11.05.2015 16:37
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Milchbauern über Aldi erzürnt
Der Discounter Aldi Deutschland gab am vergangenen Donnerstag bekannt, dass er die Preise für Trinkmilch um 4 Cent je Liter senkt Auch die Preise für Butter und Rahm werden gesenkt. Die Bauern sind ob dem Vorgehen des Discounters erzürnt. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verlangt Massnahmen gegen die Milchmarktkrise.

Aldi bietet Vollmilch nun für 0,55 Euro/l sowie die fettarme Milch für 0,51 Euro/l an. Der Preis für das 250-g-Päckchen Butter wurde um 10 Cent auf 0,89 Euro herabgesetzt. Schlagsahne, Crème Fraîche und Kondensmilch werden ebenfalls preisreduziert angeboten. „Aufgrund gesunkener Rohwarenpreise ist es uns gelungen, unsere gewohnt hervorragenden Produkte günstiger einzukaufen. Einen Preisvorteil, den wir an Sie als unsere Kunden gerne weitergeben möchten“, lässt der Discounter die Konsumenten wissen.

"Dreiste Lüge"

Als „dreiste Lüge“ bezeichnet hingegen der Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Heinz Korte, diese Behauptung. „Die Verantwortlichen bei Aldi setzen mit ihrer Einkaufspolitik die Gesetze von Angebot und Nachfrage ausser Kraft und üben den Druck auf die Rohwarenpreise selbst aus“, kritisierte Korte. Es gebe derzeit keine Gründe für sinkende Preise.

Die aktuelle Milchanlieferung liege unter dem Niveau des Vorjahres; ein höherer Verbrauch von Milchprodukten habe die Nachfrage stimuliert, und Lagerbestände gebe es nicht. Vor diesem Hintergrund spiele der Discounter mit seiner Preisgestaltung lediglich seine Marktmacht zum Schaden der Milchbauern aus, monierte Korte.

Nach seinen Angaben erhielten die niedersächsischen Milchbauern im März 2015 lediglich um die 28 Cent für das Kilogramm Rohmilch. Das waren rund 10 Cent weniger als vor Jahresfrist. Kein Verständnis für die Preispolitik der Discounter und anderer Handelsketten, die mittlerweile Aldi gefolgt sind, hat angesichts der Forderungen nach höheren Tierschutzstandards auch der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Armin Müller: „Wir Bauern produzieren Milch verlässlich in bester Qualität und pflegen ganz nebenbei unsere Kulturlandschaft. Diese Leistung hat ihren Preis und muss angemessen honoriert werden.“

BDM: Milchmarktkrise ist da

Für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) kommen die niedrigeren Preise für Milch und Molkereiprodukte nicht überraschend. Bereits seit Wochen würden die Börsennotierungen für Butter, Milchpulver und Käse auf globaler und auch auf nationaler Ebene nachgeben. „Auch die Einkäufer des Handels sind in der Lage, die aktuelle Marktentwicklung an den Börsen abzulesen“, so der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber.

Wenn die Milchmarktlage so gut wäre, wie sie von Bauernverbandsvertretern beschrieben werde, dann stelle sich doch die Frage, warum die Molkereiwirtschaft überhaupt solchen Kontraktabschlüssen zugestimmt habe. „Die realen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wir befinden uns längst in einer weiteren Milchkrise“, betonte Schaber.

Massive Kritik von Politik, Tierschutz und Verbänden

Für die Freien Wähler in Bayern ist der marktmächtige Handel mitverantwortlich für die rückläufigen Produzentenerlöse. „Die Konzentration des Lebensmittelhandels in der Hand einiger Weniger verleiht den grossen Discountern immer mehr Marktmacht. Diese setzen sie knallhart ein und betreiben Preisdumping auf dem Rücken von Landwirten und Tieren“, kritisierte deren agrarpolitischer Sprecher im Münchener Landtag, Leopold Herz. Es stelle sich die Frage, wozu es eigentlich ein Anti-Dumping-Gesetz gebe.

Wenn Kartellämter nicht in der Lage seien, dieses Ungleichgewicht in den Griff zu bekommen, dann müsse der Staat den Milchbauern aktiv dabei helfen, die Waffengleichheit herzustellen, erklärte Herz. Aber offenbar sei das politische Interesse an billigen Milchprodukten bei den Discountern grösser als das am Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft.

Die vom Einzelhandel durchgesetzte Senkung der Molkereiabgabepreise für Trinkmilch stiess auch beim Deutschen Tierschutzbund auf scharfe Kritik. Dies sei „Preisdumping auf dem Rücken der Landwirte“ und gehe zu Lasten der Tiere, teilte der Verband am vergangenen Mittwoch mit. Zuvor hatte schon der Deutsche Bauernverband (DBV) mit Unverständnis auf das Ergebnis der Kontraktabschlüsse reagiert.

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