Samstag, 4. Februar 2023
23.08.2013 18:16
Schweine

Die begehrten Alpschweine

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Von: Michael Wahl, lid

Mit dem zu Ende gehenden Alpsommer kehren nicht nur Kühe und Rinder wieder ins Tal zurück, sondern auch die gesömmerten Schweine. Deren Fleisch ist begehrt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot.

Es herrscht Postkartenwetter auf der ob Mels SG gelegenen Alp Tamons. Der Weg auf das Obersäss führt steil bergan, vorbei an Rindern und Kühen, saftig-grünen Weiden, Tannen und einigen Wanderern. Oben auf 1’900 Meter über Meer angekommen, lädt ein beeindruckendes Berg-Panorama – bestehend aus Churfirsten, Bündner, Glarner, St. Galler, Liechtensteinischen und Österreichischen Alpen – zum Staunen ein.

Zumindest den Schreibenden. Die prächtige Aussicht weniger geniessen kann hingegen das fünfköpfige Team der Alp Tamons. Dieses muss sich um 1’000 Hektaren kümmern, um 88 Milchkühe und um über 300 Rinder. Aus den rund 80’000 kg Milch, welche die Kühe von Juni bis September geben, werden acht Tonnen Tamonser Alpkäse hergestellt.

Alpschweine – die idealen Molkeverwerter

Als Nebenprodukt der Käseherstellung fällt Molke an – rund 90 Liter pro 100 kg Alpmilch. 1’000 Liter Molke sind es auf der Alp Tamons täglich. Diese enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe, ist fett- und kalorienarm. Nur: Als Lebensmittel wird die Molke nicht gebraucht. Auf einigen Alpen wird sie deshalb kompostiert oder landet in der Gülle. „Das geht mir gegen den Strich“, erklärt Andreas Peter, Alpvogt der Alp Tamons.

Um die Molke zu verwerten, werden auf der Alp Tamons seit Jahren Schweine gehalten. Nur: Das war bislang wenig lukrativ. „Wir haben jeweils eine schwarze Null geschrieben“, so Peter. Denn die Schweine wurden im gleichen Kanal vermarktet wie diejenigen Tiere, die den Sommer im Tal verbracht haben – dies bei höheren Kosten auf der Alp. Seit drei Jahren nun sieht die Rechnung besser aus. Grund: Das Fleisch der Tamonser Schweine kommt unter dem Label „Alpschweine“ in die Läden

Ein Label für Schweine von der Alp

Dieses wurde anfangs der 1990er Jahre von der Nutztierhandelsfirma Linus Silvestri AG aus Lüchingen SG lanciert. Mittlerweile werden auf 40 Alpen in der Ost- und Zentralschweiz, im Kanton Bern sowie im Fürstentum Liechtenstein „Alpschweine“ gehalten. Bauern, die bei diesem Programm mitmachen, erhalten 1.10 bis 1.30 Franken mehr pro Kilo Schlachtgewicht. Dafür müssen sie strenge Vorschriften erfüllen. So muss beispielsweise jedem Alpschwein mindestens 40 Quadratmeter Auslauf auf dem Naturboden gewährt werden. Zudem dürfen Bauern pro Kuh nicht mehr als ein Schwein halten.

Verkauft wird das „Alpschweine“-Fleisch in den Filialen von Coop, der Migros Ostschweiz, Spar (Gossau), CCA Angehrn sowie in den Metzgereien Jenzer (Arlesheim BL), Kauffmann AG (Rickenbach SO), Künzli (Stallikon ZH) und Betschart (Schmerikon SG). Die Alpschweine finden Anklang bei den Konsumenten: „Wir können die Nachfrage nicht decken“, erklärt Jakob Spring von der Linus Silvestri AG. Spring ist ständig auf der Suche nach neuen Alpen mit Schweinen.

Kräftiges und aromatisches Fleisch

Dass Koteletten, Filet oder Geschnetzeltes von Alpschweinen bei den Konsumenten ankommen, verwundert Hermann Blaser, Leiter Fleischbeschaffung der Migros Ostschweiz, nicht. „Alpschweinefleisch ist ein hervorragendes und mit vielen positiven Eigenschaften besetztes Produkt.“ Alpschweine hätten auf der Alp viel Auslauf und deren Fleisch sei aromatischer und kräftiger als dasjenige von Tieren aus herkömmlicher Produktion, schwärmt Blaser.

Die 44 Schweine der Alp Tamons geniessen derzeit das sonnige Wetter. Sie suhlen sich in der Erde, tollen umher, knabbern am Gras. Am 22. Juni wurden die damals rund 65 Kilo schweren Tiere auf die St. Galler Alp gebracht. Mit einem Lebendgewicht von ca. 110 Kilo werden die ersten Schweine Ende August ins Tal gebracht. Und verarbeitet – zu Koteletten, Filet, Geschnetzeltem, Plätzli oder Braten.

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