29.12.2015 13:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Preise
Das Leben wird immer billiger
Preiserhöhungen sorgen regelmässig für Schlagzeilen - doch falls das Leben günstiger wird, will das niemand so richtig wahrhaben. Dabei sind purzelnde Preise mittlerweile vielerorts die Regel. In der Schweiz ging das Preisniveau per November um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach unten.

Diese Tatsache ist hauptsächlich auf drei Entwicklungen zurückzuführen, wie der verantwortliche Bereichsleiter für Konsumentenpreise beim Bundesamt für Statistik (BFS), Hans Markus Herren, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erläutert. Erstens ging es bei Erdölprodukten um markante 13,5 Prozent nach unten, was bereits rund ein Drittel des Rückgangs beim Preisindex erklärt.

Zweitens sanken die Verkaufspreise für Neu- sowie Gebrauchtwagen. Neue Fahrzeuge sind auf Jahressicht 4,5 Prozent billiger geworden und Occasions-Automobile wechselten ihre Besitzer für Summen, die im Schnitt 8,3 Prozent unter den Vorjahreswerten lagen.

Und drittens haben Pauschalreisen einen starken Einfluss darauf ausgeübt, weshalb das Leben in der Schweiz in den vergangenen zwölf Monaten günstiger geworden ist. Für solche Paketangebote mussten Kunden rund 3,3 Prozent weniger berappen.

Überall Rabattaktionen

BFS-Experte Herren erklärt, dass eigentlich der grösste Teil des Warenkorbes billiger geworden sei. Vor allem bei Importgütern rutschten die Preise und sanken auf Jahressicht um 4,4 Prozent. Die Preise für Inlandsgüter haben mit einem Minus von 0,3 Prozent dagegen nur geringfügig nachgegeben.

Betrachtet man die Art der Güter, die dem Preisindex zugrunde gelegt werden, so sind Waren in den vergangenen 12 Monaten in der Schweiz insgesamt um 3 Prozent billiger geworden. Die Preise von Dienstleistungen reduzierten sich allerdings lediglich um 0,3 Prozent.

In den Novemberzahlen des BFS fallen noch zwei weitere Entwicklungen auf. Da sind einerseits die Preise für Schaumwein, die um markante 15 Prozent zurückgegangen sind. Das relativiert der Statistiker aber schnell, denn dieses Jahr hat der Detailhandel einfach nur schon viel früher Rabattaktionen bei Schaumweinen durchgeführt als 2014. In der Betrachtung zum Gesamtjahr gleichen sich solche augenfälligen Effekte aber wieder aus, da sie nur Verschiebungen zwischen den Monaten darstellen.

Die zweite Auffälligkeit gab es bei den Mieten. Diese weisen laut Herren normalerweise eine leicht steigende Tendenz auf. Im November sanken sie aber überraschenderweise um 0,4 Prozent, worin sich hauptsächlich die gesunkenen Hypothekarzinsen widerspiegeln dürften.

All diese Preisentwicklungen sind aber nur Durchschnittswerte für die Schweiz. Der Warenkorb, den das BFS seinem Konsumentenpreisindex zugrunde legt, ermittelt sich aus regelmässigen Erhebungen innerhalb der Bevölkerung. Diese sollen ein möglichst wirklichkeitsnahes Abbild von der Konsumsituation eines landestypischen Haushaltes liefern. Allein auf die Kategorie Wohnen und Energie entfällt daher ein Anteil von rund 25 Prozent des Warenkorbes, weil diese Bereiche auch rund ein Viertel der Ausgaben reflektieren.

Die eigene Inflation berechnen

Der einzelne Bürger wird sich aber fragen, weshalb er das gesunkene Preisniveau eventuell nicht so stark spürt, wie die BFS-Zahlen suggerieren, und er am Ende des Monats trotz gleichbleibender Einkäufe nicht mehr Geld im Geldbeutel hat. Die Preisänderungen, die jeder konkret spürt, hängen nämlich davon ab, was die Haushalte tatsächlich konsumieren.

So leiden Raucher logischerweise unter Preissteigerungen bei Zigaretten, während Nichtraucher solche Effekte oft nicht einmal bemerken. Auf die eingangs erwähnten Waren wie Erdölprodukte, Autos oder Pauschalreisen bezogen bedeutet dies, wer kein Fahrzeug anschafft, nicht regelmässig tankt und keine Paketangebote für seine Ferien bucht, spürt die derzeit vorhandenen deutlichen Preisreduktionen auch nicht.

Auf der Internetseite des BFS können Interessierte daher die Preisentwicklung ihres eigenen Warenkorbes ausrechnen lassen, was besonders spannend ist, wenn das Kaufverhalten stark vom statistischen Durchschnitt abweicht.

Und schliesslich stellen die steigenden Krankenkassenprämien häufig noch einen Streitpunkt bei der Inflationsberechnung dar. Diese Ausgaben sind mittlerweile für viele Familien der zweitgrösste Posten nach dem Wohnen und belasten daher stark. Allerdings fliessen sie im Schadenfall wieder an die Haushalte zurück und dienen daher nur der Finanzierung eines bestimmten zukünftigen Konsums.

Zudem setzen sich die Prämienentwicklungen aus Preis- und Mengenänderungen zusammen. In einem Preisindex fliessen aber vermehrte Arztbesuche oder Spitalaufenthalte nicht direkt ein. Sehr wohl sind aber einzelne Gesundheitsleistungen im Warenkorb wie ambulante Behandlungen, Zahnarztbesuche und Medikamente enthalten. Und letztere sind auf Jahressicht 2,5 Prozent billiger geworden.

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