15.02.2018 16:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Coop
«Die anderen sind Trittbrettfahrer»
Bioprodukte gehören gemäss der Führungsriege von Coop zur DNA des Unternehmens. Die Basler sind stolz auf ihre Rolle des Pioniers. Coop habe den Biomarkt zum Erfolg geführt. Die anderen seien nur Profiteure.

«Die Nachhaltigkeit war 2017 ein Booster im Coop-Geschäft», hielt Coop-Chef Joos Sutter am Donnerstagmorgen in Muttenz BL vor den Medien fest. Insgesamt realisierte die Coop-Gruppe einen Umsatz von 4,25 Mrd. Franken mit der Nachhaltigkeit. «Wir sind klarer Leader in der Schweiz», fährt Sutter fort. 

Qualität setzt sich durch

Ein starkes Wachstum generierte die Basler Detailhändlerin mit Bioprodukten. Der Umsatz erhöhte sich um 10.7 Prozent auf knapp 1.4 Mrd. Franken. Im Jubiläumsjahr 2018, das Label feiert heuer seinen 25. Geburtstag, wird weiteres Wachstum angestrebt. «Der Bio-Trend ist noch lange nicht vorbei», so Sutter. Coop habe von Beginn an auf die Knospe gesetzt und dies zahle sich nun aus. «Qualität setzt sich durch», so die Erklärung von Sutter. Und: «Wir sind die Pioniere und haben Bio gross gemacht», machte Sutter deutlich.

In den Medienunterlagen wird Coop noch deutlicher. «Wir haben den Bio-Markt zum Erfolg geführt. Alle anderen sind Trittbrettfahrer. Denn nur Coop setzt voll auf die Knospe-Richtlinien von Bio Suisse», heisst es in den Medienunterlagen. Das ist eine Anspielung auf die Migros, die das Bio-Sortiment auch mit dem deutschen Bio-Label «Alnatura» erweitert und so von der grösseren Nachfrage nach Bioprodukten profitiert. «Das EU-Bio ist aber viel weniger streng als die Knospe-Richtlinien von Bio Suisse», betonte Sutter. 

Migros-Bolliger kritisiert Bio stark

Sein langjähriger Widersacher Herbert Bolliger an, der Ende 2017 sein Amt als Migros-Chef abgab und in Pension ging, hat eine dezidierte Meinung zur biologischen Landwirtschaft. «Bio ist eine Nische. Damit kann man die Welt nicht ernähren», sagte er Mitte Dezember 2017 gegenüber dem «Blick».

Die biologische Landwirtschaft sei nicht ressourceneffizient. «Sie beansprucht zu viel Boden, und die Ernteausfälle sind zu gross. Wenn alle Menschen Bio wollen, hat ein grosser Teil der Bevölkerung nichts mehr zu essen», ist sich Bolliger sicher. Er machte sich im Interview stark für die Integrierte Produktion (IP). «Diese ist gleichzeitig effizient und nachhaltig ist. Das ist der richtige Weg», so Bolliger. Die IP-Suisse ist unter dem Label «TerraSuisse» im Migros-Sortiment zu finden. Rund 11'000 Landwirte liefern Getreide, Kartoffeln, Raps, Milch, Fleisch, Obst und Früchte an die Migros. Bei den Bio-Produkten ist Coop beim Umsatz deutlich voraus. 

Regionalität soll gefördert werden


Auch mit dem Fairtrade-Label Max Havelaar ist Coop stark gewachsen. Hier erhöhte sich der Umsatz um 8.2 Prozent auf 500 Millionen. Ein weniger starkes Wachstum hingegen konnten die Basler bei den Regionalprodukten erzielen. Der Umsatz legte um 2.9 Prozent auf 175 Millionen zu. Hat Coop den Trend verschlafen? Nein, sagt Sutter. Das Programm sei erst vor wenigen Jahren gestartet worden. Zudem haben man 2017 weniger den Fokus auf diese Linie gesetzt. Der Trend zu regionalen Produkten sei weiterhin gross, bestätigte der Coop-Chef.

Und Coop will 2018 wieder mehr in regionale Produkte investieren. So wird noch in diesem Frühling Produkte unter der Marke Mini Region Naturaplan in die Regale kommen. Markant zulegt hat im vergangenen Jahr das Label Pro Montagna. Auch dank dem Jubiläum konnte Coop ein kräftiges Plus von 40 Prozent ausweisen, der Umsatz kletterte auf 50 Millionen

Coop will mehr Schweizer Bioprodukte

Im Bereich Bio strebt Coop weiteres Wachstum an. Bis spätestens 2025 will die Detailhändlerin den Umsatz auf 2 Milliarden erhöhen. Der Anteil der Schweizer Produkte liegt bei rund 70 Prozent. Wachsen will Coop mit unter anderem mit Brotgetreide, Eier, Fleisch, Poulet, Soja, Raps und Früchten und Gemüsen. Und diese Produkte sollen vornehmlich von Schweizer Bauern produziert werden. 

«Wir stehen zur Schweizer Biolandwirtschaft. Wir haben eine Verpflichtung mit Naturaplan. Denn wir sind Pioniere und tragen Bio in unserer DNA – von der Chefetage bis in die Läden», machte Phillipp Wyss, Leiter der Direktion Marketing/Beschaffung von Coop, am Donnerstag gegenüber schweizerbauer.ch deutlich. Heute verkauft Coop rund 1 Million Naturaplan-Produkte pro Tag. Als das Label im Jahr 1993 startete, waren 4 Produkte im Regal. Ende 1993 wurde das Sortiment auf 8 Artikel ausgebaut. Heute sind es 3200 Artikel.

Die Coop-Gruppe hat auch 2017 mehr Gewinn erzielt. Unter dem Strich verdiente der Detailhandelsriese 485 Millionen Franken; das sind 10 Millionen Franken respektive 2,1 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr. Besonders gefragt waren Bio und Nachhaltiges. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 5,7 Prozent auf 806 Millionen Franken, wie Coop am Donnerstag bekannt gab. Zum Ergebniszuwachs hätten sowohl der Detailhandel als auch der Geschäftsbereich Grosshandel und Produktion beigetragen. Der Gruppenumsatz stieg um 3 Prozent auf 29,2 Milliarden Franken, wie die Gruppe schon Anfang Januar mitgeteilt hatte. Mit dem Zuwachs baute Coop auf Konzernebene den Vorsprung auf die 2016 erstmals übertrumpfte Konkurrentin Migros aus. sda

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