14.05.2020 12:34
Quelle: schweizerbauer.ch - rup
Schlachtviehmarkt
«Diebstahl an den Landwirten»
Acht Wochen waren die Schlachtviehmärkte wegen des Lockdowns geschlossen. Am Montag fand der erste wieder statt.

Das vom Branchenverband Proviande ausgearbeitete Corona-Schutzkonzept war in Tavannes BE zum ersten Mal auf dem Prüfstand. Strikt wurden ausserhalb des Auffuhrbereichs jegliche Besucher und unbeteiligte Personen aufgehalten. Diese hatten Zutrittsverbot. 

Organisatoren zufrieden

Peter Brönnimann, Verantwortlicher Schlachtviehmärkte beim Berner Bauernverband, zeigte sich mit dem Ablauf zufrieden: «Die Landwirte und Händler haben sich grösstenteils an das Schutzkonzept gehalten.» Der Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Personen sei gut respektiert worden. Nicht ganz einfach sei die Umsetzung beim Anschreiben der Tiere oder bei der Taxierung gewesen, wobei auch hier Lösungen gefunden worden seien.

«Ein Wasserschlauch mit beiliegender Seife wurde zur Handwaschgelegenheit umfunktioniert», so Brönnimann. Zudem sei Desinfektionsmittel aufgestellt worden. Auch bei der Papierübergabe seien besondere Massnahmen getroffen worden: «Die Übergabe der Abrechnung erfolgte auf Platz, wobei das Personal des Marktbüros Plexiglasgesichtsschütze trug.» Jeder Käufer hatte seinen markierten Platz, den er nicht verlassen durfte. Vorgängig wurden die Marktteilnehmer über die Anmeldestelle, die Webseite des Berner Bauernverbandes oder spätestens bei der Auffuhr über das Schutzkonzept informiert. 

Nachfrage sehr gut

Ebenfalls positiv äusserte sich Brönnimann über den Markt: «Bei 88 angemeldeten Tieren konnten schlussendlich inklusive Nach- und Abmeldungen 89 Tiere abgerechnet werden.» Die Nachfrage nach Kühen sei so gross gewesen, dass bei gut 21 Prozent der Kühe die Schatzung überboten worden sei. Viehhändler Pierre Oppliger aus Sonceboz BE hatte bisher nichts Vergleichbares erlebt: «Noch nie habe ich in meinem Leben einen Schlachtviehmarkt gesehen, bei dem so viel überboten worden ist! Magere Kühe waren oft einen Franken über der Schatzung.»

Tatsächlich konnten sich die Verkäufer dank dem Überbieten fast 500 Franken pro Kuh dazuverdienen. Der Durchschnittspreis für Kühe lag bei 4.41 Fr./kg Lebendgewicht (LG), obwohl die Schatzung bei 3.63 Fr./kg LG lag. Gemäss Oppliger spielte der Markt in der Phase ohne Schlachtviehmärkte verrückt, die Abnehmer spielten mit den Landwirten. Im Februar habe Proviande zu viele Fleischimporte freigegeben, was den Preis in die Tiefe gezwungen habe. «Anfang April wurden die Kühe dann mit 7.40 Fr./kg Schlachtgewicht (SG) gekauft», ärgert sich Oppliger, «das Fleisch wurde eingefroren, um es jetzt bei steigendem Preis auf den Markt zu bringen. Das ist Diebstahl an den Landwirten!» 

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