31.08.2016 12:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
IP-Suisse
Der Käfer kommt zu Denner
Käfer-Produkte gibt es künftig auch bei Discounter Denner zu kaufen. Dies gaben die Migros-Tochter und die Vereinigung der integriert produzierenden Bauern und Bäuerinnen IP-Suisse am Mittwoch in Zürich bekannt. Rund 30 Produkte kommen in drei Wellen bis Ende November in die 800 Filialen des Discounters.

Der grösste Abnehmer von IP-Suisse ist die Detailhändlerin Migros. Unter dem Label Terrasuisse gibt es Fleisch-, Milch- und Getreideprodukte, Gemüse, Früchte, Kartoffeln und Rapsöl zu kaufen. Die Migros verkaufte 2015 unter diesem Label waren im Wert von rund 714 Millionen Franken.

Bio- und QM-Produkte fallen aus Sortiment

Nun nimmt Denner bereits ab nächster Woche die ersten Fleisch- und Charcuterieprodukte ins Sortiment auf. Ab Mitte Oktober folgen Milchprodukte, Anfang November folgen Gemüse und Brot. In der Startphase sollen rund 30 Produkte ins Sortiment kommen. Aufgrund des eingeschränkten Sortiments wird Denner deshalb Bio- und QM-Produkte auslisten. Die Eier werden künftig das einzige Bio-Produkt aus der Schweiz sein, dass es beim Discounter zu kaufen gibt.

60 Millionen Umsatz angepeilt

„Das Potenzial an Nachhaltigkeitsprodukten in der Schweiz liegt bei rund 3 Mrd. Franken. Unser Ziel ist es, mit IP-Suisse-Produkten einen Marktanteil von 2 Prozent zu erzielen“, hielt Mario Irminger in Zürich vor den Medien fest. Damit peilt der Discounter einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken an.

„Integrierte Produktion heisst auch ideale Partnerschaft“, betonte der Denner-Chef weiter. Beide Organisationen ticken ähnlich, erklärt Denner-Chef Mario Irminger. Dass IP-Suisse-Produkte keinen Anklang bei den Denner-Kunden finden, glaubt er nicht. „Unsere Kundschaft wünscht nachhaltige Produkte. Wir werden keinen Schiffbruch erleiden“, zeigt er sich überzeugt. Man wisse, welche Produkte Anklang finden würden. Und das Sortiment sei ja noch eher klein.

Wiesenmilch kommt ins Sortiment

Mutterkonzern Migros habe bei der Entscheidung, IP-Suisse-Produkte ins Regal zu stellen, keinen Einfluss gehabt. „Wir können uns frei bewegen“, beteuert Irminger. Im Denner-Laden wird es die IP-Suisse-Produkte billiger zu kaufen geben als bei der Migros. Der Prozentsatz liegt im hohen einstelligen Bereich. „Wir können dank unserer schlanken Kostenstruktur die Produkte günstiger anbieten“, so Irminger. Aufgrund des kleineren Sortiment, der einfacheren Ladenstruktur und der effizienten Logistik kann Denner die Kosten tiefer halten. Den Produzenten werde der Marktpreis bezahlt, betont Irminger.

In das Sortiment gelangt bei Denner auch die Wiesenmilch. Bisher wurde diese nur noch bei Migros Aare und Migros Luzern verkauft. Der Preis kommt bei 1.40 Franken pro Liter zu liegen. Ein Liter Pastmilch kostet Schweizer Herkunft ohne Label kostet 1.15 Franken. Verkauft werden die IP-Suisse-Artikel künftig zu Dauertiefstpreisen. Aktionen sind beim Standardangebot keine vorgesehen. Diese sind nur vorgesehen bei Artikeln, die nicht im dauernd im Sortiment sind. Hauptlieferant von Denner dürfte die M-Industrie, die Verarbeitungsbetriebe der Migros, sein. 

"Käfer erreicht Breite"

Denner sei schweizerisch und habe sich in den Gespräche sehr glaubwürdig präsentiert, erklärt IP-Suisse-Präsident Andreas Stalder gegenüber schweizerbauer.ch. Man sei Denner dankbar. „Sie bringen den Käfer an die Front direkt zum Kunden“, so Stalder. Das sei auch ein Wunsch der 20'000 IP-Suisse-Bauern gewesen, dass der Käfer auf den Produkten zu sehen sei. Aktuell sei die Belieferung des Discounters kein Problem. "Momentan benötigen wir keine zusätzlichen Produzenten", so Stalder. Ansonsten könne man solche in der Warteschleife aktivieren. "Wir hoffen natürlich, dass wir durch die Partnerschaft mehr produzieren können", fährt Stalder fort. Für Produkte für das Denner-Sortiment komme ebenfalls das Prämiensystem zum Tragen.

Das Ziel sei, Marktanteile zu gewinnen. Denner, der über das zweitgrösste Filialnetz der Schweiz verfügt, ermöglicht IP-Suisse Wachstum, so Stalder. „Denner hinterlässt einen Fussabdruck“, betont Stalder. Denner beweise, dass man Ökologie in der Breite verkaufen könne. Bio-Artikel würden hingegen weiterhin Nischenprodukte für eine Elite bleiben, fährt Stalder fort.

Aldi und Lidl aussen vor


Kein Thema bei IP-Suisse ist weiterhin die Belieferung von Aldi und Lidl. Es fehle das Bekenntnis, dass die Discounter effektiv zu den Produzenten stehe. Die Mutterhäuser in Deutschland würden sich anders verhalten als ihre Schweizer Ableger. In Deutschland würden die beiden Discounter die Produzentenpreise unter Druck setzen. Hier müssten die Aldi Suisse und Lidl Schweiz zeigen, dass sie nicht so agieren, stellt Stalder klar. Deshalb habe der Vorstand beschlossen, da die beiden Discounter ihre Produkte nicht mit dem Käfer ausloben dürften.

Kniefall oder Gesinnungswandel?

Aldi ist über die Partnerschaft von Denner und IP-Suisse nicht erfreut. «Entweder deutet dies auf einen Kniefall vor dem grössten Abnehmer von IP-Suisse-Produkten hin», sagt Aldi-Sprecher Philippe Vetterli gegenüber Blick.ch. «Oder es lässt auf den zu begrüssenden Gesinnungswandel bei IP-Suisse schliessen», so der Sprecher weiter.

Aufgrund der relativ kleinen Mengen an IP-Produkten gestattete die Organisation 2015 Aldi die Verwendung des Begriffs und des Logos von IP-Suisse vorerst nicht. Fakt sei, dass Aldi auf dem Markt IP-Suisse-Produkte kaufe. Und dagegen habe IP-Suisse grundsätzlich nichts, erklärte IP-Suisse Geschäftsführer Fritz Rothen im April 2015 gegenüber „Schweizer Bauer“.

Anfang Juli 2016 betätigte IP-Suisse-Präsident Andreas Stalder, dass man mit einigen Marktteilnehmern nicht zusammenarbeiten wolle. Er meinte damit Aldi und Lidl. Doch eine Türe liess er offen. „Wenn sich diese am Schweizer Markt lange genug so verhalten, wie sie sich jetzt in der Werbung zeigen, dann kann man wieder miteinander reden“, betonte Stalder gegenüber „Schweizer Bauer“. Bis auf weiteres wird IP-Suisse aber Aldi und Lidl nicht beliefern, stellte Stalder am Mittwoh klar.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE