3.08.2018 11:06
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Trockenheit
Dürre: Bauern lassen Kühe metzgen
Die Dürre und die damit verbundene Futterknappheit verschärft sich dramatisch. Immer mehr Tiere werden geschlachtet. Der Zukauf von Futter ist oft zu teuer. Ein Blick in verschiedene Regionen zeigt eine beunruhigende Situation.

Die Trockenheit führt dazu, dass immer wie mehr Bauern vorzeitig Kühe ins Schlachthaus schicken. Betroffen sind Bauern aus der gesamten Deutschschweiz, wie ein Überblick zeigt:

Massiver Preissturz beim Fleisch befürchtet

Landwirt Robert Hess aus dem Zürcher Oberland gehört zu den Betroffenen. Er hat bereits 25 Kühe zum Metzger geführt. «Man muss jetzt schlachten und nur die Tiere behalten, die man wirklich will», sagt Hess zu «TeleZüri». Nur ein grosser Bestand nütze nichts, es gehe darum, die qualitativ guten Tiere über die Runden zu bringen.

«Auf den Weiden haben wir gar kein Futter mehr. Wir können nicht mehr weiden und auch nicht grasen», macht der Zürcher Landwirt deutlich. Weil er einen Preissturz von 2 Franken pro Kilo Schlachtgewicht erwartet, lässt er nun schlachten. «Jetzt haben wir noch relativ hohe Preise. Doch der Preisdruck habe bereits begonnen», fährt er fort. Der Richtpreis für Kuhfleisch ist am Freitag bereits um 30 Rappen gefallen.

30 Prozent mehr Kühe geschlachtet

Ein grosses Kuhangebot bestätigt auch ein Händler gegenüber dem TV-Sender. Er könne gar nicht mehr sämtliche Transporte zu den Schlachthöfen durchführen. Es seien zu viele Tiere. Um das grosse Angebot an Schlachtkühen abzubauen, herrscht im Schlachthaus Hinwil Hochbetrieb. Man metzge über 30 Prozent mehr Kühe als sonst in dieser Jahreszeit, lässt das Unternehmen mitteilen. Aktuell werden 400 Tiere geschlachtet, normalerweise wären es 250 bis 300.

Landwirt Hess macht sich grosse Sorgen. Bleibe es zwei weitere Wochen trocken, komme es zu Notschlachtungen. Wie hoch diese ausfallen werde, hänge von den Futtervorräten ab. In den vergangenen 50 Jahren habe er noch nie eine solche Situation erlebt.

Ein Drittel des Bestandes schlachten

Auch im Kanton St. Gallen macht die Trockenheit und der damit verbundene Futtermangel den Bauern zu schaffen. Landwirt Paul Wehrli aus Züberwangen SG muss seinen Kühen den Mais, der eigentlich für den Winter gedacht ist, verfüttern. Denn auf den Weiden wächst kein Gras mehr. «Es ist nervenaufreibend und man wartet auf Regen. Die Natur leidet wie verrückt und es ist natürlich auch gefährlich für die Umwelt», sagt Wehrli zu «Tele Ostschweiz».

Weil er die Wintervorräte für seine 60 Tiere in Bälde aufgebraucht hat, geht er davon aus, dass er einen Drittel seines Kuhbestandes schlachten muss. In einem ersten Schritt will er sich von den älteren Tieren trennen. Den Zukauf von Futter ist für ihn keine Option, da die Preise zu hoch sind.

Auch der St. Galler Bauernverband malt ein düsteres Bild. «Wenn es so weiter geht werden wir sehr viele Tiere haben, die auf die Schlachtbank geführt werden müssen. Das bedeutet wiederum ein Überangebot von Fleisch auf dem Markt», sagt Geschäftsführer Andreas Widmer zu «TeleOstschweiz». Für den Bauern bedeutet das tiefere Erlöse, da die Preise fallen werden.

Kühe kehren mit leeren Mägen zurück

Ebenfalls im Kanton Aargau macht die Dürre den Bauern grosse Sorgen. «Es sieht nicht gut aus. Die Landwirte werden immer nervöser», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands, zur «Aargauer Zeitung». Die Tiere werden über Nacht auf die Weide getrieben. Weil aber kein Gras vorhanden ist, kehren sie mit leeren Mägen zurück in den Stall. Bucher rechnet mit Ertragsausfällen zwischen 20 bis 30 Prozent. Es fehlen zwei von jährlich fünf Schnitten auf den Wiesen. Diesen Sommer habe es weniger geregnet als im Hitzesommer 2003, so Bucher nachdenklich.

Um dem Futtermangel zu entgegnen, hat Bucher er bereits ein Tier von seiner Herde schlachten lassen. Seine noch 27 Tiere umfassende Herde dürfte sich weiter verkleinern. Denn er hat keine Futtervorräte mehr. Der Zukauf von Futter ist eine teure Angelegenheit. Entscheidet er sich für zusätzliches Tierfutter, kostet ihn das mit 27 Kühen pro Tag 200 Franken.

Bucher rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Situation. Viele Bauern müssten bereits die Wintervorräte verfüttern. Dies führe im Winter zu Engpässen. Die Folge seien steigende Futterpreise. Bucher schätzt die Schäden für die Aargauer Landwirtschaft im mehrstelligen Millionenbereich.

Auch im Ausland ist Futter knapp

Im Kanton Basel-Land verschärft sich die Situation ebenfalls. In Frühling und Frühsommer gab es zwei gute Schnitte. «Doch jetzt wird es kritisch, da kaum noch Grünfutter wächst. Deshalb beginnen etliche Bauern, Winterreserven zu verfüttern», erklärt Andreas Haas, Landwirt und Präsident des Bauernverbands beider Basel, gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung».

Die Situation sei regional sehr unterschiedlich, so Haas. Doch wenn es in den kommenden zwei Wochen nicht regne, verschärfe sich die Situation markant. Er geht davon, dass mehr Kühe geschlachtet werden. Dies wirkt sich negativ auf den Fleischpreis aus. Eine Option ist der Zukauf von Futter aus dem Ausland. Im Vordergrund stehe dabei wie schon in früheren Jahren der Import von Mais und getrockneter Luzerne aus Frankreich. Allerdings zeichne sich in Europa eine generelle Futterknappheit ab, hält Haas fest.

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