13.04.2018 16:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Emmi wehrt sich gegen Vorwürfe
Am Donnerstag gab der Zürcher Bauernverband (ZBV) bekannt, dass er wegen Emmi an die Wettbewerbskommission (Weko) gelangt. Grund: Missbrauch der Marktstellung. Der Milchverarbeiter sagt, dass die Lieferanten der Lieferung von C-Milch freiwillig zugestimmt haben. Und das Problem der Überschüsse sei nicht gelöst.

Der ZBV hat am Donnerstagnachmittag die Medien über eine Beanstandung im Bereich des Milchmarkts informiert. Emmi fordere für die Monate April bis Juni 2018 von seinen Milchlieferanten einen Anteil C-Milch von 20 Prozent, unabhängig vom System des Erstmilchkäufers, heisst im Schreiben der ZBV an die Weko.

ZBV: Unangemessene Übernahmebedingungen

«Dies bedeutet, dass jeder, der Emmi beliefern will oder muss, einen Teil seiner Milch zu einem unvorteilhaften C-Milchpreis liefern muss, obwohl er mit seinen Produzenten ein System hat, das eigentlich gar keinen C-Milchanteil zur Folge hätte», hält der Verband in seiner Beanstandung fest. Für die Produzenten habe dieses System mit tieferen Produzentenpreisen direkte Auswirkungen.

Mit der Beschaffung von billiger Milch wolle Emmi seine Marge weiter verbessern, schreibt der ZBV in der E-Mail zur Beanstandung. Emmi missbrauche ihre Marktmacht und setze unangemessene Übernahmebedingungen durch.

Lieferung von C-Milch freiwillig

Emmi sagt auf Anfrage von schweizerbauer.ch, dass aufgrund der rekordhohen Milcheinlieferungen des ersten Quartals (Januar +6.6% gegenüber Vorjahresmonat und Februar +4.8%) die Butter- und Milchpulverlager rasch angestiegen sind. Deshalb müssten die Überschüsse rasch «entlastet» werden. Dies sei sämtlichen Marktakteuren bewusst, teilt der grösste Schweizer Milchverarbeiter weiter mit.

«Emmi und ihre Lieferanten haben deshalb für April die Lieferung von 20 Prozent C-Milch vereinbart. C-Milch wird nur von denjenigen Milchlieferanten geliefert, die dem freiwillig zugestimmt haben», macht Emmi deutlich. Der Milchverarbeiter beteiligt sich an der Marktabräumung mit 1 Million Franken.

Überschussprobleme nicht gelöst

Emmi habe schweizweit die grösste Milchmengenregulierungsaufgabe übernommen, sagt das Unternehmen gegenüber schweizerbauer.ch. Eine bessere Alternative als C-Milch sieht Emmi nicht. «Der einzig andere Weg wäre eine Limitierung der von Emmi angenommenen Milchmenge. Dies würde aber zu einem Chaos auf dem Schweizer Milchmarkt führen», mahnt Emmi.

Emmi hat nach eigenen Angaben eine nationale Lösung angestrebt. Doch bei Lactofama und den Schweizer Milchproduzenten liefen die Innerschweizer auf. «Wir haben kein Gehör gefunden», schreibt Emmi. Die Emmi-Lieferanten seien nicht mehr gewillt, die Marktentlastung für den gesamten Schweizer Milchmarkt alleine zu finanzieren. Deshalb wird es in den Monaten Mai und Juni keine weiteren Entlastungen mehr geben. «Die Überschussprobleme sind deshalb nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben», gibt Emmi zu bedenken.

1 Million Tonnen Milch pro Jahr

In ihren Schweizer Produktionsbetrieben verarbeitet Emmi nach eigenen Angaben jährlich knapp 1 Million Tonnen Milch. Das entspricht rund einem Viertel der schweizerischen Milchmenge. Hinzu kommt die Milch, die Emmi in der Form von Schweizer Käse einkauft: rund 35’000 Tonnen jährlich. Die bei Emmi in der Schweiz verarbeitete Milch stammt von rund 6’500 Milchbauern. Ende 2017 zählte die Schweiz noch 20'000 Milchviehbetriebe.

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