29.03.2020 13:21
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Detailhandel
Coop leidet unter der Krise
Die Coronavirus-Krise trifft laut der »SonntagsZeitung« den grössten Schweizer Detailhändler Coop trotz Hamsterkäufen stark.

«Wir haben ein Drittel weniger Kunden in den Supermärkten. So tiefe Frequenzzahlen habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen», sagte Coop-Chef Joos Sutter im Interview mit der «SonntagsZeitung». Und obwohl diese mehr einkauften, leide die Coop-Gruppe auch unter der Krise.

Transgourmet brechen Umsätze weg

«Die Coronakrise wird sich für Coop negativ auswirken. Niemand musste so viele Läden schliessen wie wir», sagte Sutter weiter. Man habe über 1000 der Non-Food-Läden schliessen müssen. Dadurch seien rund 13'000 Mitarbeitende von einem auf den anderen Tag ohne Arbeit gewesen. So etwa bei Fust, Interdiscount, Bau + Hobby oder Bodyshop. Coop habe sofort damit angefangen, sie in anderen Bereichen einzusetzen.

Auch das Grosshandelsgeschäft von Coop ist arg in Mitleidenschaft gezogen. Bei Transgourmet brechen die Umsätze ein. Weil die Gastronomie und die Hotellerie praktisch zum Erliegen gekomme ist, fallen für Transgourmet die Belieferungen weg.

Kein Vorgehen gegen Hamsterkäufe

Die höheren Umsätze im Detailhandel wiegen die Umsatzverluste in den anderen Bereichen bei weitem nicht auf. «Dazu müssten wir ja jetzt in unseren Supermärkten hohe Gewinne machen. Das ist aber nicht der Fall, denn wir halten das Personal nicht knapp, sondern setzen es ein, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Supermarkt zu entlasten», so Sutter. Anbieter, die vor allem Lebensmittel anbieten, könnten profitieren. Coop sei aber sehr diversifiziert, macht Sutter klar.

Auch bezüglich Hamsterkäufe will Coop nicht aktiv vorgehen. In den Läden werden die Kunden darauf hingewiesen, nur Einkäufe in Haushaltsgrösse einzukaufen. «Die Anzahl Produkte, die jeder Kunde einkauft, werde ich aber nicht beschränken. Denn wir wollen allen gerecht werden. Das Sicherheitsgefühl der Menschen ist sehr unterschiedlich», führt der Coop-Chef aus. 

Kritik wegen Prodega

Würde Coop gegen Hamsterkäufe vorgehen, würde das Personal darunter leiden. «Weil sie meine unpopuläre Entscheidung in den Supermärkten gegenüber den Kunden hätten umsetzen und Polizist hätten spielen müssen. Das bringe ich nicht übers Herz», erklärt Sutter gegenüber der «SonntagsZeitung».

In die Kritik geraten ist Coop wegen Prodega. Die Cash-and-Carry-Läden sind nun nicht mehr nur für Grosskunden, sondern für sätmliche Kunden zugänglich. Kleinere Anbieter monieren, dass ein grosser Konkurrent vom Momentum profitiert. Es gehe darum, die Grundversorgung sicherzustellen, verteidigt sich Sutter. Mit Prodega leiste man hier einen Beitrag. Und weiter führt er aus: «Niemand musste so viele Läden schliessen wie wir und 13'000 Angestellte weiterbeschäftigen.»

Boomendes Online-Shopping

Um den Ansturm bei Online-Shopping zu lindern, will Coop in der kommenden Woche ein neues Angebot lancieren. Dort soll das Angebot ans Produkten auf 100 Artikel reduziert werden. Dafür wird die Ware in wenigen Tagen ausgeliefert. 

Coop können nun nicht einfach die Kapazitäten massiv hochfahren. In der Schweiz würden nur 2,8 Prozent der Lebensmittel online verkauft. Der Umsatz bei Coop@home habe sich gerade verdoppelt. Er könnte sich aber auch verfünffachen, wenn wir die Kapazitäten hätten, so Sutter. Ein neues Vertriebsgebäude zu bauen, sei unmöglich. Deshalb werde nun ein Kanal mit reduziertem Angebot lanciert.

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