26.03.2014 08:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Kartoffelmarkt
Fenaco drückt Kartoffelpreis
Die Fenaco hat bei einigen Speisekartoffelsorten eigenmächtig eine Kaliber- und Preisänderung beschlossen. Die Kartoffelproduzenten befürchten eine Signalwirkung auf andere Abnehmer. Dieses Vorgehen sei inakzeptabel. Mit Umfrage.

Zwischen der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP) und dem grössten Schweizer Kartoffelabnehmer herrscht dicke Luft. Ohne mit den Produzenten Rücksprache zu nehmen, hat die Fenaco kürzlich eine Kaliberanpassung nach oben und eine Preisreduktion bei den Sorten Ditta, Nicola und Erika  beschlossen.

Grund: Tiefere Nachfrage nach Raclette-Kartoffeln

Sie übernehme diese festkochenden Sorten  neu mit einem Kaliber von 30 bis 70 mm statt wie bisher von 30 bis 60 mm, teilte die Fenaco ihren Produzenten mit. Da diese damit mehr Menge pro Hektare abliefern könnten, würden aber nur noch 89 Prozent des Swisspatat-Preises bezahlt (rund 5 Fr./100 kg weniger).

Jörg Schär, Category Manager Frischkartoffeln bei der Fenaco, begründet: «Ab März nimmt die Nachfrage nach Raclette-Kartoffeln (Kaliber 30 bis 42,5 mm) jeweils stark ab.» Mit der Kalibererhöhung solle für die letzte Vermarktungsphase der Anteil an kleinen Kalibern eliminiert werden. Zudem werde mit grösseren Knollen die Lagerqualität verbessert. Von den Änderungen betroffen seien rund 25 Prozent der festkochenden Kartoffeln.

Kartoffelproduzenten erzürnt

Für Ruedi Fischer, Präsident der VSKP, ist dieses Vorgehen absolut inakzeptabel: «Es kann nicht sein, dass ein Abnehmer auf eigene Faust eine solche Preisreduktion vornimmt.» Was auf den ersten Blick für den einzelnen Kartoffelproduzenten keine grossen Auswirkungen zu haben scheine, werde schon mittelfristig überaus negative Folgen auf die ganze Übernahme und Preisfindung in der Branche haben. «Wenn die Fenaco-Landi-Gruppe als bäuerliche Organisation mit solchen Vorstössen kommt, welche Signale sendet das an die anderen Abnehmer?», sorgt sich Fischer.

Auch wenn die Fenaco in den letzten Monaten bei den Speisekartoffeln Marktanteile verloren habe, solle sie sich wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft an die ausgehandelten Übernahmebedingungen in der Branche halten. Dies gelte auch für alle anderen Abnehmer von Kartoffeln.

Jörg Schär sagt dazu: «Es besteht kein direkter Zusammenhang, aber es ist klar, dass der Verlust von Aufträgen immer dazu bewegt, die eigene Wettbewerbsfähigkeit noch konsequenter zu überprüfen.» Er sieht in den geplanten Änderungen kein Problem: «Es geht nicht um eine Preisreduktion, sondern um eine Festigung des Schweizer Kartoffelabsatzes.» Die Wirtschaftlichkeit für den Produzenten werde gewahrt. Falls dieses Ziel nicht erreicht werde, werde man Korrekturen einleiten.

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