14.07.2016 15:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Direktvermarktung
Der Pöstler bringt das Gemüse
Die Post bietet neu einen Lieferservice für Regionalprodukte an. Die Wege sind kurz und der Logistikaufwand klein. Dazu ist sie auf der Suche nach Produzenten, die ihre Direktvermarktung ausbauen möchten.

Gemüseabos sind nichts Neues. Dass sie von der Post verteilt werden, allerdings schon. 2015 hat die Post mit dem Zieglerhof in Brunnenthal SO und seinem Hauslieferabo «Buur on Tour» ein Pilotprojekt gestartet. Nach erfolgreichem Verlauf möchte die Post das Angebot nun auf die ganze Schweiz ausdehnen.

Weg über Poststelle

Und so funktionierts (siehe Bild in Bildstrecke): Die Kunden bestellen ihre wöchentliche Lieferung an Hofprodukten beim Landwirt. Dieser packt die Lebensmittel in Taschen zu maximal 10 Kilo und bringt sie am Vorabend oder früh am Morgen des Liefertages zu der regionalen Zustellstelle der Schweizerischen Post; dorthin, wo alle Pöstler der Region ihre Postsendungen zum Vertragen auf ihrer Tour vorbereiten.

Die Pöstler nehmen die regionalen Produkte – zum Beispiel Gemüse, Früchte, Brot oder Eier – in den vom Bauern vorbereiteten  Tragtaschen auf ihre reguläre Zustelltour mit und stellen sie vor der Haustüre oder beim Briefkasten der Kunden ab. Die leere Tasche legt der Kunde in den Briefkasten, der Pöstler bringt sie am Folgetag zurück in die Poststelle, wo sie der Bauer bei der nächsten Lieferung zur Wiederverwendung mitnehmen kann.

Optimale Ergänzung für Post

«Die Auslieferung regionaler Produkte ist eine innovative und sympathische Geschäftsidee, die unser Kerngeschäft, die tägliche Postzustellung in alle Haushalte, optimal ergänzt», erklärt Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post. Diese kann damit ihr Kerngeschäft stützen, weil immer weniger Briefe verschickt werden.

Aber auch für die Direktvermarkter sieht Flüeler viele Vorteile: «Der Bauer kann durch diesen Verkaufskanal zusätzlich zu seinem Hofladen neue Kunden in der Region gewinnen.» Der Logistikaufwand für den Produzenten sei klein, und durch das Anbieten von Abos ergebe sich für ihn eine bessere Planbarkeit des Angebots.

Win-win-win-Situation

Die Konsumenten ihrerseits profitieren von der Zustellung frischer, saisonaler Produkte direkt an ihre Haustüre. Mit einem Abo haben sie einen minimalen Bestellaufwand. «Dank den kurzen Transportwegen vom Bauern zur regionalen Zustellzentrale und von dort in der Regel mit Elektrofahrzeugen zu den Haushalten können die Kunden ihre Regionalprodukte mit besonders gutem Gefühl geniessen», betont Flüeler. Für Konsument, Bauer und Post ergibt sich also quasi eine Win-win-win-Situation.

Der Postsprecher weiss: «Aktuell nutzen fünf bis zehn Bauern das Angebot, und wir transportieren rund 500 Taschen pro Monat. Laufend kommen neue Landwirte und Kunden dazu.» Ideal wäre, wenn sich mehrere Bauern zusammentun könnten, um so ihre Produktpalette auszuweiten. Die Post könne Landwirte auch bei der Werbung, etwa beim Verschicken von Flugblättern oder dem Erstellen eines Online-Shops, unterstützen.

Wie viel der Lieferdienst den Bauern kostet, ist gemäss Flüeler vertraulich und werde vertraglich geregelt. Der Preis wird je nach Auftragsmengen, Einzugsgebiet, Lieferhäufigkeit usw. schriftlich vereinbart. «Gerne informieren wir interessierte Bauern unter regionale.produkte@post.ch über spezifische Konditionen.»

Erfahrungen eines Direktvermarkters

Bernhard Hänni aus Noflen BE lässt seit Oktober 2015 Gemüsetaschen von der Post vertragen. «Das Gemüseabo haben wir bereits vor ein paar Jahren mit dem Velokurier in Thun aufgebaut», erklärt der Bio-Gemüse-Bauer. «Mit dem Service der Post können wir nun auch die Agglomeration erschliessen.»

In diesen Gebieten verteilte die Post letzten Herbst einen Werbeflyer von Hänni. Heute können wöchentlich 30 bis 40 Tragtaschen ausgeliefert werden – zusätzlich zu den rund 120 Taschen, die immer noch per Velokurier geliefert werden. An zwei Wochentagen um 6 Uhr bringt der Landwirt seine Taschen zu insgesamt vier Zustellzentralen der Post in der Region Thun. «Unsere Erfahrungen sind durchwegs positiv», bilanziert Hänni, der pro Tasche 5 Fr. Zustellgebühr bezahlt. «Die Lieferungen kommen unversehrt an.» big

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE