19.08.2015 13:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Schweine
«Die Mengenplanung auf dem IPS-Schweinemarkt funktioniert»
In den letzten Wochen wurden Vorwürfe laut, der Überhang an IP-Suisse-Schweinen habe zu den Preisabschlägen bei den QM-Schweinen geführt. Fritz Rothen, Geschäftsführer der IP-Suisse, nimmt Stellung dazu.

«Schweizer Bauer»: Wie beurteilen Sie die momentane Lage auf dem IP-Suisse-Schweinemarkt?
Fritz Rothen: Nachdem die Schlachtzahlen drei Wochen lang tief waren, werden ab dieser Woche wieder mehr IP-Suisse-Schweine geschlachtet. Gemäss unserer Mengenplanung und steigender Nachfrage sollte in den nächsten Wochen auch das aktuell kleine Überangebot abgebaut werden. Momentan ist der Anteil der übergewichtigen Tiere gering.

Wie funktioniert die Mengenplanung auf dem IPS-Schweinemarkt?
Die Schweinemäster sind verpflichtet, die Zugänge der Jager auf der Tierverkehrsdatenbank (TVD) zu melden. Gleichzeitig müssen die IPS-Mäster eine Labelmeldung im Internet oder neu auch per App machen. Geschlossene Betriebe müssen diese Labelmeldung ebenfalls vornehmen. Auf Grund dieser Meldungen wissen wir, wie viele IP-Suisse-Schlachttiere dreieinhalb Monate später zur Schlachtbank geführt werden.

Funktioniert die Mengenplanung gut?
Ja, die funktioniert dank der lückenlosen Einstallungsmeldungen der Produzenten gut. Leider wird auch der Labelmarkt wie der übrige Markt von verschiedenen Faktoren beeinflusst. So beschäftigen etwa die saisonal unterschiedliche Nachfrage und der Zuchtfortschritt auch die IP-Suisse-Produktion. Seit Mitte 2014 haben wir deshalb Zuchtplätze konsequent abgebaut und die Ferkelproduktion um mehr als 10'000 Stück reduziert, was leider auch die die Prämien um eine viertel Million Franken verringert. 

Wie viele IPS-Schweine werden jährlich produziert?
Im vergangenen Kalenderjahr wurden rund 530'000 IPS-Mastschweine geschlachtet.

Mit welchen Abnehmern von IPS-Schweinen findet die Mengenplanung statt?
Aktuell mit den beiden grössten Abnehmern, der Micarna (Migros Genossenschaftsbund) und der Ernst Sutter AG.

Was sagen Sie zum Vorwurf, dass das Überangebot an IPS-Schweinen zum Preisabschlag bei den QM-Schweinen geführt hat?
Für die IP-Suisse ist dieser Vorwurf nicht erklärbar. In der Schweiz werden aktuell pro Jahr rund 2,7 Millionen Mastschweine produziert, davon rund 530'000 IPS-Labeltiere mit einer zusätzlichen Prämie.

Werden momentan IPS-Schweine im QM-Kanal geschlachtet?
Aktuell haben wir keine Informationen von Verarbeitern, Handel und Produzenten, dass grössere Mengen IPS-Mastschweine in den QM-Kanal fliessen. Im ersten Halbjahr 2015 wurden gemäss TVD 257'777 IPS-Schweine geschlachtet. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 1300 Tieren. Nicht so bei unserem Hauptabnehmer. Dank grossem Engagement hat er im ersten Halbjahr 2015 die Schlachtungen gegenüber dem Vorjahr um rund 3500 IPS-Schweine gesteigert.

Wie werden IPS-Schweine abgerechnet, die in den QM-Kanal fliessen?
Die von der IP-Suisse ausgehandelten und festgelegten Prämien sowohl bei den Zucht- wie auch bei den Mastschweinen sind einzig für die Produzenten bestimmt. Die Prämien sind auf den Abrechnungen aufzuführen, um Transparenz zu schaffen. Einzelne Teilnehmer des Handels sind von dieser Abmachung abgewichen und bezahlen die aktuellen Prämien nicht mehr restlos an ihre Kunden aus. Das zurückbehaltene Geld wird zur Überbrückung von saisonalen Marktschwankungen verwendet. Dieses Vorgehen ist weder transparent, noch hilft es bei der Abstimmung der Ferkelproduktion auf die vom einzelnen Händler verfügbaren Mastplätze in der Labelproduktion.

Welchen Beitrag «erhält» die IP-Suisse jährlich von den IPS-Schweineproduzenten, und wofür wird dieser verwendet?
Die IP-Suisse finanziert sich einerseits durch den Mitgliederbeitrag von 50 Fr. pro Jahr, welcher an der Delegiertenversammlung beschlossen wurde. Zusätzlich werden Abgaben über die Labelprodukte erhoben. Aktuell bei den Schweinen 0.18 Fr. pro Labelohrmarke (Ferkelbeitrag) und 0.90 Fr. pro geschlachtetes Mastschwein. Die IP-Suisse ist als Verein organisiert. Dabei müssen die Geschäftsstelle und die Tätigkeiten wie Werbung, Marketing und Dienstleistungen, vorab an die Produzenten, finanziert werden. Details sind im Jahresbericht, der unter www.ipsuisse.ch (Jahresbericht) heruntergeladen werden kann, ersichtlich.

Welche Konsequenzen zieht die IP-Suisse aus der aktuellen Situation?
Wir werden weiter an der Optimierung arbeiten. Wir sind daran, neue Abnehmer zu gewinnen und mit dem Handel den Ablauf zu verbessern. Intern haben wir seit einem Jahr einen Aufnahmestopp im Bereich der Zucht. So hat IP-Suisse in der Periode vom 1. Januar bis zum 30. Juli 2015 rund 750 Zuchtschweineplätze abgebaut, dies entspricht einer Reduktion von rund 17'000 Schweinen, aber leider auch einem Abbau von über 250'000 Franken Labelprämie.

Wie ist die Sitzung mit Branchenvertretern zum Thema IPS-Schweinemarkt am Donnerstag verlaufen?
Wir haben gute Gespräche geführt und Ansätze zur weiteren Optimierung des Systems beschlossen.

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