18.11.2016 14:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Doris Bigler
Bell
«Fleischabsatz ist preiselastisch»
Die Freigabe von Fleischimportkontingenten und der eigentliche Import erfolgten zeitverzögert. Deshalb könne es trotz Kuhfleischimporten zu Preissenkungen kommen, erklärt Bell-Mediensprecher Fabian Vetsch.

«Schweizer Bauer»: Ende Juli, als der Preis für Schlachtkühe innert weniger Wochen von Fr.8.50 auf  Fr.7.30 «sank», wurde in der Branche erzählt, dass Bell in Absprache mit anderen Abnehmern die Treiberin hinter diesem herbeigeführten Preissturz war.  Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Fabian Vetsch: Jeder Verarbeiter ist für den Absatz seiner Produkte und die damit verbundene Preisgestaltung selbst verantwortlich. Bell beteiligt sich nicht an Preisabsprachen und weist solche Vorwürfe in aller Form zurück.

Vor einer Woche sank der Kuhpreis um 10 Rappen, obwohl für den November Kuhfleischimporte bewilligt worden sind, es also an Verarbeitungsfleisch mangelt. Wiederum habe sich Bell für einen Preisabschlag ausgesprochen. Wieso?
Grundsätzlich ist der Preis für Schlachtkühe ein Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage. Das führt dazu, dass bei erhöhtem Angebot der Preis sinkt. Die Freigabe von Importkontingenten und der eigentliche Import erfolgt zeitverzögert. In diesem Zeitraum kann sich die Marktsituation wieder ändern.

Das oft gehörte Argument, als der Preis für Schlachtkühe auf dem hohen Niveau von 8.50 Fr./kg SG lag, war: «Die Verarbeiter finden bei diesen hohen Preisen die Rechnung nicht mehr.» Können Sie diesen Satz erklären? Kann Bell bei höheren Einstandspreisen das Verarbeitungsfleisch nicht einfach entsprechend teurer weiterverkaufen?
Wir befinden uns in einer Marktwirtschaft, und wir spüren die Auswirkungen des Einkaufstourismus. Bell kann die Preise deshalb nicht nach Belieben erhöhen. Der Absatz von Fleisch ist zudem äusserst preiselastisch. Wenn der Preis zu hoch angesetzt wird, hat das negative Auswirkungen auf den Absatz.

Zum Schweinemarkt: Obwohl es seit Monaten zu viele Schweine auf dem Markt hat, verharrt der Preis auf 3.60 Fr./kg SG. Letztes Jahr sank er bis auf 3.20 Fr./kg SG. Das ist für die Produzenten wenigstens ein kleiner Trost in der sonst miserablen Marktlage. Wieso drückt Bell den Schweinepreis nicht tiefer, obwohl es aufgrund des Überangebotes möglich wäre?
Wir haben in den letzten Wochen viele Aktionen im Bereich Schweinefleisch durchgeführt, um den Absatz zu fördern. Die Preiselastizität macht sich allerdings auch in umgekehrter Richtung bemerkbar. Preissenkungen haben irgendwann keine Wirkung mehr, sodass tiefere Preise ab einem gewissen Punkt keinen höheren Absatz zur Folge haben.

Wie läuft derzeit der Verkauf von Schweinefleisch?
Der Verkauf läuft auf einem für die Jahreszeit normalen Niveau. Das Angebot ist jedoch zu gross.

Bankkälber sind derzeit Mangelware, die Preise hoch. Im Frühling wird aber wieder ein Überangebot herrschen, und die Preise werden sinken. Wäre es nicht möglich, im Frühling mehr Kalbfleisch einzufrieren und im Herbst auszulagern (zusätzlich zu den Einlagerungsaktionen des Bundes)? Als Folge wären die Preise im Herbst zwar etwas weniger hoch, dafür würden sie im Frühling nicht so tief sinken.
Der Schweizer Konsument bevorzugt grundsätzlich frische Ware. Er greift auch lieber auf frische Importware als auf TK-Ware aus Schweizer Produktion zurück.

*Das Interview wurde schriftlich über die Medienstelle von Bell geführt, da Stefan Seiler, Leiter Einkauf/Verkauf Frischfleisch bei der Bell Schweiz AG nicht für ein persönliches Interview zur Verfügung stand. 

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