22.06.2017 17:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Emmi
Emmi zieht weiterhin 1.4 Rp ab
Milchverarbeiter Emmi macht auch ab 1. Juli einen Abzug von 1.4 Rp./kg und hält damit den A-Richtpreis für Molkereimilch der Branchenorganisation Milch (BOM) nicht ein. Damit droht ihr ein Aufmarsch der Bauernverbandsspitze um Markus Ritter und Martin Rufer.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) mit Präsident Markus Ritter an der Spitze gibt Gas auf dem Milchmarkt. Am 9. Juni schrieb der Vorstand des SBV: «Wir fordern alle Detailhändler, Milchverarbeiter und Milchkäufer auf, auf Anfang des nächsten Monats die Produzentenpreise mindestens auf das Niveau der Richtpreise der Branchenorganisation Milch anzuheben und die ungerechtfertigten Abzüge und Rückbehalte einzustellen.» Emmi hat diese Aufforderung in schriftlicher Form erhalten.

Für den Fall, dass die Forderungen nicht erfüllt würden, drohte der SBV am 9. Juni öffentlich mit «gezielten Aktionen in der ersten Juli-Woche gegenüber jenen Abnehmern, welche den Milchproduzenten ihren Anteil an der Wertschöpfung weiter verweigern».  

Ritter und Rufer sind schon fast im Anflug

Aus dem Mail, das Emmi-Mann Reto Hübscher nun den Emmi-Direktlieferanten zugesandt hat, wird klar: Markus Ritter wird in der ersten Juli-Woche zusammen mit Hans Frei, der die Arbeitsgruppe Milch des SBV leitet, und Martin Rufer, der innerhalb des SBV das Milchdossier betreut, nicht nur den Molkereien Hochdorf, Cremo und Züger mit ihren bekannten Tiefpreisen, sondern auch den mächtigen und gut vernetzten Zentralschweizern mit den Millionengewinnen auf die Finger klopfen müssen.

Emmi-Präsident Konrad Graber, Vizepräsident und Milchproduzent Thomas Oehen und Emmi-Chef Urs Riedener werden sich den SBV-Leuten erklären müssen. Denn wenn Ritter ruft, können sie nicht andere Termine vorschieben. Zu stark sind sie auf ihn angewiesen, wenn die Schoggigesetz-Nachfolgelösung, welche Emmi unbedingt will, durchs Parlament soll. 

Weiterhin ein Abzug, neu von 1.4 Rappen  

Emmi-Mann Reto Hübscher teilt im Schreiben die Milchpreise ab Juli 2017 mit. Darin steht zu den Marktabzügen, dass diese bis und mit Juni 2.4 Rp./kg betragen haben (auf der ganzen eingelieferten Milchmenge). Von Juli bis September 2017 sollen es «nur» noch 1.4 Rp./kg sein.  

Emmi über dem Durchschnitt

Eine kleine Boshaftigkeit leistet sich Emmi in ihrem Schreiben auch noch. Sie druckt nämlich das Milchpreismonitoring der SMP ab. Für 180'000 Kilogramm Molkereimilch ab Hof bezahlte Emmi in den Monaten April 2016 bis März 2017 durchschnittlich 54.0 Rp./kg. Daraus geht nämlich hervor, dass Emmi als Milchkäufer mehr bezahlte als Hochdorf (53.5), mooh (53.2), Strähl (52.5), Thur Milch Ring (52.2), Cremo (51.1), Aaremilch (51.0), Arnold (50.9), Prolait (50.3). Aber man sieht auch, dass FTPL (Tessiner, 59.4), Lanz (57.6), Elsa (56.2), ZMP (54.9), Züger (54.9) und LRG (54.2) mehr bezahlt haben als Emmi an ihre Direktlieferanten.

Das kommt daher, dass 1.0 Rp./kg für den Butterexport wegfallen. Die Abzüge von 0.5 Rp./kg für Schoggigesetz-Milch (Deckungslücke) und 0.9 Rp./kg für die Importabwehr bleiben bestehen. Das gibt zusammen 1.4 Rp./kg.  

So begründet es Emmi 

Auf fast einer ganzen A4-Seite begründet Emmi dieses Vorgehen. Das Unternehmen schickt voraus: «Emmi benötigt für einzelne Produktgruppe und Sortimente tiefere Milchpreise (als der Richtpreis der BOM), um die dahinterstehenden Milchmengen nicht zu verlieren.» Zum Wegfallen Butterexport-Beitrag: Da verweist Emmi auf die tieferen Butterlager als in den Vorjahren und auf tiefere Milcheinlieferungen. Aber auch 2017 müsse Fett exportiert werden, einfach nur halb so viel wie 2016. Emmi verpflichte sich, den Export von 250 Tonnen Butter auf eigene Kosten zu übernehmen. Mindestens hier hat also der öffentliche Druck von Ritter und Rufer bereits gewirkt.

Zum Abzug von 0.9 Rp./kg für die Importabwehr verweist Emmi auf den Käsemarkt: Dazu schreibt Emmi, dass sie mit einem Rohstoffpreis von 50 Rp./kg (A-Preis abzüglich Verkäsungszulage) gegenüber ausländischen Angeboten mit Milchpreisen von 35-40 Rp./kg oft nicht konkurrenzfähig sei, wenn es um austauschbare Produkte bei internationalen Ausschreibungen gehe. Emmi hält fest: «Können wir diese Produkte nicht mehr produzieren, sinkt in der Folge die A-Menge, und die Butterexporte steigen.» So unbeliebt diese Abzüge seien, in der Summe, so schreibt Emmi, obsiegten die Vorteile.

Keine C-Milch mehr

Im Monat Juli haben die Emmi-Direktlieferanten mit Standardsegmentierung keine C-Milch mehr (im April z. B. waren es noch ganze 15% gewesen). 66% A-Milch wird zum Basispreis von 60.0 Rp./kg verwendet (die Emmi verwendet ein anderes System als die BOM und betont, die 60 Rp./kg würden den 65 Rp./kg franko Rampe exkl. MwsT der BOM entsprechen, weil die Lademengenzuschläge vorgängig abgezogen würden und dann den Produzenten wieder draufgeschlagen würden). 34% der Milch wird zum B-Preis von 42.9 Rp./kg verrechnet. Das ist 1.1 Rp./kg mehr als im Monat Juni. 

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