19.03.2013 06:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
Erfolg für die Wiesenmilch
Die Labelmilch wird in Kürze in der Migros Luzern angeboten. Die Innerschweizer liessen sich von der Migros Aare überzeugen. Seit Mitte 2012 wurde die Wiesenmilch nur noch bei der Migros Aare angeboten.

Die Wiesenmilch schafft nun doch den Sprung aus dem Einzugsgebiet der Migros Aare. Rund acht Monate nach der Auslistung auf nationaler Ebene sorgt die Labelmilch wieder für positive Schlagzeilen. Am 4. April wird die Genossenschaft Migros Luzern die Wiesenmilch ins Sortiment aufnehmen. 2012 kam dieser Milchartikel national aber nicht auf Touren.

Der Verkaufsstart erfolgte nach rund fünfjähriger Vorbereitungszeit im Oktober 2011. Landesweit wurde eine TerraSuisse-Wiesenmilch UHT-Qualität vertrieben. Die Migros Aare hingegen vermarktete die Wiesenmilch mit dem Zusatz «Aus der Region» (ADR) und als Pastmilch. Das Verkaufsziel der Migros war (zu) ambitiös. Jährlich sollten 20 Millionen Kilogramm abgesetzt werden.

Aare top, national flop

Doch schnell zeigte sich, dass sich die «nationale» Wiesenmilch nicht durchsetzen würde. Ende April 2012 zog der Migros-Genossenschafts-Bund die Reissleine. Anfang Juli wurde diese aus dem Sortiment genommen. Begründet wurde der Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, dem Kunden den Mehrwert der Terra-Suisse-Wiesenmilch zu kommunizieren.

Ganz anders entwickelte sich das Geschäft bei der Migros Aare. Das «Doppellabel», TerraSuisse und ADR, verhalf der Wiesenmilch zum Erfolg, zudem hat die grösste Migros-Genossenschaft der Schweiz ihre bisherige ADR-Pastmilch durch die ADR-Wiesenmilch ersetzt. Und auch 2013 befindet sich die Labelmilch auf Wachstumskurs.

Rolf Bernhard, Leiter Labels der Migros Aare, erklärt auf Anfrage, dass der Verkaufszuwachs der Labelmilch sich im einstelligen Prozentbereich befinde. Die Wiesenmilch gehöre mittlerweile unter die drei führenden Milchartikel der Genossenschaft, hebt er hervor. Die Verkaufsmenge lag nach Recherchen des «Schweizer Bauer» 2012 deutlich über 7000 Tonnen. Bernhard ist überzeugt, dass sich die Investition in die «graslandbasierte Milchproduktion» für den Kunden, die Migros und die Bauern lohne.

Luzern: 2,5 Millionen Kilo

«Nach Gesprächen mit der Migros Aare sind wir überzeugt, dass auch die Kunden in der Zentralschweiz den Mehrwert der Wiesenmilch schätzen werden. Die Milch wird auch mit dem Doppellabel angeboten», erklärt Rahel Probst, Mediensprecherin der Migros Luzern. Als Mehrwert bezeichnet sie die tierfreundliche Haltung, die graslandbasierte Fütterung mit geringem Kraftfuttereinsatz sowie den Verzicht auf Sojakomponenten.

Noch im vergangenen August wollte die Migros Luzern nichts von der Wiesenmilch wissen. Weshalb diese Kehrtwende? «Von einer Kehrtwende kann keine Rede sein, denn wir erweitern unsere bestehende ADR-Milch mit Mehrwert», erklärt Probst den Meinungswechsel. Die Migros Luzern hat sich zum Ziel gesetzt, die bisherige Verkaufsmenge an ADR-Milch um fünf Prozent zu steigern. 

Insgesamt werden 20 Bauern aus dem Kanton Schwyz rund 2,5 Mio. Kilo Milch in den Wiesenmilchkanal liefern. Abgefüllt wird diese durch das Schwyzer Milchhuus in Schwyz. Der Migros-Genossenschafts-Bund war von Beginn an in die Verhandlungen involviert, bestätigt Sprecherin Monika Weibel. Wird auch die Genossenschaft Neuenburg-Freiburg die Wiesenmilch einführen? Verschiedene Genossenschaften seien derzeit am Prüfen. Die Wiesenmilch sei für den Konzern «sehr» wichtig. Denn diese stehe für eine «standortgerechte und ressourceneffiziente Schweizer Milchproduktion». Eine erneute Aufnahme in das nationale Sortiment stehe aber aktuell nicht zur Diskussion.

Prämie noch vier Rappen

«Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Wiesenmilch zum Erfolg wird», erklärt Peter Althaus, Projektleiter von TerraSuisse bei IP-Suisse, gegenüber dem «Schweizer Bauer». Die Gespräche mit der Migros Luzern hätten vergangenen Herbst begonnen. Den ersten Schritt haben gemäss Althaus die Innerschweizer unternommen. In den vergangenen vier Monaten wurden die Bauern unter Vertrag genommen und kontrolliert. Diese Kontrollen stünden nun kurz vor dem Abschluss. Zudem hätte auch die Logistik geklärt werden müssen. 

Für die erbrachten Mehrleistungen erhalten die Wiesenmilchproduzenten seit dem 1. Januar 2013 vier Rappen mehr auf der eingelieferten Vertragsmenge. «Bei den Prämienverhandlungen mit der Migros von vergangenem November wurde die Prämie um drei Rappen gesenkt», führt Althaus aus. Die Wiesenmilch sei aber die nachhaltigste Milchprodukion. Er ist überzeugt, dass sich diese auch national etablieren könne. Das seit dem 1. Januar geltende Verfütterungsverbot von Sojakomponenten ermögliche ein weiteres Auslobungskriterium.

Die Wiesenmilch zeichnete sich bisher damit aus, dass die Mehrleistungen der Produzenten vom Markt abgegolten wurden. Mit den angedachten grünlandbasierten Beiträgen besteht aber die Gefahr, dass die Prämie verschwinden könnte.

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