26.05.2016 10:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Detailhandel
Das grosse Geschäft Grillieren
Grillieren ist angesagt, jetzt, wo die Abende länger und wärmer werden. Medial «befeuern» Gerätehersteller, Fleischproduzenten und Handel das Geschäft erfolgreich, das seit Jahren traumhafte Wachstumszahlen erzielt. Die Fussball-EM dürfte vor allem beim Zubehör für mehr Absatz sorgen.

In den vergangenen zehn Jahren hat der Verkauf von Grillgeräten in der Schweiz jährlich um 10 bis 15 Prozent zugelegt, wie Hans Jörg Elsasser von der Swiss Barbecue Association Schweiz (SBA) auf Anfrage feststellt.

Aufwändige Werbeaktionen

Orchestriert wurde und wird dieser Hype von aufwändigen Werbeaktionen. In den zahlreichen Grill-Broschüren finden sich neben einer immer grösseren Auswahl an Geräten und Lobgesängen auf die «Freuden des Grillens» auch reich bebilderte Rezeptvorschläge.

Wer noch mehr «Fachwissen» wünscht, liest eigens dafür verfasste Grillkochbücher oder besucht «Grillakademien», wie sie der grösste Hersteller in der Schweiz, Weber-Stephen, nicht nur im Sommer, anbietet. Das «Trommeln» verhallt nicht ungehört.

Grill-Gemeinde wächst stetig

Hierzulande würden alle Anbieter mehr als 200'000 Grills pro Jahr verkaufen, heisst es beim Branchenführer Weber-Stephen in Winterthur, der zum gleichnamigen US-Hersteller gehört. Das Unternehmen verfügt auf dem stark segmentierten Markt über einen Marktanteil von 20 Prozent, wie Geschäftsführer Aaron Husy erklärt. Zu den nächst grösseren Anbietern zählen Outdoorchef, König und Campingaz.

Die Nummer 1 konnte 2015 nach eigenen Angaben den Umsatz um rund 25 Prozent steigern. «Die Aussichten sind weiterhin sehr positiv. Wir rechnen auch in den nächsten Jahren mit einer konstanten Steigerung», stellt Husy fest.

Auch die Baumarktkette Jumbo ist mehr als zufrieden. «2015 war ein sehr erfolgreiches Grilljahr», stellt Jumbo-Sprecher Fabian Rauber fest. Es werde daher schwierig sein, heuer das Vorjahresergebnis wieder zu erreichen. Bisher hinkten die Grillverkäufe in den 41 Filialen wegen des Wetters leicht hinter denjenigen des Vorjahres her. Konkrete Zahlen gibt Jumbo nicht preis.

«Wetterfühliges» Grillgeschäft

Ebenfalls zugeknöpft über die Absatzmenge geben sich die Grossverteiler Coop und Migros. Auf Anfrage heisst es lediglich, das Geschäft laufe derzeit gut und lasse 2016 einen ähnlichen Umsatz wie im vergangenen Jahr erwarten. «Je besser das Wetter, desto besser sind die Verkaufszahlen», bringt es Coop-Sprecherin Nadja Ruch auf einen Nenner. Grosse Sportereignisse würden die Leute zwar vermehrt zum Grillieren animieren. Das zeige sich aber vor allem in einem Mehrkonsum an Grilladen, Mineralwasser und Bier.

Mit einer Riesennachfrage nach Grillgeräten aufgrund der Fussball-Europameisterschaft in Frankreich rechnet auch bei Jumbo niemand. Laut Rauber werden aber mit Sicherheit mehr Zubehör und Gasflaschen verkauft. Bei der Migros wird dies bestätigt: «Grossereignisse beeinflussen den Verkauf von Grillgeräten nur bedingt. Das Wetter spielt eine viel grössere Rolle», sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard. Zubehör, wie Anzündmittel oder Grillzangen und allenfalls «Einstiegsgeräte» dürften hingegen zulegen.

Die EM werde ganz sicher keinen Ausschlag für den Kauf eines hochpreisigen Grills geben, heisst es auch bei der SBA. Allenfalls als Gag würden günstige Grills - etwa in Form eines Fussballs - verkauft. Teurere Neugeräte würden selten speziell für einen solchen Anlass angeschafft. Die EM könnte aber zu mehr Verkäufen von Grillgut oder Zubehörteilen verführen.

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