25.07.2019 07:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Detailhandel
«Discounter für Biobauern positiv»
Bio Suisse hat vor wenigen Wochen die neue Politik zur Verteilung der Knospe vorgestellt. Sie gefällt nicht allen.

Insbesondere stören als Betroffenen der neuen Politik Aldi Suisse die schon wieder geänderten Anforderungen, die zudem viel zu hoch seien.

Exklusivität nicht im Sinn der Bio-Suisse-Gründerväter

Der «Schweizer Bauer» hat diverse wichtige Exponenten zu diesem Thema befragt, unter anderem den Bio-Landwirt Markus Ritter und die Kleinbauernvereinigung. Praktisch niemand wollte dazu Stellung nehmen. Auf die Kernfrage, ob Aldi und Lidl die Knospe auf den Eigenmarken verwenden dürften, antwortete nur Daniel Bärtschi, ehemaliger Geschäftsführer von Bio Suisse.

«Ja, denn beide sind heute in der Schweiz wichtige Marktpartner und fair gegenüber der Landwirtschaft. Sie unterstützen bereits die Bioforschung. Unter folgenden Bedingungen sollen sie die Knospe uneingeschränkt nutzen können: mehr als 200 Bioartikel im Sortiment und davon ein Anteil von mindestens 80% mit Knospe. Ich bin überzeugt, dass dies für die Biobauern längerfristig positiv sein wird. Dass Coop dagegen wäre, ist klar. Eine Exklusivität für die Knospe im Handel ist aber nicht im Sinn der Bio-Suisse-Gründerväter», erklärt Daniel Bärtschi.

Aldi enttäuscht

Der Vorstand von Bio Suisse hat eine neue Politik zur Vergabe der Marke «Knospe» beschlossen. Mit einem 3-Stufen-System soll nun klar geregelt werden, welche Anforderungen erfüllt werden müssen.

Wer bestimmte Kriterien erfüllt, darf:

Stufe 1: In eigenen Medien kommunizieren, dass sämtliche Bio-Rohprodukte aus der Schweiz von Bio-Suisse-Betrieben stammen.
Stufe 2: Logo Bio Suisse auf Eigenmarken verwenden.
Stufe 3 (höchste Stufe): Auf Eigenmarken und in der Kommunikation die Knospe verwenden. 

Aldi Suisse bemüht sich seit Jahren um die Knospe auf den Bio-Eigenprodukten. «Für uns ist die neue Distributionspolitik überraschend und enttäuschend», erklärte Phillipe Vetterli von der Aldi-Suisse-Medienstelle Anfang Juli auf Anfrage. Bereits seit mehreren Jahren arbeite man zusammen an einem verbindlichen Richtplan, und von Seiten Aldis habe man bisher alle gestellten Anforderungen erfüllen können. 

Machtwort von Coop

Für die dritte und höchste Stufe könne sich kein Discounter qualifizieren, so der Aldi-Sprecher. Dazu müsste Aldi in seinem Standardsortiment eine definierte Anzahl Bio-Produkte haben, was in diesem Fall rund die Hälfte des Sortiments ausmachen würde. Für den Discounter ist diese Forderung illusorisch.

Der langjährige Partner Coop verweist bei der Anfrage, wie sich nun Coop in diesem Stufensystem einordne, auf Bio Suisse. Coop dürfte in dieser Sache ein Machtwort gesprochen haben, denn laut Insidern habe sich Coop an den zuvor tiefen Anforderungen an die Discounter gestört.

Auf die Frage von «Schweizer Bauer», ob Coop verägert wäre, wenn auch die Discounter Aldi und Lidl die Knospe verwenden dürfen, sagte Coop-Vizechef Philipp Wyss Ende Februar: «Ich unterstütze jede Initiative, die den Biomarkt weiterbringt. Klar ist aber auch, dass es Druck auf die Produzentenpreise geben wird.»

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