27.08.2013 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Detailhandel
Die Migros schwingt überall vorne mit
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) ist das Schweizer Fest des Jahres. Der grösste Schweizer Detailhändler Migros ist ein Hauptsponsor. Das ist kein Zufall. Der orange Riese schwingt überall vorne mit.

Die Migros als grösste Abnehmerin der Schweizer Landwirtschaft ist eine von sechs Königspartnern am Esaf, das am nächsten Wochenende in Burgdorf BE über die Bühne geht. Laut «Handelszeitung» wendet sie dafür zwischen 1 und 2 Mio. Fr. auf. Sie liefert fast alle Lebensmittel, mit denen sich die Hunderttausende  Gäste verpflegen werden. 

Mit ihren Marken Crème d’or (Glacé), Heidi (Bergprodukte), Aproz (Mineralwasser) und Optigal (Geflügelfleisch) ist die Migros zudem vierfache Kranzpartnerin. Die Migros-Tochter Micarna stellt eines der sechs «Verbandszelte». 

M-Schwingerkönige

Gleichzeitig ist die Migros Hauptsponsorin des noch amtierenden Schwingerkönigs Kilian Wenger. Nach wie vor ist sie auch Hauptsponsorin von dessen Vorgänger, dem dreifachen Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Das Sponsoring-Engagement der Migros für den Schwingsport geht aber noch weiter. Sie unterstützt auch die Bergschwingfeste Schwarzsee, Rigi, Weissenstein und Schwägalp sowie diverse regionale Schwingfeste und fördert den Schwinger-Nachwuchs.

So hat sie versprochen, bis 2015 rund 5000 Kindern den Zugang zum Schwingsport zu ermöglichen. Sie organisiert Schnuppertage für Buben und Mädchen und war Hauptsponsorin des Jungschwinger Königscamps. Damit nimmt die Migros im Schwingsport mittlerweile  eine sehr wichtige Rolle ein. In anderen Bereichen unserer Gesellschaft und Wirtschaft tut sie dies längst.

Sponsoring-Millionen

Im Rahmen ihres enormen Sponsoring-Budgets (Zahlen nennt die Migros dazu keine) unterstützt sie beispielsweise den Schweizerischen Alpen-Club (SAC), zahlreiche Laufveranstaltungen, die grössten Open-Air-Festivals oder das Jugendskilager (Juskila). Dabei engagiert sie sich immer auf der obersten Sponsoringstufe, als Hauptsponsorin. 

Im Rahmen ihres Kulturprozents gab die Migros im Jahr 2012 125 Mio Fr. aus. Mehr als die Hälfte davon ging in die Migros-Klubschulen, wo an 50 Standorten im letzten Jahr fast 400'000 Personen einen Kurs besucht haben. Mit dem grossen Rest engagierte sie sich für klassische Musik, Tanz, Jazz und Gegenwartskunst.

Grösster Detailhändler

Als grösste Detailhändlerin der Schweiz setzte die Migros 2012 21,333 Mrd. Fr. um. Mit der Übernahme von Denner im Jahr 2007 ist ihre Position noch stärker geworden. Ihr Verkaufsnetz in der ganzen Schweiz belief sich Ende letzten Jahres auf 631 Standorte. Allein mit der Verkaufsfläche von 1'344'738 m2 (134Hektaren) ist die Migros eine bedeutende Playerin im Immobilienmarkt, hinzu kommen eigene Einkaufszentren wie das Shoppyland in Schönbühl BE und Renditeliegenschaften.

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Migros ohnehin die Nummer 1: Mit 87'461 Mitarbeitern (64'002 Vollzeitstellen) ist sie die grösste private Arbeitgeberin der Schweiz. Ende 2012 waren auch 3'358 Lernende bei ihr tätig.

Marktmacht im Einkauf

Im Lebensmittelbereich hat die Migros enormen Einfluss, weil sie über so viele Verkaufspunkte verfügt. Der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) und die zehn regionalen Genossenschaften entscheiden, welche Produkte ins Regal kommen und wie viele davon die Labels Bio, TerraSuisse oder «Aus der Region. Für die Region» tragen. Bei Bio und TerraSuisse sind so auch die jeweiligen Produzentenverbände Bio Suisse und IP-Suisse auf ein gutes Einvernehmen mit der Migros angewiesen.

Aber der «orange Riese» ist auch ein grosser Verarbeiter von Rohstoffen. Die M-Industrie umfasst 18 Unternehmen und setzte 2012  rund 5,4 Mrd. Fr. um. Mit der Micarna verfügt sie über einen eigenen Fleischverarbeiter, mit der Elsa über eine eigene Molkerei, mit der Jowa über eine eigene Bäckerei. Nicht nur im Fleischbereich hat sie dank ihrer Marktmacht erheblichen Einfluss auf die Preise. Beim Käse hat sie jüngst ihre Position mit der Übernahme der Bergsenn AG in Savognin GR und der Pacht der Sennaria Surselva in Disentis GR noch gestärkt.

Vernetzt in der Politik

Nicht zu unterschätzen ist auch ihr Einfluss auf der politischen Ebene. Zwar hat der «Landesring der Unabhängigen» (LdU), die von Gottlieb Duttweiler in den 1930er-Jahren gegründete Partei, 1999 seine Aktivitäten eingestellt. Aber mit Weinunternehmer und Nationalrat Jean-René Germanier (FDP, VS), der in der Migros-Verwaltung sitzt, hat der MGB einen direkten Draht in die wichtige Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK).

Und mit Martin Schläpfer, dem Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik, ist im Bundeshaus ein bestens vernetzter Kenner der politischen Abläufe für die Migros unterwegs.

Grosses Werbebudget

Neben dem Sponsoring fliesst von den rund 230 Mio Fr. Werbebudget im Jahr viel Geld den Medien zu. Die TV-Werbespots zur besten Sendezeit, die ganzseitigen Inserate mit den Aktionsangeboten in den Zeitungen, die grossflächige Präsenz auf Onlineportalen sind für jene kommerziell wichtig. Das sorgt in den Chefetagen der Medien für grossmehrheitliches Wohlwollen.

Nicht zu vergessen ist auch die kostenlose Genossenschafter-Zeitung, das «Migros-Magazin», mit einer Auflage von 1'566'546 Exemplaren und 2'384'000 Lesern. Diese Woche war Schwingerkönig Wenger auf der Titelseite, dem Esaf waren zehn Seiten gewidmet.

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