27.08.2014 07:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
Emmi: Trentinalatte belastet Ergebnis
Der grösste Schweizer Milchverarbeiter Emmi hat im ersten Halbjahr beim Umsatz nochmals zugelegt, muss aber beim Gewinn heftige Einbussen verkraften. Grund dafür sind Wertberichtigungen bei der italienischen Trentinalatte.

Die Lage auf dem italienischen Jogurtmarkt sei unbefriedigend schreibt Emmi in der Mitteilung vom Mittwoch. Korrekturen in der Höhe von 38,5 Mio. Fr. seien daher unumgänglich gewesen. Für die Zukunft von Trentinalatte werden alle Optionen (Weiterführung, Liquidation oder Verkauf) geprüft, betont Emmi. Der Reingewinn liegt darum um 76,1 Prozent tiefer bei 9,8 Mio. Franken. Auf operativer Ebene (EBIT) bleiben 39,8 Mio. Franken - 41 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Urs Riedener, CEO von Emmi, lässt sich im Communiqué wie folgt zitieren: «Die schwierige Entwicklung in Italien machte die Wertberichtigung unumgänglich. Das ist bedauerlich. Es widerspiegelt gleichzeitig die Absicht von Emmi, Massnahmen zu treffen, anstatt ungemütliche Situationen tatenlos auszusitzen. Die Steigerung beim Umsatz, beim bereinigten EBIT und Reingewinn sind erfreulich. Sie zeigen, dass wir mit unserer Strategie auf dem richtigen Pfad sind.»

Gut liefen die Geschäfte dagegen in der Schweiz, in den USA, in Chile, Spanien und Tunesien. Der Umsatz wuchs insgesamt um 3,7 Prozent auf rund 1,624 Mrd. Franken. Organisch, das heisst akquisitionsbereinigt und in Lokalwährung, resultierte konzernweit ein Wachstum von 4,1 %. Der internationale Umsatz belief sich auf CHF 724,0 Millionen und stieg damit um 7,1 % (organisch 8,4 %). Damit bewegt sich die Umsatzentwicklung im Rahmen der im Frühjahr kommunizierten Planung, schreibt Emmi. Die Akquisitionseffekte sind auf die Akquisitionen der Käserei Studer (CH) und Rachelli (I) sowie auf den Verkauf des Anteils an Nutrifrais (CH) zurückzuführen.

Neue Organisation

Auf den 1. Januar 2014 wurde bei Emmi die im Herbst 2013 kommunizierte, neue Organisation umgesetzt. Diese orientiert sich an den vier Divisionen Schweiz, Americas, Europa und Global Trade.

Schweiz: Erwartungen erfüllt

Die Division Schweiz erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 900 Mio. Fr. (2013: 890 Mio. Fr.) Dies entspricht einem Plus von 1,2 Prozent. Organisch, das heisst bereinigt um Akquisitionseffekte, betrug der Zuwachs 0,9 %. Die Segmente Molkereiprodukte, Käse, Frischprodukte, Frischkäse und Pulver/Konzentrate wiesen alle ein organisches Wachstum aus. Zum Wachstum beigetragen haben Kaltbach-Käse, Le Gruyère AOP und die Ziegenkäse Le Petit Chevrier. Auch Emmi Caffè Latte realisierte gemäss Emmi ein erfreuliches Wachstum. Positive Impulse wurden auch bei Chai Latte, Emmi Jogurtpur und dem Mozzarella registriert.

Unter den Erwartungen lagen die übrigen Drinks, die Wellbeing-Produkte, der Emmentaler AOP und das Handelsgeschäft mit nicht durch Emmi hergestellten Produkten. Die Division Schweiz hält im ersten Halbjahr einen Anteil von 55,5 Prozent (2013: 56,8 Prozent) am Gesamtumsatz. Das erklärte Ziel von Emmi, bis 2016 die Hälfte des Umsatzes im Ausland zu generieren, liegt nach wie vor in Reichweite.

Division Americas wächst markant

Die Division Americas umfasst neben den USA, Kanada und Chile auch Spanien, Frankreich und Tunesien. Diese Zusammensetzung sei darauf zurückzuführen, dass die verschiedenen Märkte von Kaiku derselben Division zugeordnet werden sollen, hält Emmi fest.

Der Umsatz in dieser Division stieg im ersten Halbjahr 2014 um 4,0 Prozent auf 408,2 Mio. Fr. (Vorjahr: 392,7 Mio. Fr.). Organisch, ohne Währungseffekte, resultierte ein Zuwachs von 10,7 %. Die Währungsnachteile sind vor allem auf die Märkte Kanada, Tunesien und Chile zurückzuführen.

Gewachsen sind die Umsätze in den USA, Tunesien, Spanien und Chile. In den USA waren die vor Ort produzierten Käse für Wachstum verantwortlich. Schwer tat sich Emmi mit AOP-Käse. Begründet wird dies mit den Preiserhöhungen. Als Highlights bezeichnet Emmi das laktosefreie Segment von Kaiku in Spanien und Chile, die gute Entwicklung der Jogurts in Tunesien sowie das gute Abschneiden von Emmi Caffè Latte in Spanien. Der Umsatzanteil der Division Americas beträgt 25,1 Prozent (Vorjahr: 25,1 %).

Europa: Ergebnis durchzogen

Die Division Europa umfasst die Märkte Benelux, Deutschland, Grossbritannien, Italien und Österreich. Der Umsatz stieg um 9,2 Prozent auf 233,9 Mio. Fr. (Vorjahr: 214,1 Mio. Fr.). Mehrverkäufe wurden bei Caffè Latte, besonders in Österreich und Grossbritannien, bei Desserts von A-27 sowie den Käsespezialitäten aus Kaltbach und der Käserei Studer verzeichnet.

Rückläufig waren das Joghurtgeschäft in Italien und Deutschland sowie der Export von AOP-Käse. Auch hier haben sich gemäss Emmi die Preiserhöhungen negativ auf die Verkäufe ausgewirkt, insbesondere beim Emmentaler AOP auf dem wichtigsten Exportmarkt Italien. Der Anteil der Division Europa am Konzernumsatz beträgt 14,4 % (Vorjahr: 13,7 %).

Global Trade: Klein aber fein

Die Division Global Trade beinhaltet Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in internationalen Märkten, in denen Emmi keine eigenen Gesellschaften oder Beteiligungen hat. Dazu gehören asiatische oder osteuropäische Länder sowie gewisse südamerikanische Staaten wie Brasilien. Der Umsatz der kleinsten Division stieg im ersten Halbjahr auf 81,9 Mio. Fr. Dies entspricht einem Zuwachs von 18,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Der deutliche Umsatzanstieg ist gemäss Emmi auf das gestiegene Milchaufkommen und die damit verbundenen höheren Milchpulverentlastungsexporte zurückzuführen. Ohne Berücksichtigung der Entlastungsexporte hätte das Wachstum der Division 5,5 % betragen. Der Anteil von Global Trade am  Konzernumsatz beträgt 5,0 Prozent (2013: 4,4 %).

Ausblick unverändert

Emmi geht für das gesamte Jahr 2014 mit keinen wesentlichen Veränderungen der Marktsituation aus. Für den Schweizer Markt wird mit einem stabilen Konsum, aber einem anhaltenden Einkaufstourismus und Importdruck, besonders bei generischen Produkten, gerechnet. Die durchschnittlichen Rohstoffpreise, einschliesslich der Milch, werden sich gemäss dem Luzerner Unternehmen im zweiten Halbjahr voraussichtlich im bisherigen Rahmen bewegen. Emmi rechnet weiter mit hohen Milchmengen, die zusätzliche Entlastungsexporte mit sich bringen dürften.

Emmi geht davon aus, dass die im März veröffentlichte Umsatzprognose für das Gesamtjahr erreichbar bleibt. Der Umsatz auf Konzernstufe (ohne zusätzliche Akquisitionen) dürfte sich auf 3 bis 4 Prozent belaufen.

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