23.08.2017 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Emmi tut sich im Inland schwer
Der grösste Schweizer Milchverarbeiter realisierte im 1. Halbjahr 2017 ein leichtes Umsatzwachstum 0.4 Prozent auf 1.6 Mrd. Franken, organisch ist der Konzern geschrumpft. Der Reingewinn erhöhte sich Vergleich zur Vorjahresperiode um 8.6 Prozent auf 66 Millionen. Die Wachstumsprognosen für den Konzernumsatz und für die Division Europa korrigiert nach Emmi nach unten. Rückläufig ist das Geschäft im Inland.

Im ersten Halbjahr 2017 stieg der Umsatz um 0.4%. Organisch, also bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte, resultierte aber ein Rückgang von 1.3%. Schwer taten sich in Innerschweizer im Inland. Emmi beklagt rückläufige Detailhandelsumsätze. Weitere Gründe für den Rückgang sind tiefere Käseexporte und Einbussen beim Dessertgeschäft von A-27. Letzteres ist auch eine Folge des Brexit-bedingten schwachen Britischen Pfunds.

Erwartungen verfehlt

Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT ging um 2,2 Prozent auf 90,4 Millionen Franken zurück. Unter dem Strich resultierte hingegen mit einem Reingewinn von 66,0 Millionen Franken ein Zunahme von 8,6 Prozent. Diese Verbesserung führt Emmi auf die vollständige Übernahme der Mittelland Molkerei zurück. Mit diesen Zahlen hat der Milchverarbeiter die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Laut der Nachrichtenagentur AWP waren die Analysten im Schnitt von einem Umsatz von 1,63 Milliarden Franken, von einem EBIT von 94,6 Millionen Franken und von einem Reingewinn von 67,6 Millionen Franken ausgegangen.

«Die Halbjahresumsätze reflektieren das anspruchsvolle wirtschaftliche Umfeld. Dazu gehören ein rückläufiger Detailhandel und steigende Käseimporte in der Division Schweiz. In der Division Europa hemmten der Brexit und die zurückhaltenden Käseexporte. Viele Märkte ausserhalb Europas entwickelten sich hingegen ansprechend», lässt sich Emmi-Chef Urs Riedener im Communiqué zitieren.

CH: Käsegeschäft unter Druck

Zwei der vier Divisionen von Emmi verzeichnete Rückläufige Umsätze. Eine davon ist die Division Schweiz. Der Umsatz blieb mit 838 Millionen Franken um 1.8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Emmi begründet den Rückgang mit dem rückläufigen Detailhandelsgeschäft, gelitten hat besonders der Bereich Milchprodukte (-4.9% auf 313 Mio. Fr.). Zudem setzte dem Konzern die zunehmenden Käseimporte zu.

Lichtblick im Inlandgeschäft sind (wie fast immer) Caffè Latte und Jogurtpur. Trotz grosser Konkurrenz habe man sich im Frischprodukte-Geschäft (+0.5% auf 175 Mio. Fr) halten können, so Emmi. Erfreut sind die Luzerner mit Luzerner Rahmkäse und dem Mozzarella-Geschäft. Eigenmarken und AOP-Käse waren rückläufig. Der Umsatz mit Käse reduzierte sich um 1.9% auf 219 Mio. Fr. Insgesamt realisiert Emmi noch 52 Prozent des Konzernumsatzes (2016: 54%) im Inland.

Americas: Gutes Käsegeschäft

Deutlich an Umsatz zugelegt hat die Division Americas (USA, Kanada, Chile, Frankreich, Tunesien und Spanien (Kaiku). Das Plus lag bei 6.2%, der Umsatz erhöhte sich auf 442 Millionen. Mit einem organischen Wachstum von 2.4 Prozent erreichte Emmi seine Zielsetzung (3-5%) nicht. Das Geschäft in Spanien und Frankreich bezeichnet Emmi als «anhaltend anspruchsvoll». Chile habe sich stabilisiert, positiv entwickelt hätten sich die Geschäfte in Tunesien und den USA.

Mit einem organischen Umsatzwachstum von 5.6% auf 180 Mio. Fr. entwickelte sich das Käsegeschäft in der Division Americas ansprechend. Besonders positiv entwickelten sich die in den USA hergestellten Kuh- und Ziegenmilchspezialitätenkäse, während die Käseumsätze in Frankreich zurückgingen. Der Umsatzanteil der Division Americas beträgt 28% (26%).

Global Trade schrumpft stark

Auch in der Division Global Trade laufen die Geschäfte nicht rund. Global Trade beinhaltet Exporte aus der Schweiz an Kunden in Ländern (Brasilien, Mexiko, Asien, Osteuropa), in denen Emmi keine eigenen Tochtergesellschaften oder Beteiligungen hat. Die Division schrumpfte um 13.8% auf 60 Millionen Franken.

Die Einbussen in den beiden grösseren Produktsegmenten Käse und Frischprodukte erklären sich insbesondere durch tiefere Umsätze in Russland (Käse) sowie in Asien und in den arabischen Staaten (Frischprodukte).

Umsatzziele nach unten korrigiert

Emmi passt nun die Umsatzziele an. In der Schweiz (Prognose: -2 % bis 0 %) und in der Division Americas (Prognose: 3 % bis 5 %) sind die Vorgaben in der unteren Bandbreite weiterhin realisierbar, so Emmi. Für Europa wird die Prognose auf -3 bis -1% gesenkt. Deshalb sinkt die Prognose für den Konzernumsatz auf -1% bis 0% statt bis 1 bis 2%.

Die Rahmenbedingungen seien für das 2. Halbjahr anspruchsvoll, so Emmi. «Die Märkte bleiben wettbewerbsintensiv und die wirtschaftliche Situation in Ländern wie Grossbritannien, Spanien, Italien und Frankreich angespannt», heisst es. Im Heimmarkt würden steigende Importe und der eher zurückhaltende Milchproduktekonsum die Lage verschärfen.

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