1.07.2013 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Emmi
Emmi kauft erneut zu
Der grösste Schweizer Milchverarbeiter Emmi hat seinen Übernahmehunger noch (lange) nicht gestillt. Am Montag gab dieser den Kauf des italienischen Desserthersteller Rachelli bekannt. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Der Anteil der ausländischen Töchter am Gesamtumsatz dürfte 2013 auf 43 Prozent steigen.

Die Luzerner setzen ihre Expansionsstrategie im Ausland fort. Das erklärte Ziel ist, bis 2016 50 Prozent des Umsatzes ausserhalb der Schweiz zu generieren. Die Übernahme von Rachelli erfüllt für Emmi mehrere Zwecke.

Nischenmarkt Dessert weiter ausbauen

Diese stärkt mit dem Zukauf ihre italienische Dessertabteilung um das Unternehmen A-27, welche Emmi bereits erworben hat. Damit könne die Kompetenz in dem sich „hervorragend entwickelnden Nischenmarkt“ ausgebaut werden, heisst es im Communiqué von Montag. Emmi werde damit zum führenden europäischen Anbieter von italienischen Spezialitätendesserts.

Rachelli ist gemäss Angaben der Innerschweizer die Nummer 3 im Bereich italienischer Dessertspezialitäten. Das 1935 gegründete Unternehmen begann mit Eiscrème, seit den 1970er-Jahren stellt dieses auch gefrorene Spezialitäten wie Tiramisu Tiramisu, Panna Cotta und Profiteroles her. Rachelli setzt rund 25 Millionen Euro (rund 30 Mio. Fr.) um. Das Wachstum von Rachelli liege aber über jenem des Dessertmarktes.

Marke bleibt erhalten

Das Unternehmen beschäftigt 85 Mitarbeiter, die Produktion soll auch nach der Akquisition im Raum Mailand verbleiben und unabhängig am Markt auftreten. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Transaktion muss noch von den zuständigen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden

Mit der Übernahme kann Emmi Synergien mit Tochter A-27 nutzen. „Da zwischen den Schlüsselmärkten von Emmi, A-27 und Rachelli eine grosse Übereinstimmung besteht, können Synergien genutzt und die Distributionskraft verstärkt werden. Emmi wird mit ihren Kundenkontakten in über 60 Ländern das Wachstum von Rachelli günstig beeinflussen können“, so Emmi.

Lange Reihe von Übernahmen

Bereits Anfang Jahr kauften die Innerschweizer ein Unternehmen in einem anderen Nischenmarkt. Sie erwarben eine 70 Prozent-Beteiligung am niederländischen Ziegen- und Schafmilchproduktehändler AVH Dairy Trade BV. Damit wollen die Luzerner ihre Position in diesem Nischenmarkt stärken.

Im Sommer 2012 hatte Emmi Beteiligungen an europäischen Molkereiunternehmen erhöht. Anfang August wurde jene am italienischen Frischkäse- und Mozarellaproduzenten Venchiaredo von 10 auf 26 Prozent aufgestockt. Eingestiegen war Emmi im Jahre 2010.

Anfang Juli 2012 wurden die Beteiligungen an Kaiku Corporación Alimentaria in San Sebastián (Spanien) und an Diprola S.A.S in Avignon (Frankreich) auf über 60 Prozent erhöht. Kaiku (Umsatz 2011: 278 Mio. Euro) ist gemäss Emmi mit regionalen Marken im Norden Spaniens sowie mit laktosefreier Milch und kalten Kaffeegetränken im Markt vertreten und erwirtschaftet die Hälfte des Umsatzes im Ausland. Der Luzerner Milchverarbeiter ist 2005 bei Kaiku eingestiegen.

Auslandanteil steigt auf 43 Prozent

Diprola (Umsatz 2011: 80 Mio. Euro) ist stark in der Verpackung und Distribution von Käse aus Frankreich, der Schweiz und Italien engagiert. Zudem vertreibt diese Dessertprodukte der italienischen Emmi-Tochter A-27. Die Innerschweizer halten seit 2010 eine Beteiligung an Diprola. Im den Bereich Desserts und Frischkäse kaufte Emmi bereits 2006 das italienische Jogurth- und  Frischkäse-Unternehmen Trentinalatteein zu.

Im vergangenen Jahr stieg der Emmi-Umsatz um knapp 10 Prozent auf 2,98 Mrd. Franken. Der Reingewinn legte um gut 9 Prozent auf 106 Mio. Fr. zu. Auf dem Heimmarkt schrumpfte der Absatz 2012 allerdings um 3,6 Prozent, während im Ausland der Umsatz umgekehrt um über 40 Prozent gesteigert werden konnte. Ohne Akquisitionen wuchs Emmi im vergangenen Jahr im Ausland um 4,7 Prozent. Dank der neusten Akquisition rechnet Emmi, wie es auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda hiess, im laufenden Jahr mit einem Auslandsumsatz von rund 43 Prozent.

Scharfer Max und Gläserne Molkerei

Anfang April tätigte Emmi auch eine Übernahme im Inland. Die Käserei Studer, die unter anderm den Scharfen Maxx herstellt, wurde übernommen. Mit dem Kauf wollen die Luzerner nach eigenen Angaben ihre führende Position als Anbieterin von Schweizer Käse national und international weiter stärken. Emmi könne dem Unternehmen helfen, seinen Vertrieb international auszuweiten, liessen die Luzerner verlauten. Es sei eine Win-Win-Situation. Studer AG wird auch künftig weitgehend unabhängig im Markt tätig sein und nach wie vor in der Ostschweiz produzieren.

Im Oktober 2012 gab Emmi eine 24-Prozent-Beteiligung an der Gläserne Molkerei bekannt. Als Käufer trat die Tochter Biedermann auf. Sowohl die Molkerei Biedermann wie die Gläserne Molkerei sind auf Bio-Produkte spezialisiert. Mit der Beteiligung könne Emmi seine Position im wichtigen Markt Deutschland und insbesondere im dortigen stark wachsenden Bio-Markt ausbauen.

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