Sonntag, 14. August 2022
22.03.2020 10:50
Coronavirus

Desinfektionsmittel statt Schnaps

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Von: awp

Desinfektionsmittel sind in der aktuellen Coronavirus-Krise Mangelware. Auch einige Schweizer Unternehmen – von Detailhandelsriesen bis hin zu Brennereien – reagieren nun und stellen selber Desinfektionsmittel her.

Die Migros, die auf eine grosse Eigenindustrie zählen kann, hat mit der Produktion von Desinfektionsmitteln begonnen. «Alle 100’000 Mitarbeitenden der Migros-Gruppe haben wir bereits mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet», sagte Migros-Sprecher Marcel Schlatter am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

5’000 bis 10’000 Liter pro Tag

Eigentlich braucht es für die Herstellung von Desinfektionsmitteln eine Bewilligung. Doch Anfang März hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmezulassung erlassen, um den Engpässen in der Versorgung entgegen zu wirken. Das hat auch die Brennereien auf den Plan gerufen – denn sie sind in der Lage, den dafür nötigen hochprozentigen Alkohol zu produzieren.

Ein Beispiel ist die Destillerie Diwisa aus dem luzernischen Willisau. Derzeit fülle man 5’000 bis 10’000 Liter pro Tag ab, sagte Diwisa-Chef Adrian Affentranger zur AWP. Zuvor hatte bereits die Lokalzeitung «Willisauer Bote» darüber berichtet. Die Nachfrage ist gross: Neben den klassischen Kunden aus dem Getränkehandel decken sich auch Spitex, Arztpraxen, Apotheken, Spitäler, Unternehmen und Handwerker bei Diwisa ein. Zudem arbeite man mit dem ebenfalls in Willisau tätigen Onlineshop Brack zusammen.

Produktion ist ein Glück

Laut Affentranger will Diwisa die grosse Nachfrage nicht ausnutzen, indem «unverschämte» Preise verlangt werden. «Wir haben uns daran orientiert, was ein Liter im normalen Fall kostet.» Allerdings seien die eigenen Produktionskosten höher als bei der klassischen Desinfektionsmittel-Produktion. «Die Produktion ist für uns ein Glück», sagt Affentranger.

Mit dem Verkauf der Desinfektionsmittel kann Diwisa nämlich die Produktionsmitarbeiter im Moment noch auslasten – trotz des Wegbruchs des Gastronomie- und Eventgeschäfts, das normalerweise 60 Prozent zum Umsatz beisteuert. Stabil geblieben ist zudem das Geschäft mit dem Detailhandel.

Trinkalkohol-Engpass

Bereits zeichnet sich aber ein Engpass beim klassischem Trinkalkohol ab, den Diwisa für die Mittel verwendet. Denn die Herstellung braucht mehr Zeit als das Abfüllen von schon vorhandenem Alkohol: 5’000 Liter in der Woche können gebrannt werden. Bis Ende nächster Woche hat das Unternehmen allerdings noch Reserven von Trinkalkohol. Ob zusätzlich importiert werden kann, ist angesichts der grossen internationalen Nachfrage und möglicher Exportbeschränkungen noch offen.

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