28.08.2019 09:06
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Milchmarkt
Emmi spürt Preisdruck
Emmi hat im ersten Halbjahr 2019 bei knapp gehaltenen Umsatz operativ leicht weniger verdient. Das intensive Wettbewerb und der Preisdruck setzen dem Innerschweizer Milchverarbeiter weiter zu.

Für das Gesamtjahr wurde die Gewinnprognose zwar bestätigt, das Umsatzziel aber leicht nach unten angepasst. Emmi hat in der Periode von Januar bis Juni Produkte für 1,66 Milliarden Franken verkauft, was einem leichten Rückgang um 0,7 Prozent entspricht.

Dessert, Bio und Ziegenmilch

Organisch, also bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte, waren es allerdings 1,6 Prozent mehr. Das Geschäft sei mit besonderem Fokus auf Wachstumsmärkte und den Ausbau der strategischen Nischen Dessert, Bio und Ziegenmilch weiter gestärkt worden, teilte Emmi am Mittwoch mit. Das Betriebsergebnis (EBIT) sank um 1,6 Prozent auf 93,5 Millionen Franken. Deutlich rückläufig war der Reingewinn, da im Vorjahr der Verkauf einer Beteiligung das Ergebnis nach oben getrieben hatte.

Unter dem Strich fuhr der Konzern noch einen Reingewinn von 72,9 Millionen Franken ein nach 129 Millionen Franken im Vorjahr. Auf bereinigter Basis sei der Gewinn aber leicht gestiegen, erklärte Emmi. Das Resultat hat die Erwartungen von Analysten leicht verfehlt. Der AWP-Konsens für den Umsatz lag bei 1,69 Milliarden, für den EBIT bei 97,4 Millionen und für den Reingewinn bei 78,2 Millionen Franken.

Preisdruck in der Schweiz

Der Umsatz der Division Schweiz ging um 2,4% auf 810.5 Mio. Fr. zurück, die ist jedoch auf den Verkauf von Emmi Frisch-Service AG sowie eines Teils des Handelswarengeschäfts zurückzuführen. Bereinigt resultierte ein organisches Wachstum von 0.5 %. Der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz beträgt noch 48.7 %.

Das organische Wachstum der Division Schweiz ist in erster Linie auf die Molkereiprodukte zurückzuführen. Der Verkauf von Milch und Rahm konnten trotz weiterhin markantem Preisdruck die rückläufigen Butterumsätze überkompensieren, schreibt Emmi. Beim Käse verzeichnete Emmi einen Umsatzrückgang. Dies ist auf den Rückgang beim Sortenkäse, die gestiegenen Importe und den Preisdruck zurückzuführen.

Bei den Frischprodukten entstand der Umsatzrückgang durch Einbussen bei den Eigenmarken des Handels (Jogurts und Glaces). Markenprodukte wie Emmi Caffè Latte und Energy Milk legten deutlich zu.  

Americas: Schweizer Käse läuft gut

Im ersten Halbjahr 2019 stieg Der Umsatz der Division Americas stieg im 3,2% auf 518.4 Mio. Fr. Die positive Entwicklung führt Emmi auf die Wachstumsmärkte Chile, Mexico und Tunesien zurückzuführen. Der Anteil der Division Americas am Konzernumsatz beträgt 31.2%.

Gut liefen die Geschäfte insbesondere mit Käse, Emmi Roth mit Schweizer Käse, Ziegenkäse sowie lokalen Käse. Bei den Molkereiprodukten resultierte ein organisches Wachstum von 5.2%, was vor allem eine Folge der guten Umsatzentwicklung in Tunesien (Milch, Butter) und Chile (Milch, Rahm) ist. Der Umsatz bei den Frischprodukten wuchs organisch um 3.4%. Die Division Americas umfasst die Märkte USA, Kanada, Mexiko, Chile, Tunesien, Spanien (ohne Lácteos Caprinos) und Frankreich.

Europa: Gläserne Molkerei mit Problemen

Die Division Europa erzielte im ersten Halbjahr 2019 einen Umsatz von 279.9 Mio. Fr. gegenüber 287.6 Mio. Fr. in der Vorjahresperiode. Negative Währungseffekte belasteten das Ergebnis, die Prognose wurde nicht erreicht. Diese Entwicklung erklärt Emmi mit deutlich tieferen Umsätzen mit Molkereiprodukten bei der Gläsernen Molkerei in Deutschland. Emmi macht eine Kombination von tieferen verarbeiteten Milchmengen und ein allgemein tieferes Preisniveau bei der Bio-Milch dafür verantwortlich.

Gut gelaufen sind die Geschäfte mit Caffè Latte und den italienischen Dessertspezialitäten. Der Bereich Käse verlor organisch 1.6 % an Umsatz. Hauptgrund für die negative Abweichung waren rückläufige Exporte von Emmentaler AOP aus der Schweiz nach Italien. Erfolg hat Emmi mit Spezialitäten wie der Eigenmarke Kaltbach. Das hohe organische Wachstum im Bereich Pulver/Konzentrate von 42.4% ist auf höhere Umsätze mit Ziegenmilchpulver beim Handelsunternehmen AVH dairy und mit der eigenen Produktion (Goat Milk Powder) in den Niederlanden zurückzuführen

Die Division Europa umfasst die Märkte Italien, Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Grossbritannien und Lácteos Caprinos in Spanien. Der Anteil der Division Europa am Konzernumsatz beträgt 16.8%.

«Hoher Kostendruck»

In allen Divisionen «sehr erfreulich» entwickelten sich laut Mitteilung die Umsätze von Caffè Latte. Aber auch in strategisch relevanten Nischenmärkten wie italienische Dessertspezialitäten oder Ziegenmilchprodukte seien «erfreuliche Zuwächse» erzielt worden. 

Der leichte Rückgang der Marge wird mit dem «hohen Kostendruck» begründet. Dieses Ergebnis sei angesichts des harten Branchenumfelds aber beachtlich, erklärte Emmi. «Erneut wird ersichtlich, wie wichtig das Kostensparprogramm ist, das wir seit mehr als zehn Jahren stetig ausweiten», äusserte sich Konzernchef Urs Riedener dazu.

Umfeld bleibt schwierig

Auf Basis des Halbjahresergebnisses bestätigte Emmi die für das Gesamtjahr 2019 gesetzten Ertragsziele (EBIT von 215 bis 220 Millionen Franken), reduzierte jedoch ihre Umsatzprognosen für die Division Europa. Entsprechend wird auch das Umsatzziel für die Gruppe leicht nach unten angepasst.

Man stelle sich in der zweiten Jahreshälfte 2019 auf ein «unverändert wettbewerbsintensives Umfeld» ein, hiess es in der Mitteilung. In der Schweiz werde der Preisdruck durch den Detailhandel hoch bleiben. Mit der Erstarkung des Frankens und den aktuellen politischen Entwicklungen sehe sich Emmi zudem weiteren Risiken ausgesetzt.

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