lancieren.

Können Sie uns mehr verraten?
Wir möchten Milchbauern, die für uns Milch produzieren und die Tierwohl-Standards BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) und Raus (Regelmässiger Auslauf ins Freie) erfüllen. Die Bauern sollen für ihre Aufwände und Anstrengungen einen angemessenen Milchpreis erhalten.

Das heisst?
Dieser Preis soll Bestand haben und nicht Schwankungen ausgesetzt werden. Damit erhalten die Produzenten mehr Planungssicherheit.

Wäre das Label «Fair», dass Milchbauern zusammen mit den Schweizer Milchproduzenten lanciert haben, eine Option?
Wenn wir von Coop etwas Eigenes lancieren, so stehen wir zu 100 Prozent dahinter und schauen, dass es langfristig Bestand hat. Im Grundsatz begrüssen wir die Initiative «Fair». Wir setzen jedoch auch weiterhin auf den erfolgreichen Weg, den wir bereits eingeschlagen haben. 

Wo liegen aus der Sicht von Coop die Schwierigkeiten im Schweinemarkt?
Der Schweinemarkt ist rückläufig, und das wird auch so bleiben. Das Schweinefleisch ist nicht mehr im Trend. Unsere Kunden bevorzugen Rind- und Pouletfleisch sowie Fisch. Zwei Drittel der verkauften Schweine bei Coop stammen aus unserem Label «Naturafarm». Und hier werden wir uns – nebst Bio – engagieren. 

Wie steht Coop zur Trinkwasser-Initiative?
Coop kann das Anliegen der Initianten nachvollziehen. Aber die Initiative geht zu weit. Generelle Verbote oder radikale Bedingungen für die Direktzahlungen, wie sie die Initiative fordert, erachten wir als kritisch. Verlierer wären die Konsumenten, die auf viele Schweizer Produkte verzichten, höhere Preise in Kauf nehmen und Qualitätseinbussen hinnehmen müssten.

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