12.04.2018 17:28
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Emmi missbraucht Marktstellung»
Der Zürcher Bauernverband (ZBV) gelangt an die Wettbewerbskommission (Weko). Grund ist das Marktverhalten des grössten Schweizer Milchverarbeiters. Der ZBV wirft Emmi vor, ihre Marktstellung zu missbrauchen.

Der ZBV hat am Donnerstagnachmittag die Medien über eine Beanstandung im Bereich des Milchmarkts informiert. Das Schreiben an die Weko wurde der E-Mail angefügt.

Tiefere Preise für Bauern

Emmi fordere für die Monate April bis Juni 2018 von seinen Milchlieferanten einen Anteil C-Milch von 20 Prozent, unabhängig vom System des Erstmilchkäufers, heisst im Schreiben der ZBV an die Weko. «Dies bedeutet, dass jeder, der Emmi beliefern will oder muss, einen Teil seiner Milch zu einem unvorteilhaften C-Milchpreis liefern muss, obwohl er mit seinen Produzenten ein System hat, das eigentlich gar keinen C-Milchanteil zur Folge hätte», hält der Verband in seiner Beanstandung fest.

Für die Produzenten habe dieses System mit tieferen Produzentenpreisen direkte Auswirkungen. «Die betroffenen Erstmilchkäufer geben diesen C-Milchanteil in Form von tieferen B-Milchpreisen weiter an ihre Produzenten, da sie ja gegenüber diesen keinen C-Milchanteil rechtfertigen können», argumentiert der ZBV.

Emmit kehrt System um

Bei der Segmentierung basiert die Produktion von C-Milch auf Freiwilligkeit, um den beiden höher wertschöpfenden Segmente A und B eine marktkonforme, wirtschaftliche Milchproduktion zu ermöglichen. Emmi kehre nun das System um, heisst es in der Beanstandung. Dies deshalb, weil beim Erstmilchkäufer ein relativ hoher Anteil – 20% der gesamten Menge – im C-Segment abgerechnet werden muss, unabhängig von der Gesamtmenge und von der aktuellen Marktlage.

Dieses Vorgehen erachtet der ZBV für die Produzenten als sehr nachteilig bezüglich des ausbezahlten Milchpreises, vor allem im B-Segment. «Mit seinem Verhalten missbraucht Emmi seine Marktstellung, um mit dem System der Segmentierung zu günstiger Milch zu kommen», so die deutlichen Worte in der Beanstandung.

Ein Viertel der Milchmenge

Mit der Beschaffung von billiger Milch wolle Emmi seine Marge weiter verbessern, schreibt der ZBV in der E-Mail zur Beanstandung. Emmi missbrauche ihre Marktmacht und setze unangemessene Übernahmebedingungen durch. «Der ZBV kann dieses unfaire Marktverhalten so nicht akzeptieren und beanstandet das Marktgebaren der Emmi bei der Wettbewerbskommission», kritisiert der Zürcher Bauernverband.

In ihren Schweizer Produktionsbetrieben verarbeitet Emmi nach eigenen Angaben jährlich knapp 1 Million Tonnen Milch. Das entspricht rund einem Viertel der schweizerischen Milchmenge. Hinzu kommt die Milch, die Emmi in der Form von Schweizer Käse einkauft: rund 35’000 Tonnen jährlich. Die bei Emmi in der Schweiz verarbeitete Milch stammt von rund 6’500 Milchbauern. Ende 2017 zählte die Schweiz noch 20'000 Milchviehbetriebe.

Eine Stellungnahme von Emmi zu den Vorwürfen erwarten wir für Freitagmorgen

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