18.10.2018 15:23
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleischmarkt
Gibt es erneut Kuhfleisch-Importe?
Am Freitag tagt der Proviande-Verwaltungsrat. Beschlossen werden auch Fleischimporte. Im Fokus steht dabei das Verarbeitungsfleisch. Die Preise für Schlachtkühe sind sinkend. Mit Importen dürfte der Preis weiter unter Druck geraten.

Die Schweizer Bauern kämpfen seit Monaten mit den Folgen der Trockenheit. Ausgiebiger Regen ist in vielen Gebieten nicht gefallen. Für viele Milchbauern ist das ein grosses Problem. So fehlt es an ihnen an Futter für die Tiere. Entweder verfüttern sie bereits Wintervorräte, kaufen Futter zu oder bringen Kühe zum Metzger. 

Preiscrash Anfang August

Im vergangenen August kam es zu einem Eklat. Wegen der akuten Trockenheit und Futtermangel wurden mehr Tiere in die Schlachthäuser geliefert. Die Verarbeiter haben in der Folge die Marktpreise massiv gesenkt. Über das Wochenende kam es zu einem regelrechten Preissturz. Am Freitag, 3. August, wurde der Richtpreis von der Proviande auf 8.20 Fr. pro Kilo Schlachtgewicht (T3) festgelegt. Am Montag, 6. August, teilte die Coop-Tochter Bell mit, dass sie nur noch 7.00 Fr./kg SG für Schlachtkühe zahlen gewillt sei. 

«Die Situation hat sich in der Tat zugespitzt. Für die laufende Woche müssen wir mit einem etwa doppelt so hohen Angebot rechnen als üblicherweise zu dieser Jahreszeit», sagte ein Bell-Sprecher am Montag, 6. August, zu «Schweizer Bauer». Und Proviande-Präsident Markus Zemp merkte an: «Am Freitag wurden wie verrückt Kühe angemeldet. Dadurch ist das Angebot derart gestiegen, dass der Proviande-Preis von 8.20 Fr./kg kaum mehr realisiert werden kann.»

Importe im August hart kritisiert

Hart kritisiert wurde das bewilligte Importkontingent von Ende Juli. Die Proviande beantragte die Einfuhr von 800 Tonnen Kuhhälften, das entspricht rund 2400 Kühen. «Dieser Importantrag wurde Ende Juli von der Mehrheit den Marktteilnehmern als marktkonform eingeschätzt» sagte Zemp zu «Schweizer Bauer» und fügte an: «Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer. An der ausserordentlichen Verwaltungsratssitzung wurde die Importperiode für Schlachtkörper von Verarbeitungskühen für August um 4 Wochen bis Ende September verlängert.

«Das Verhalten einiger Abnehmer mit den massiven Preisabschlägen ist nicht akzeptabel. Sie nutzen die schwierige Situation der Landwirte schamlos aus. Die Abnehmer haben hohe Importe beantragt, und einige Tage später senken sie die Preise massiv. Das geht natürlich absolut nicht», sagte Martin Rufer, Leiter Märkte beim Schweizer Bauernverband, zum Preisabschlag und den Importen.

Es dürften mehr Tiere auf den Markt kommen

Am Freitag wird sich der Verwaltungsrat der Proviande wieder treffen. Auf der Traktandenliste stehen auch Importanträge. In der vergangenen Woche wurde der Proviande-Richtpreis von 7.50 Fr./kg SG nicht von sämtlichen Verarbeitern realisiert. Die Coop-Tochter Bell zahlte nur zwischen 7.20 bis 7.50 Fr. kg SG. Grund für die tieferen Preise sind steigende Kuhzahlen.

Sollte nun der Verwaltungsrat erneut Importe beantragen, dürfte die Kuhpreise weiter unter Druck geraten. Aufgrund der Trockenheit und des Futtermangels werden mehr Tiere erwartet. Bei einem Wetterumschlag, sprich Regen, werden zudem noch mehr Tiere zur Schlachtbank geführt.

Der Verwaltungsrat der Proviande besteht aus 6 Produzentenvertreter und 6 Vertreter des Handels und der Verarbeiter. Damit ein Importantrag zustande kommt, muss die Mehrheit des VR zustimmen. Findet sich keine Mehrheit, hat der Präsident Markus Zemp den Stichentscheid.

Coop-Tochter spielt wichtige Rolle

Grossen Einfluss auf den Beschluss hat die Coop-Tochter Bell und deren Chef Lorenz Wyss. Bell schlachtet am meisten Kühe in der Schweiz. Stimmt er gegen Importe, werden sich die anderen Vertreter ihm mit grosser Wahrscheinlichkeit anschliessen. Am Donnerstag gab die Proviande den Richtpreis für die kommenden Woche bekannt. Dieser wurde um 10 Rappen auf 7.40 Fr./kg SG gesenkt. Ob nun nun weitere Importe vonnöten sind, entscheiden die 12 Vetreter des Proviande-Verwaltungrates.

Aus der Schusslinie nimmt sich ein grosser Abnehmer von Bell, McDonalds Schweiz. Man nehme keinen Einfluss auf den Produzentenpreis, sagte das Fast-Food-Unternehmen zu «Schweizer Bauer». Bis Ende Jahr sei aber geplant, ausschliesslich Schweizer Rindfleisch einzusetzen.

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