11.04.2018 16:47
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Detailhandel
«Erdbeeren im März müssen sein»
Die Fenaco-Tochter Volg kann auf ein gutes 2017 zurückblicken. Volg-Chef Ferdinand Hirsig hat nach der Medienkonferenz von Dienstag Fragen von schweizerbauer.ch zum Erfolg von Volg, spanischen Erdbeeren im März, zur «Di Fair Milch», Poststellen und E-Commerce beantwortet.

Die Nischenstrategie mit Fokus auf Kleinläden zeigt Erfolg. Ein typischer Volg steht in einem Dorf mit 1200 Einwohnern, oft verfügt die Ortschaft über keinen weiteren Grossdetaillisten. Der Volg-Laden ist oft ein Treffpunkt im Dorf. Gibt es weitere Gründe für den Erfolg von Volg? «Unsere Nähe zu den Kunden und unsere Authentizität sind weitere Erfolgsfaktoren», sagt Hirsig zu schweizerbauer.ch. Volg will weiter wachsen und neue Läden eröffnen.

Noch 30 bis 40 Läden

Ist das Wachstum nicht endlich? «Das Wachstum ist natürlich nicht unbegrenzt. Wir sehen noch ein Potenzial von 30 bis 40 Läden. Dann ist die Schweiz mit Volg-Läden abgedeckt», so Hirsig. Das Wachstum soll vor allem in der Romandie vonstatten gehen. Derzeit betreibt das Unternehmen 23 Läden in der Französisch sprechenden Schweiz.

Ein wichtiges Thema für Volg ist auch die Swissness. Der Lebensmittelumsatz wird zu rund 80 Prozent mit Produkten aus der Schweiz generiert. So verkauft das Unternehmen zu 100% Schweizer Eier. Beim Käse liegt der Schweiz-Anteil mit 82% über dem Wert der Konkurrenz, sagt Hirsig. Beim Fleisch hat Volg nach eigenen Angaben mit 98% gar das schweizerische Angebot des Detailhandels. Wird Schweizer Anteil ausgebaut? «Wir haben ein Sortiment des täglichen Bedarfs, also jene Artikel, die die Kundschaft braucht. Dort gibt es einige Produkte, vor allem bei der Hygiene, die nicht aus der Schweiz stammen. Deshalb wird der Schweizer Anteil nicht mehr gross zunehmen», so Hirsig.

«Wollen nicht auf Umsatz verzichten»

Wichtig ist für die Fenaco-Tochter auch das Thema Nachhaltigkeit. Wie Coop und Migros hat aber auch Volg im März Erdbeeren verkauft. Muss das wirklich sein? «Ja, es muss sein. Es ist leider Realität, dass die Kunden nicht mehr wissen, was wann Saison hat. Erdbeeren sind ein Ganzjahresartikel», macht Hirsig deutlich. Aber könnte Volg nicht einfach auf den Verkauf verzichten? «Aus welchem sollten wir den Umsatz der Konkurrenz überlassen», sagt Hirsig zu schweizerbauer.ch

Name «Di Fair Milch» unglücklich

Im vergangenen Herbst lancierte die Landi Albis zusammen mit Milchbauern das Label «Di Fair Milch». Bei diesem Konzept ist der Verkaufspreis so angesetzt, dass der Milchbauer für seine Milch einen kostendeckenden Preis erhält. Überlegt sich Volg, diese Milch schweizweit in den Volg-Läden ins Sortiment aufzunehmen? «Wenn es faire Milch gibt, gibt es also unfaire Milch. Allen anderen Bauern haben also unfaire Milch», entgegnet Hirsig.

Er erachtet den Namen «Faire Milch» als ungünstig und unglücklich. «Wenn man den Mehrpreis für diese faire Milch im Laden realisieren könnte, dann bräuchte es kein Label. Aber der Konsument reagiert nicht so, wie man sich das vorstellt. Er zahlt nicht einfach mehr für Milch», so Hirsig.

Online-Handel ist Verlustgeschäft

Volg ist auch in den Online-Handel eingestiegen. Unter volg.ch können die Kunden Waren bestellen. Sie können den Einkauf im Laden abholen, oder nach Hause liefern lassen. Bereitgestellt wird der Einkauf von den Filialen. Monatlich gebe es rund 50 bis 60 Bestellungen, da bestehe noch Steigerungspotenzial, sagt Hirsig. Aber Geld verdienen liesse sich damit nicht. «Auch die Grossen machen Verlust», betont Hirisig. Aber weshalb bietet Volg diesen Service überhaupt an? «Es gehört einfach dazu. Wir wollen in diesem Bereich nicht abgehängt werden. Und wir lernen bei diesem Projekt auch dazu», erklärt der Volg-Chef.

Milchpreis ist hoch

Die Schweiz habe verglichen zu Europa bereits einen hohen Milchpreis. «Und diesen Preis zu erhöhen, wird schwierig», mahnt der Volg-Chef. Deshalb verzichtet Volg auf ein gesamtschweizerisches Projekt. So würde die Milchmenge nicht ausreichen. Zudem werden unter den Namen «Feins vom Dorf» bereits regionale Milch angeboten. Die einzelnen Landi könnten aber eine solche Milch einlisten.

Postagenturen: Volg bietet Hand

Volg betreibt bereits 331 Postagenturen. 2017 wurden in 49 Läden Postmodule integriert. Gibt es einen weiteren Ausbau? «Wir sind nicht der Treiber, sondern die Post», sagt Hirsig. Aber je kleiner ein Dorf sei, desto wahrscheinlicher sei es, dass Volg für eine Poststelle angefragt werden. «Wir bieten der Post Hand, entschieden wird von der Post«, führt er aus. 

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