23.08.2016 07:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
Emmi mit Gewinnsprung
Der grösste Schweizer Milchverarbeiter erzielte in den ersten 6 Monaten dieses Jahres einen Umsatz von 1,594 Mrd. Franken. Der Reingewinn erhöhte sich um 32 Prozent auf 61 Millionen Franken. Gewachsen ist Emmi vor allem im Ausland durch Zukäufe. Im Inland läuft das Geschäft hingegen harzig.

Der Umsatz konnte Emmi im Vergleich zur Vorjahresperiode um 2 Prozent (+31 Mio. Fr.) auf 1,594 Mrd. Fr. erhöhen. Organisch, das heisst bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte, ist der Umsatz um 0,7% gesunken. Der wesentliche Grund für diese Entwicklung waren gemäss Emmi die international tiefen Milchpreise.

Ertragssteigerungen im Ausland

Die Erträge entwickeln sich nach den Vorstellungen von Emmi. Das Betriebsergebnis EBIT (vor Zinsen und Steuern) erhöhte sich um 9,5% (+8,1 Mio. Fr.) 92,5 Mio. Fr. Die EBIT-Marge stieg auf 5.8% (1. Halbjahr 2015: 5.4 %). Der Reingewinn belief sich auf 60.8 Mio. Fr. und lag um 14,6 Mio. Fr. höher als in der Vorjahresperiode. Die Reingewinnmarge stieg um 0,8% auf 3.8 %. „Die deutliche Verbesserung beim Reingewinn ist unter anderem auf die nicht wiederkehrenden negativen Effekte aus der sprunghaften Erstarkung des Schweizer Frankens im Vorjahr zurückzuführen“, schreibt Emmi am Dienstag in einem Communiqué.

„Die Halbjahresumsätze reflektieren das anspruchsvolle wirtschaftliche Umfeld und den starken Wettbewerb, der nicht zuletzt auf das hohe Milchaufkommen zurückzuführen ist. Die Gewinnentwicklung ist das Ergebnis von Ertragssteigerungen im Ausland und die konsequente Stärkung von führenden Positionen in Nischen“, lässt sich Emmi-Chef Urs Riedener in der Mitteilung zitieren.

Schweiz: Absatz von AOP-Käse harzt

Die Geschäfte von Emmi haben sich in den Divisionen unterschiedlich entwickelt. In der Schweiz stehen die Innerschweizer unter Druck. Der Umsatz reduzierte sich um 21 Millionen auf 853 Millionen Franken. Das ist ein Minus von 2,4 Prozent. Emmi führt dies auf tiefere Verkäufe im Detailhandel, den tieferen Milchpreis, den hohen Wettbewerb- und Importdruck und den Einkaufstourismus zurück. Im ersten Halbjahr 2014 setzte das Unternehmen in der Schweiz noch 900 Millionen Franken um.

Zufrieden zeigt sich Emmi im Inland mit den Umsätzen von Caffè Latte, Yoqua und Energy Milk. Auch das Spezialitätengeschäft beim Käse lief den Erwartungen entsprechend. Deutliche Einbussen verzeichnete Emmi beim AOP-Käse, beim Frischkäse sowie bei den Molkereiprodukten wie Butter und Rahm. Bei Letzteren waren Mengen- und Preisrückgänge (tieferer Milchpreis) für die Umsatzeinbussen verantwortlich. Der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz beträgt 54 Prozent (Vorjahr: 56%).

Americas: Zukäufe prägten

Gewachsen ist Emmi im ersten Halbjahr nur im Ausland. In der Division Americas (USA, Kanada, Chile, Spanien, Frankreich und Tunesien) wurden 416 Umsatzmillionen (+7,5%) generiert. Organisch, das heisst währungs- und akquisitionsbereinigt, resultierte ein Wachstum von 1,8%. Die Zukäufe des Käsegeschäfts von J.L. Freeman, die Akquisitionen von Redwood Hill und Cowgirl Creamery haben für Wachstum gesorgt.

Insgesamt hat sich Emmi aber mehr versprochen. Die tiefen US-Milchpreise und die wirtschaftliche Situation in den USA und Spanien haben das Geschäft geprägt. Zufrieden ist Emmi mit dem Absatz des lokal produzierten Ziegenkäses in den USA und dem Verkauf von Schweizer Käsespezialitäten. Das Umsatzwachstum beim in den USA hergestellten Kuhmilchkäse blieb aufgrund der tiefen Milchpreise bescheiden, die mengenmässige Entwicklung war hingegen sehr positiv. Der Umsatzanteil der Division Americas beträgt 26 % (Vorjahr: 25 %).

Europa: Übernahmen erhöhten Umsatz

In der Division Europa legte Emmi dank Übernahmen (insbesondere Ziegenkäsespezialist Bettinehoeve) um 10,2% auf 254,4 Mio. Fr. zu. Organisch resultierte eine Umsatzzunahme von 1,2%. Wachsen konnte Emmi mit Frischprodukten wie Caffe Lattè, Käse (Kaltbach) und Molkereiprodukten (Gläserne Molkerei (D)). Die Division umfasst die Länder Niederlande, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Grossbritannien, Italien und Österreich. Der Anteil der Division Europa am Konzernumsatz beträgt 16% (2015: 15%).

Die Division Global Trade beinhaltet Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in ausländischen Märkten – vor allem in Ländern (Brasilien, Arabische Halbinsel), in denen Emmi keine eigenen Gesellschaften oder Beteiligungen hat. Die Division erzielte einen Umsatz von 70.1 Mio. Fr. (-0,5 Mio. Fr.). Die Einbussen sind gemäss Emmi primär auf das Segment Käse zurückzuführen. Der Anteil von Global Trade am Konzernumsatz beträgt 4 % (Vorjahr: 4 %).

Ertragserwartungen erhöht

Emmi rechnet im Inland weiterhin mit einer anspruchsvollen Situation. Konkurrenzkampf, Importdruck und Einkaufstourismus werden gemäss dem Unternehmen anhalten. Dennoch ist Emmi zuversichtlich, in der Schweiz und in Europa die kommunizierten Ziele erreichen zu können. In der Division Americas zeichnet es sich hingegen ab, dass das angestrebte organische Wachstum von 5 bis 7 Prozent wohl zu ambitiös ist. Gründe dafür sind die tiefen Milchpreise in den USA sowie die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen in Chile und Spanien

Auf Konzernstufe hält Emmi am Umsatzziel in der Höhe des Vorjahres fest. Die Ertragserwartungen werden leicht nach oben angepasst. Neu wird mit einem Betriebsgewinn (EBIT) von 185 bis 195 Millionen Franken gerechnet (EBIT bisher 180 Millionen bis 190 Millionen Franken).

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE