20.01.2016 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
IP-Suisse
«Eine Riesenchance für die Landwirtschaft»
IP-Suisse übernimmt rückwirkend auf den 1. Januar 2016 die Viehhandelsfirmen der Schneider-Gruppe. Für IP-Suisse-Präsident Andreas Stalder hilft die Übernahme, die Eigenständigkeit der Schweizer Landwirtschaft zu stärken. Was halten Sie von der Übernahme? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

«Schweizer Bauer»: Warum übernimmt die IP-Suisse drei Firmen aus der Schneider-Gruppe – Schneider Vieh und Fleisch AG, ASF Sursee und IPS-Kuvag?
Andreas Stalder: Die Nachfahren des verstorbenen Gründers Walter Schneider haben sich entschlossen, das Geschäft mit dem Schlachtviehhandel nicht weiterzuführen. Das weckte unser Interesse. Denn für die Landwirtschaft ist dies eine Riesenchance, näher an die Verwerterkreise heranzukommen – umso mehr als sich die Verwertung zunehmend auf ein paar wenige Player konzentriert und die Zahl der Viehhändler stark gesunken ist.

Welche Ziele verfolgt IP-Suisse mit dem Kauf?
Wir wollen mit dem Kauf die Schweizer Landwirtschaft stärken, es soll mehr Geld in Bauernhand bleiben. Und dabei geht es nicht ausschliesslich um die Label-Produktion. Die drei Firmen handeln ja gesamthaft mehr QM-Tiere als Label-Tiere.

Was haben die Bauern davon?
Mit der IP-Suisse vertritt eine Bauernorganisation, die ihnen sehr nahesteht, ihre Interessen und hilft, marktkonforme Preise durchzusetzen, Preisforderungen zu stellen und die Produktion besser zu steuern. Und wir haben Markterfahrung. Wir fördern damit eine produzierende Schweizer Landwirtschaft, die auf allen Stufen ihre Eigenständigkeit bewahrt und sich nicht vertikal integriert. Ein Direktlieferant gerät langfristig in die totale Abhängigkeit von einem einzelnen Verwerter.

Und warum kam IP-Suisse zum Zug?
Walter Schneider setzte immer auf produzierende Bauern und auf Wertschöpfung. Er war ein privater Händler. Der Glücksfall ist nun, dass die Firmen mit IP-Suisse in Bauernhand kommen.

Wer hat sich neben IP-Suisse für den Kauf der drei Firmen interessiert?
Diese Firmen wurden nicht zum Verkauf ausgeschrieben. Dank der langjährigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit ergab sich die Möglichkeit, die Firmen zu übernehmen.

Und woher hat IP-Suisse das Geld für den Kauf und die nötige Liquidität?
IP-Suisse hat gut gearbeitet und verfügt über eigene Mittel. Zum Übernahmepreis haben wir Stillschweigen vereinbart. Die nötige Liquidität ist gesichert.

Hat ein Grossverteiler oder ein Verwerter den Kauf mitfinanziert?
Nein, sicher nicht.

Mit dem Handel lässt sich Geld verdienen…
Wir sehen uns nicht als klassischen Händler, sondern als Vermittler. Beim Vermittlergeschäft ergeben sich rasch Umsätze in Millionenhöhe, aber die Vermittlungsentschädigung ist bescheiden in Anbetracht der anforderungsreichen Transporte (auch aus den Randgebieten) und der ständig wachsenden Vorschriftendichte im Tierhandel. Wir wollen eine effiziente Vermittlung sicherstellen, die auch mithilft, das Angebot transparent zu machen. Jemand muss dem Bauern gegenüber den Verwertern eine Stimme und ein Gesicht geben. Das wollen wir sicherstellen. Ich kann mir auch vorstellen, dass in Zukunft noch weitere Fusionen nötig sind, damit sich die Bauern gegenüber der immer kleineren Zahl von Abnehmern noch besser positionieren können.

Was macht IP-Suisse mit den Gewinnen aus diesen Firmen?
Sollten die drei Firmen in unserer Hand einen Gewinn abwerfen, sind wir froh darum und können das Geld geschickt in Marketing und eine noch bessere Positionierung für die Bauern investieren. Und am Ende verteilen wir das Geld an die Bauern, wie wir es heute schon bei der Labelproduktion machen.

Wo sehen Sie Synergien mit IP-Suisse?
Ich sehe sehr viele. Die Produzenten sind bei uns organisiert, wir haben die Geburtsmeldungen, gerade im Schweine- und Kälberbereich, wir haben die Zahlen zum Angebot. Wir sind bereits gut vernetzt. Jetzt können wir dies noch besser nutzen. Wir werden auch das Angebot noch besser steuern können – obwohl wir nie auf das einzelne Schwein genau werden produzieren können.

Wem wollen Sie die Schlachttiere verkaufen? IP-Suisse arbeitete bisher eng mit der Migros zusammen, die drei Firmen aber haben andere wichtige Kanäle.
Ja, im Labelbereich arbeiten wir eng mit der Migros zusammen. Mit den drei Firmen öffnen sich für uns weitere Absatzkanäle wie z.B. Coop-Bell, Ernst Sutter-Reber, Lucarna-Macana, Bigler Büren usw.

Bleiben die drei Firmen als eigenständige Einheiten erhalten?
Wir wollen den Bauern und den Abnehmern Sicherheit bieten. Deshalb werden wir die drei Firmen unter den heutigen Namen weiterführen. Falls es später Sinn machen sollte, sind wir offen für Veränderungen.

Welche personellen Wechsel nehmen Sie vor?
Keine. Die gesamte Mannschaft inklusive Geschäftsführer bleibt im Boot. Ich werde neu Verwaltungsratspräsident der drei Firmen, unser Geschäftsführer Fritz Rothen wird operativ die Verbindung der drei Firmen zur IP-Suisse sicherstellen. 

Handel mit über 500'000 Tieren im Jahr

Der Viehhandel der Familie Schneider, der nun von der IP-Suisse übernommen wird, umfasst heute drei Firmen. Es sind dies die Firmen Schneider Vieh und Fleisch AG, ASF Sursee AG und IPS-Kuvag AG. Alle drei Firmen haben ihren Sitz in Sursee LU und stehen unter der Geschäftsführung von Hans Peter Wolf. Zusammen handeln die drei Firmen im Jahr weit über 500'000 Tiere. Die Firmen sind schweizweit tätig und beschäftigen heute ca. 30 Mitarbeitende. Zu den einzelnen Firmen:

Schneider Vieh und Fleisch AG
Sie ist die älteste der drei Firmen und wurde von Walter Schneider gegründet. Die Firma ist Spezialistin für den Handel mit Schafen und Lämmern zur Schlachtung sowie zur Weitermast, handelt aber auch mit anderem Schlachtvieh. Im Bereich der Schafe gehört die Firma in der Schweiz zu den Marktführern.

ASF Sursee AG
Sie handelt mit folgenden Tieren:
Schweine: zur Zucht oder Mast: Aufzuchtferkel, Mastjager, Zuchtschweine; zur Schlachtung: Mastschweine, Mooren
Rindvieh: zur Zucht oder Mast: Tränker, Mastremonten, Fresser, Mastkühe; zur Schlachtung: Kühe, Bankvieh (Muni, Rinder, Ochsen) und Kälber
Bio: Zucht-, Mast- und Schlachttiere

IPS-Kuvag
Sie handelt wie die ASF Sursee Tiere aller Schlachtviehkategorien, aber ausschliesslich IPS-Label-Tiere. Seit 2012 ist die IP-Suisse mit 20% an dieser Firma beteiligt. Deshalb amtierte IP-Suisse-Präsident Andreas Stalder bereits vor der jetzigen, kompletten Übernahme als Verwaltungsratspräsident. sal

www.schneider-vieh.ch
www.asf-sursee.ch 
www.ips-kuvag.ch

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