26.12.2012 08:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchmarkt
Forsches Expansionstempo kostete Hochdorf-CEO den Kopf
Damian Henzi, der langjährige Geschäftsführer des Milchverarbeiters Hochdorf, musste am Dienstag vergangener Woche seinen Stuhl räumen. Zum Verhängnis wurde dem CEO das Ausweiten der Geschäfte in Länder, welche der Verwaltungsrat als zu risikoreich taxierte.

Bei Milchverarbeiter Hochdorf rumorte es zu Beginn der vergangenen Woche. Am Dienstagmorgen teilte der Verwaltungsrat des Luzerner Unternehmens mit, dass man sich von Damian Henzi, welcher Hochdorf seit 1997 leitete, aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen“ über die Strategie trennen werde.

Henzi forcierte in den vergangenen Monaten das Auslandgeschäft. So schloss er neue Verträge für die Lieferung von Babynahrung in Form von Milchpulver mit Unternehmen in China, Taiwan und Brasilien ab. Die Tochter Hochdorf Nutricare kann in den nächsten Jahren bis zu 3000 Tonnen an diese Unternehmen liefern. Henzi hatte sich zum Ziel gesetzt, in zwei Jahren 50 Prozent des Umsatzes im Ausland zu generieren. 2012 betrug dieser Wert 35,2 Prozent.

Verwaltungsrats-Präsident Hans-Rudolf Schurter sagte in der Mittwochsausgabe der vergangenen Woche der „Neuen Luzerner Zeitung“ (NLZ), dass das Gremium hinter den Ausbauplänen in China und Südamerika stehe. Henzi habe aber in Länder expandieren wollen, in denen das Risiko ungleich höhere gewesen wäre. Schurter will aber die Länder nicht beim Namen nennen. Das 50-Prozent-Auslandumsatz-Ziel stehe aber nach wie vor in der Hochdorf-Strategie.

„Wir waren nicht mehr gleicher Meinung, wie sich Hochdorf weiterentwickeln soll“, fährt Schurter fort. Der Verwaltungsrat stelle Profitabilität über Wachstum. Zu einer Einigung mit dem CEO sei es nicht gekommen. Der VR liess die Muskeln spielen. „Es geht nicht, dass wir die ganze Zeit neue Projekte anreissen sowie die Ressourcen und Personal dort binden“, stellte Schurter klar. Man müsse Geschäfte abarbeiten und konsolidieren.

Wie die NLZ weiter schreibt, komme die Sorge um die Profitabilität nicht ohne Grund. Im ersten Halbjahr brach der Reingewinn um 90 Prozent ein, die Umsatzzahlen zeigen seit 2008, trotz grosser Anstrengungen, gegen unten. Um die Zahlen zu verbessern, strebt VR-Präsident Schurter eine deutlich bessere Auslastung des Sprühturmes in Sulgen TG an. Mit der Auslastung des 60-Millionen-Investments sei man noch nicht dort, wo man sein sollte. Zudem müsse man noch die Qualitätsprobleme in den Griff bekommen.

Schurter betonte aber, das die Trennung nach so langer Zeit schwer fiel.

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