18.08.2015 07:45
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Emmi
Emmi: Weniger Umsatz, mehr Gewinn
Der grösste Milchverarbeiter setzte im ersten Halbjahr 1,563 Mrd. Franken um. Das sind 62 Millionen oder 3,8 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Steigern konnte Emmi den Reingewinn. Dieser stieg um 1,4 auf 46,6 Mio. Fr. Das Resultat übertrifft die eigenen Erwartungen, teilt der Konzern am Dienstag mit.

Das gute Resultat sei auf Ertragssteigerungen und Bereinigungen in den ausländischen Betrieben zurückzuführen, teilen die Luzerner weiter mit. Die Divisionen Schweiz und Americas haben den Prognosen entsprochen, Europa hat über den Erwartungen gelegen. Der Umsatz im ersten Halbjahr lag bei 1,563 Mrd. Franken (-3,8%). Mit den Frischprodukten, namentlich Emmi Caffè Latte, erzielte das Unternehmen gar ein organisches Wachstum.

55,9 Prozent des Umsatzes wurden in der Schweiz erzielt, das sind 0,4 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2014. Das Ziel, im Jahre 2016 rund 50 Prozent des Umsatzes im Ausland zu generieren, scheint ambitiös. Emmi-Chef Urs Riedener ist mir der Entwicklung in den ersten sechs Monaten zufrieden. „Diese erfreuliche Entwicklung ist vor allem auf das Anfang Jahr beschlossene, konsequent umgesetzte Massnahmenpaket sowie auf Ertragssteigerungen in den Divisionen Europa und Americas zurückzuführen. Im zweiten Halbjahr gilt es, die Umsatzrückgänge in einem vernünftigen Rahmen zu halten – vor allem in der Schweiz.“

Schweiz: Importdruck und Einkaufstourismus

Das wichtigste Standbein für Emmi ist immer noch das Geschäft in der Schweiz. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent auf 874 Mio. Fr. Der grösste Milchverarbeiter der Schweiz führt diesen Rückgang auf das rückläufige Detailhandelsgeschäft, den Preiskampf im Industriegeschäft und die währungsbedingte Flaute im Tourismus zurück. Vor allem auch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat zu einem Preiskampf geführt.

Sämtliche Sparten haben Umsatzeinbussen zu verzeichnen. Bei den Molkereiprodukten (Milch, Rahm, Butter) war dies durch Mengenrückgänge und tiefere Milchpreise bedingt. Das Käsegeschäft war wegen den Importen rückläufig. Beim Frischkäse blieben die Mengen stabil, die Preise gaben aber wegen der Importe nach. Das Geschäft mit Pulver und Konzentrate litt gemäss Emmi unter dem massiven Preiskampf im Industriegeschäft. Nahezu stabil blieb der Umsatz bei den Frischprodukten wie Emmi Caffè Latte oder Jogurtpur. In der Schweiz wird 55,9 Prozent des Konzernumsatzes generiert.

Americas: Käsegeschäft steigend

Der Umsatz in der Division Americas belief sich auf 387,3 Mio. Franken und liegt damit 5,1 Prozent tiefer als im Vorjahr. Das ist vor allem auf negative Währungseffekte in Tunesien, Chile, Spanien und Frankreich zurückzuführen. Organisch, das heisst währungs- und akquisitionsbereinigt, resultierte ein Wachstum von 3 Prozent. Die Division Americas umfasst neben den USA, Kanada und Chile auch Spanien, Frankreich und Tunesien

Erfreulich entwickelte sich das Käsegeschäft, dies auch wegen dem Zukauf der J.L. Freeman in den USA. In den USA legten Schweizer wie auch lokale Käse zu. In Tunesien wurden ein Wachstum bei Molkerei- und Frischprodukten beobachtet, in Spanien legte Caffè Latte zu. In Chile hingegen gab es Umsatzeinbussen. Der Umsatzanteil von Americas liegt bei 24,8 Prozent (2014: 25,1%).

Europa: Nord-Süd-Gefälle 

Die Division Europa umfasst die Märkte Benelux, Deutschland, Grossbritannien, Italien und Österreich. Der Umsatz gab um 1,3 Prozent auf 231 Millionen Franken nach. „Damit hat die Division die Turbulenzen rund um den Euro besser als erwartet verkraftet“, schreibt Emmi.

Gelitten hat das Exportgeschäft mit Schweizer Käse, besonders nach Italien, ein organisches Wachstum resultierte dank Caffè Latte in Grossbritannien, Österreich und Benelux sowie mit Dessertprodukten in Italien. Der Anteil der Division Europa am Konzernumsatz beträgt 14,8 % (2014: 14,4 %).

Global Trade: Krise lässt Geschäft einbrechen

Die Division Global Trade beinhaltet Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in internationalen Märkten – vor allem Ländern, in denen Emmi keine eigenen Gesellschaften oder Beteiligungen hat. Darunter fallen osteuropäische Länder, Staaten auf der Arabischen Halbinsel und südamerikanische Länder. Und hier brach der Umsatz um 13,8 Prozent auf 70,6 Mio. Fr. ein. Dieser Rückgang sei auf die „wirtschaftliche Verlangsamung“ zurückzuführen.

Die kleinste Division vom Emmi erreichte einen Anteil am Konzernumsatz von 4,5 Prozent (2014: 5%).

Ausblick: Umsatz sinkt um 2 bis 3 Prozent

Emmi rechnet mit einer anhaltend angespannten Marktsituation. Im Schweiz-Geschäft dürfte der höhere Einkaufstourismus und Importdruck, der Preiskampf im Industriegeschäft und der rückläufige Konsum in der Gastronomie Emmi zu schaffen machen. Die negativen Auswirkungen der Euroschwäche auf den Umsatz in der Schweiz sollen sich in der zweiten Jahreshälfte gar noch verstärken.

In Tunesien, Grossbritannien und Nordeuropa wird einem guten Geschäftsgang gerechnet. In Chile, Frankreich, Italien und Deutschland hingegen wird eine verhaltene Entwicklung erwartet. Auf Konzernstufe hält Emmi an ihrem Umsatzziel fest und erwartet weiterhin einen organischen Umsatzrückgang von -3 % bis -2 %. Das EBIT erwartet Emmi zwischen 170 Millionen und 180 Millionen Franken (bisher 150 Millionen bis160 Millionen Franken). Die Reingewinnmarge wird voraussichtlich leicht über 3% liegen.

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