27.08.2013 07:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Schweinemarkt
«Da läuft einiges falsch!»
Vor einer Woche sanken die Schweinepreise überraschend um 10 Rappen. Franz Hegglin, Präsident der Fachkommission Markt bei Suisseporcs, erklärt, wie es dazu kam und was die Produzenten tun können.

«Schweizer Bauer»: Vor einer Woche wurden die Schlachtschweinepreise um 10 Rappen gesenkt. Wie kam es dazu?
Franz Hegglin: Da müssten Sie eigentlich die drei grossen Abnehmer (Anm. der Redaktion: Micarna SA, Bell AG und die Fenaco-Tochter Ernst Sutter AG) fragen! Wir hatten zwei, drei Wochen lang zu viele IPS-Schweine. Um diese Überhänge loszuwerden, ist es naheliegend, dass einige Schweine in den QM-Kanal abfliessen. Vermutlich um diese Verluste auszugleichen, wurde der Preisabschlag auf alle Schweine erzwungen. Dies war nicht marktkonform und sieht für mich sehr nach einer konzertierten Aktion aus.

Gab es noch andere Gründe?
Es wurde immer das Argument gebracht, man könne die Carrées nicht verkaufen. Man müsste aber einmal über die Bücher, ob die Preisgestaltung der verschiedenen Edelstücke noch zeitkonform ist. Es ist nicht das Problem der Produzenten, wenn die interne Kalkulation der Schlachtbetriebe nicht aufgeht. Angeblich sind diesen Sommer die Cervelats teurer geworden. Als wir letzten Sommer die tiefen Schlachtschweinepreise hatten, habe ich nirgends gehört, die Cervelats seien billiger geworden. Fakt ist: QM-Schweine sind gesucht, der Preisabschlag war ungerechtfertigt. 

Läuft bei der Bildung des Schlachtschweinepreises also etwas falsch?
Ich würde sagen, da läuft einiges falsch! Der IPS-Markt müsste sich über seine Prämie selber steuern. Ein genereller Abschlag auch auf die QM-Schweine ist momentan einfach nicht marktkonform. Die Suisseporcs hat diesen Abschlag auch nicht akzeptiert und nach wie vor Fr. 4.70 angeschrieben. Aber wenn der Handel diese gerechtfertigte Forderung nicht geschlossen mitträgt, wie es in dieser Woche gelaufen ist, dann geht es eben nicht!

Prämie senken

Die IP-Suisse hält wenig von der Idee, die 30 Rappen IPS-Prämie auf Schweine zum jetzigen Zeitpunkt zu senken. Die Prämie wird jeweils zu Monatsbeginn neu diskutiert. «Dies genügt», meint Peter Althaus von IP-Suisse. Er findet ausserdem: «Den Preisabschlag bei den Schweinen auf Überhänge im Labelbereich abzuwälzen, ist nicht gerechtfertigt.» Der Marktanteil der IPS-Schweine beträgt rund 20%, und nur einer der grossen Verarbeiter schlachtet im grossen Stil  IPS-Schweine. gro

Haben die Produzentenvertreter überhaupt etwas zu sagen bei der Preisgestaltung?
Was die Produzenten tun können, ist nur mit jenen Händlern zusammenzuarbeiten, die den Worten auch Taten folgen lassen. Die Produzenten können Druck ausüben und keine QM-Schweine unter Fr. 4.70/kg SG verkaufen. Dies muss den Händlern klar kommuniziert werden. Wenn es wirklich zu wenig QM-Schweine hat, wird das dann schon Wirkung zeigen. Interessant ist ja auch, dass der dritte grosse Abnehmer, die bäuerliche Organisation, den Preisabschlag auch übernommen hat und gleichzeitig QM-Schweine gesucht hat. 

Wie ist die momentane Lage auf dem Schlachtschweinemarkt?
Der QM-Markt ist sehr gesund, und es könnten gemäss Händlern noch mehr Schweine platziert werden. Der Labelmarkt läuft wieder besser als in den letzten Wochen. Allgemein sind die Aussichten auf dem Schweinemarkt zur Zeit gut. Die Angebote können heuer eigentlich nicht mehr viel grösser werden, sonst wären die Aufschläge auf den Jagerpreisen vor ein paar Wochen falsch gewesen.

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