11.10.2016 11:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Emmi verlangt BTS oder Raus
Die grösste Schweizer Milchverarbeiterin will bis 2020 ihre Milchproduzenten auf mehr Nachhaltigkeit trimmen. So müssen alle mit Anbindestall entweder einen Laufstall bauen oder beim Raus-Programm mitmachen.Was halten Sie von diesem Plan? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab

Emmi startet eine Nachhaltigkeitsoffensive. Dazu will der Konzern seinen CO2-Ausstoss bis 2020 um 25% senken. Aber auch sämtliche Milchbauern, die an Emmi liefern (PMO und PO), werden in die Pflicht genommen. Dazu gehört, dass die Milchkuhhaltung hinsichtlich Auslauf die Anforderungen der Schweizer Tierschutzgesetzgebung übertrifft und die Kühe hauptsächlich Gras und Heu fressen. 

Nur 26 Prozent nehmen an BTS teil


«Derzeit erscheint es uns sinnvoll, eines der beiden Tierwohlprogramme BTS oder Raus bis 2020 zur Pflicht zu machen. Dies würde einerseits unseren Abstand zu den ausländischen Mitbewerbern wiederherstellen und wäre aber für viele unserer Milchproduzenten auch umsetzbar», sagt Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker auf Anfrage. Konkret bedeutet dies also, dass Milchbauern, die ihre Kühe im Anbindestall halten, entweder Raus erfüllen oder dann einen Laufstall bauen müssen.

2014 nahmen gemäss Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) 69,2% der Milchviehbetriebe am Raus-Programm teil. Am BTS-Programm hatten sich gerade mal 26% der Betriebe beteiligt. Die Beteiligung an BTS kommt der Haltung in einem Laufstall gleich. Wie viele Betriebe weder am BTS- noch am Raus-Programm teilnehmen, konnte das BLW bis Redaktionsschluss nicht beantworten.

Keinen Zuschlag auf Milch


Der Anbindestall ist also nach wie vor die vorherrschende Haltungsform. Bedeutet diese Anforderung nicht eine Benachteiligung dieser (legalen) Haltungsform? «Ob die Anbindehaltung derzeit den gesetzlichen Anforderungen entspricht, ist für uns nicht entscheidend», sagt Umiker. In Untersuchungen und Gesprächen mit Anspruchsgruppen habe sich gezeigt, dass «eine Milchproduktion auf der Basis von einheimischem Gras, Heu und Mais in Kombination mit einer artgerechten Tierhaltung viele der geäusserten Ansprüche erfüllen kann».

Auch punkto Fütterung will Emmi ihre Produzenten in die Pflicht nehmen. Diese müssen mindestens 80%  Grünfutter verfüttern, wobei im Gegensatz zum GMF-Programm des Bundes, das ebenfalls 80% Grünfutter verlangt, Ganzpflanzenmais nicht als Kraftfutter, sondern als Grünfutter angerechnet wird. Einen Zuschlag für die so produzierte Milch will Emmi aber nicht bezahlen. «Denn die ausländischen Milchbauern haben in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte gemacht und den Abstand zu den Schweizer Milchbauern – insbesondere hinsichtlich Umweltschutz und Tierwohl – verkleinert», betont Umiker. 

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